Eigentlich wird sich ja nichts ändern. Nur der Verein, der in Zukunft auf den Start- und Ergebnislisten hinter Annika Mehlhorns Namen steht. Denn am Freitag hat der Deutsche Schwimm-Verband den Startrechtswechsel der 26-Jährigen von der SG ACT Baunatal zur SG Frankfurt bestätigt.
Für die Startgemeinschaft vom Main kommt die Einigung mit der Staffel-Bronzemedaillengewinnerin der WM von Rom zum erhofften Zeitpunkt. Denn heute gilt es im Endkampf der deutschen Mannschaftsmeisterschaft, den drohenden Abstieg abzuwenden. Momentan liegen die Frankfurterinnen auf dem elften Platz mit einem Rückstand von etwas mehr als 100 Punkten auf den zum Klassenerhalt notwendigen Rang zehn. Die Distanz zu überbrücken und möglichst noch höher zu klettern, dürfte nun kein Problem sein, da neben Mehlhorn auch US-Studentin Vipa Bernhardt das Frankfurter Team in Wuppertal verstärkt.
Mehlhorn freut sich darauf, nun mit denjenigen gemeinsam auf Punktejagd zu gehen, mit denen sie tagtäglich im Frankfurter Stützpunkt ihre Bahnen zieht. Und mit denen gemeinsam sie auch die Wettkämpfe absolviert. Nur mit dem Unterschied, dass sie beim Abendessen bislang als Einzige selbst zahlen musste. Und das zuletzt aus einer kleinen Börse. Ein einst von der Stadt Baunatal initiierter Förderfonds, aus dem heraus die Nordhessin lange bezuschusst worden war, sei "komplett abgeflacht", wie sie sagt. Vor allem, so hätten ehemalige Sponsoren es begründet, weil sie in der zwar nicht gerade mit leistungsstarken Athleten, aber auch nicht mit zahlungskräftigen Firmen gesegneten Region kaum mehr präsent sei. "Dabei war ich doch da", sagt Mehlhorn, die noch immer ihr Domizil in der alten Heimat aufgeschlagen hat und so oft wie möglich zwischen dort und ihrem Frankfurter Internatszimmer hin und her pendelt.
Nach ihrer schwimmsportlichen Karriere will Mehlhorn sowieso wieder zurück in den Norden. Zuvor jedoch möchte die Vizeweltmeisterin von 2001 über 200 Meter Schmetterling bei den Olympischen Spielen in London ins Wasser springen. Für die dafür nötigen, teuren Maßnahmen reichen ihre Ausbildungsvergütung bei der hessischen Polizeisportfördergruppe und die geringen Zuschüsse ihres bisherigen Vereins und ihres verbliebenen Hauptsponsors nicht aus. Zudem existiere ihre nur auf einer 25-Meter-Bahn übende Baunataler Trainingsgruppe sowieso nicht mehr.
Richtig durchstarten kann Mehlhorn allerdings noch nicht. Die Kurzbahn-Europameisterschaft nächste Woche in Istanbul wird ohne sie stattfinden, weil sie vor der Qualifikation in Essen eine Woche lang gar nicht trainiert und deshalb trotz vier Medaillen die Norm nicht erfüllt hat. Die angehende Polizeikommissarin befindet sich bis Ende Januar im Prüfungsstress. Danach wechselt sie, das Diplom vorausgesetzt, auf ein Polizeirevier nach Sachsenhausen. Sehr präsent wird sie dort angesichts vieler Trainingslager und Wettkämpfe nicht sein. Doch wenn sie da ist, will sie nicht hinterm Schreibtisch versauern. Lieber nimmt sie die höhere körperliche Belastung und das Risiko in Kauf und fährt Streife durch den Frankfurter Süden.