Der Meister gibt sich bescheiden. Die Nachbarn aus Frankfurt, sagt der Wiesbadener Cheftrainer Oliver Großmann, seien für ihn der "absolute Favorit", wenn die Schwimmer am Samstag zu den Vorkämpfen der deutschen Mannschaftsmeisterschaft in Mainz (12 Uhr, Taubertsbergbad) und Hannover ins Becken springen. Sowohl auf Landesebene als auch zuletzt beim Weltcup in Berlin hätten die Rivalen in der aktuellen Kurzbahnsaison mit starken Leistungen überzeugt. Und sollte das Team um Vizeweltmeister Helge Meeuw doch ein paar Pünktchen zu viel im Wasser liegen lassen, stünden in Aufsteiger Essen und den mit Ex-Weltmeister Thomas Rupprath verstärkten Würzburgern weitere heiße Titelkandidaten bereit.
Mit einer Medaille liebäugelt der Überraschungssieger des Vorjahres dennoch. Doch Großmann gibt zu bedenken, dass er aus beruflichen Gründen womöglich nicht das beste Team nach Mainz schicken kann. Und anders als in den Vorjahren nehmen die 14 Vereine der Beletage ihre Punkte aus den Vorkämpfen mit ins Finale Anfang Dezember in Wuppertal. Als Ausrede für ein mögliches schwaches Abschneiden will er dies aber nicht gewertet haben.
Neu ist in den Reihen des SC Wiesbaden Brustspezialist Johannes Neumann, den die Polizeisportfördergruppe aus Riesa nach Hessen gelockt hat. Dagegen ist Benjamin Bilski jetzt für Frankfurt aktiv. "Er war nicht zufrieden mit meiner Arbeit", sagt Großmann, während der Frankfurter Sportdirektor Michael Ulmer den 21-Jährigen mit offenen Armen begrüßt hat: "Er passt wunderbar zu uns", sagt er über den zweiten Neuzugang des Vorjahressechsten neben dem deutschen Vizemeister über 1500 Meter Freistil, Manuel Schwarz (Saar).
Damals hatte Helge Meeuw krankheitsbedingt nicht zum Finale antreten können, diesmal kommt der Medizinstudent mit guten Vorleistungen aus seiner Wahlheimat Magdeburg in die Rhein-Main-Region. Dort würde man ihn laut Ulmer auch gerne bis 2012 an die SG Frankfurt binden. "Doch wir brauchen Sponsoren, die das gewährleisten."
Gibt er sich trotz der andauernden Suche nach Geldgebern, die Meeuws aktuellen Vertrag aufbessern könnten, in dieser Sache optimistisch, bleibt Ulmer im Hinblick auf die DMS vorsichtig. "Wir sind gut drauf", sagt er zwar, doch bei 68 Starts innerhalb von 14 Tagen könne viel passieren. Etwa dass ein Schwimmer bei seinem fünften Einsatz im Vorkampf oder Finale disqualifiziert wird. Dann darf er nach dem neuen Regelwerk nicht noch einmal starten, was seine Mannschaft Hunderte von Punkten kosten könnte. Doch wenn alles gut geht, "wollen wir bei der Titelvergabe mitreden", sagt Ulmer über seine Männer.
Bei den Frauen bleiben dagegen sowohl in Frankfurt als auch in Wiesbaden die Ansprüche bescheiden. Der Klassenerhalt steht jeweils im Vordergrund, was schwer genug sein könnte, da in dieser Saison vier Erstligisten den Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen. Dafür dürfen sich die Meister voraussichtlich bis 2011 über ihren Titel freuen: Wegen des vollen Terminplans ist eine erneute Verlegung der DMS an den Jahresanfang geplant.