So hatten sich beide Seiten ein knackiges Hessenderby in der Eishockey-Oberliga West wahrlich nicht vorgestellt. In der Kasseler Eishalle am Auestadion regierte kurzzeitig das Chaos, die Emotionen schwappten hoch. Die Spieler der Roten Teufel Bad Nauheim provozierten, die Fans der Kassel Huskies pöbelten, „die Stimmung ist hochgekocht“, wie Wolfgang Kurz, Gesellschafter der Wetterauer, berichtete.
Hart umkämpftes Derby
Zuvor hatten sich beide Teams am letzten Spieltag der Endrunde in der West-Staffel mit harten Bandagen bekämpft und die Bad Nauheimer mit einem 3:2-Erfolg ihren achten Derbysieg in dieser Saison eingefahren. Und weil dieser gebührend gefeiert werden sollte, kamen die Spieler ein zweites Mal zur Ehrenrunde aus der Kabine, bedankten sich bei den mitgereisten Fans, provozierten aber auch die gegnerischen Anhänger. „Das hätten einige besser sein gelassen“, räumte Bad Nauheims Stürmer Tobias Schwab, der im Sommer wohl ausgerechnet nach Kassel wechseln wird, nachher ein.
Was folgte, war ein heilloses Durcheinander. „Es sind Emotionen aufeinandergeprallt“, befand Kurz. Danach sei es „ein bisschen eskaliert“. Wie Trainer Fred Carroll berichtete, seien seine Spieler von Kasseler Fans mit Flaschen beworfen worden. Auch Fäuste sollen geflogen sein. „Beide Seiten haben eine Teilschuld“, sagte der Kanadier.
Zwar mühten sich die Klubs gestern zu einer gemeinsamen Pressemitteilung, der Ärger ist vor dem Start der Endrunde mit den Teams aus dem Norden und Osten aber noch nicht verraucht. So stellte Kurz Strafanzeige gegen einen Fan, der ihn mitten ins Gesicht gespuckt haben soll. Weil der Gesellschafter der Roten Teufel vom anwesenden Ordnungsdienst keine Hilfe bekam, geriet er wenig später mit dem Kasseler Fanbeauftragten Sven Breiter aneinander. Ihm zeigte er den Mittelfinger. „Das war schon alles sehr traurig“, sagte Kurz.
Heißer Titelkandidat
Immerhin gehen sich beide Klubs nun vorerst aus dem Weg, in der Endrunde sind sie in unterschiedlichen Gruppen eingeteilt. Während die Kassel Huskies auf Halle, Timmendorf und Duisburg treffen, bekommt es Bad Nauheim mit Dortmund, Leipzig und Rostock zu tun. „Wenn wir unsere normale Leistung abrufen, dann werden wir Gruppenerster“, sagt Schwab vor dem Auftakt morgen Abend (20 Uhr) in Leipzig selbstbewusst. Auch Rang zwei würde schon zum Einzug in die Playoffs reichen.
„Wir haben bei der Zusammenstellung des Kaders sehr auf den Charakter der Spieler geachtet“, sagte Carroll. „Das zahlt sich jetzt aus.“ Beim Klub aus der Wetterau macht niemand einen Hehl daraus, dass man nach drei knapp gescheiterten Versuchen endlich aufsteigen will. Mit einem Torwart Markus Keller in Topform (Carroll: „Er will sich für höhere Aufgaben in der DEL bewerben“) und zwei absoluten Sahne-Reihen sind die Roten Teufel ein heißer Kandidat auf die Meisterschaft. Da müssen nicht mal die Emotionen ein bisschen eskalieren.