Frankfurt. Er ist die Nummer vier der Welt, doch in der aktuellen deutschen Rangliste sucht man Tischtennis-Star Timo Boll vergebens. Der 28-Jährige aus Höchst/Odenwald erfüllt derzeit nicht die Bedingungen für einen Platz in der nationalen Punktewertung. Der Grund dafür liegt in seiner außerordentlichen Klasse.
Die meisten Siege bringen Boll keine Punkte ein, weil die Gegner viel schwächer eingestuft sind als er selbst. Im Gegenteil: Er läuft dabei sogar Gefahr, Punkte zu verlieren. Das jedoch erlaubt das System nicht, nach dem Siege eines viel leistungsstärkeren Spielers, die diesem zum Nachteil gereichen würden, nicht berücksichtigt werden. So kommt Boll allerdings nur auf ein zu verwertendes Ergebnis in den vergangenen zwölf Monaten, fünf aber braucht er, um eine Position in der Rangliste zugewiesen zu bekommen. Deshalb musste er zum Jahresauftakt seinen Platz an der nationalen Spitze räumen und ihn seinem Doppelpartner Christian Süß überlassen, mit dem zusammen er am Freitag beim Pro-Tour-Finale in Macao ins Finale einzog.
Bolls einziger Weg zurück in die nationale Rangliste führt über Niederlagen und der damit verbundenen Einbuße an Spielstärke. Doch die erlebt er derzeit fast ausschließlich auf internationaler Ebene, wo Boll sich gestern in Macao bereits im Achtelfinale mit einem 0:4 gegen den Chinesen Xu Xin verabschiedete.
Dagegen setzte Bolls Trainingskollege in seiner hessischen Heimat, Ruwen Filus, seinen Siegeszug im U21-Wettbewerb bis ins Finale fort. Der Abwehrspieler der TG Hanau, dessen Vereinskollege Patrick Franziska diese Woche seinen Vertrag bis 2013 verlängert hat, lag in der Vorschlussrunde gegen den Südkoreaner Jung Young Sik bereits mit 1:3 im Hintertreffen, ehe er eine dramatische Aufholjagd startete. "Ich habe ab dem 1:3 besser gespielt und mich zurückgekämpft, hatte aber auch ein wenig das Glück auf meiner Seite", sagte Filus, der im sechsten Satz drei Matchbälle abwehren musste. (kat)