Als Andreas Möller am Ende der vergangenen Saison das Traineramt beim jetzigen Fußball-Regionalligisten Viktoria Aschaffenburg niederlegte und sich in Richtung Offenbacher Kickers verabschiedete, glaubte rund um den Schönbusch keiner mehr daran, dass die Mainfranken auch nur den Hauch einer Chance auf eine Regionalliga-Lizenz haben könnten. Denn obwohl man sich sportlich qualifiziert hatte, plagten die Aschaffenburger finanzielle Sorgen. Fast alle Sponsoren, die ihr Engagement an die Person Möller geknüpft hatten, sprangen ab; Gerüchte um angeblich nicht bezahlte Spielergehälter in der Rückrunde der vergangenen Oberliga-Spielzeit machten die Runde.
"Jeder hat sein Geld bekommen"
Die Viktoria bekam jedoch die Kurve. Die Aschaffenburger Verantwortlichen richteten ein Spendenkonto ein, holten neue Geldgeber an den Schönbusch und baten die Stadt um Hilfe. "Die Stadt hat uns dann dankenswerterweise das Stadion regionalligatauglich ausgebaut. Aber es ist kein Bargeld geflossen", versichert Manfred Allig, Geschäftsführer der Aschaffenburger. All diese Aktionen trugen am Ende auch Früchte: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erteilte der Viktoria die nicht mehr für möglich gehaltene Lizenz.
Doch nach nur sieben Spieltagen, die Viktoria rangiert momentan mit ihrem neuen Trainer Ronald Borchers auf einem guten neunten Tabellenplatz, gibt es am Schönbusch wieder unschöne Gerüchte. Der ehemalige Zweitligist sei nach der kurzfristigen Rettung schon wieder finanziell klamm und könnte angeblich manchen Spielern kein Gehalt mehr bezahlen. "Völliger Quatsch", ärgert sich Allig über solche Anspielungen. "Bei uns hat bis jetzt jeder Spieler immer sein Geld bekommen, und so wird es auch bleiben."
Aber auch Allig muss zugeben, dass "wir, genauso wie alle anderen Vereine in dieser Liga, zu kämpfen haben. Nichtsdestotrotz versuchen wir unsere Finanzen immer im Einklang zu halten." Um das auch in Zukunft gewährleisten zu können, brauchen die Mainfranken dringend einen neuen Hauptsponsor. Denn die Brust der Viktoria-Spieler ist nach wie vor blank und so lange wird auch die Vereinskasse nicht aufgefüllt. "Wir wissen schon, wie wichtig ein neuer Hauptsponsor für die Zukunft des Vereins ist und deshalb sind wir auch dauernd in Gesprächen und hoffen, dass wir bald etwas Positives vermelden können", sagt der Geschäftsführer.
Sollte die Suche allerdings erfolglos bleiben und auch die Zuschauerzahl von zur Zeit durchschnittlich 1000 pro Heimspiel sich nicht bald erhöhen - "aus finanzieller Sicht brauchten wir einen Schnitt von 2000 Zuschauern", sagt Allig - , wird es für die Aschaffenburger schwer sein, die Regionalliga auf Dauer zu stemmen.