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17. Dezember 2012

Frankfurter Festhallenturnier: „Ich bin nicht die Reitlehrerin“

 Von Katja Sturm
Monica Theodorescu spricht sich gegen jede Form von aggressiver Reiterei aus.  Foto: Rau

Dressur-Bundestrainerin Monica Theodorescu will in ihrem neuen Job genauso erfolgreich sein wie während ihrer Karriere im Turniersattel.

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Es kribbelt noch. Doch Monica Theodorescu steigt nicht mehr in den Sattel, um Pferde vor Richtern piaffieren zu lassen. Die 49-Jährige hat die Perspektive gewechselt: Seit Oktober arbeitet die mehrmalige Mannschafts-Olympiasiegerin und Weltcupgewinnerin als Bundestrainerin der deutschen Dressurreiter.

„Das ist das i-Tüpfelchen auf meiner reitsportlichen Karriere“, sagt die Weltmeisterschaftsdritte von 1990, eine Chance, die sie nicht hätte ablehnen können, selbst wenn sie eigenen Turnierauftritten nachtrauert. Zumal sie mit Whisper, den sie von Freundin Ann Kathrin Linsenhoff zur Verfügung gestellt bekam, 2007 nach langer Pause in die Championatsequipe zurückgefunden und mit dem Fuchswallach zweimal Teammedaillen bei Europameisterschaften gewonnen hatte. Der 14-Jährige genießt jetzt seine Frührente, während Theodorescu ständig auf Achse ist. So weilte sie am Wochenende beim Festhallen-Reitturnier in Frankfurt, um dort Elite und Nachwuchs zu begutachten.

Trio mit Prinzipien

Sich ein Bild verschaffen vom nationalen Leistungsstand, aber auch den Bedingungen, unter denen jeder einzelne Kaderreiter trainiert, und Defizite erkennen, darin liege jetzt erst mal ihre Hauptaufgabe, sagt Theodorescu. In ihrem Vorgänger Jonny Hilberath und Jürgen Koschel weiß sie dabei zwei langjährige Bekannte an ihrer Seite. So habe man sich nicht erst auf eine bestimmte Linie verständigen müssen: „Wir haben die gleichen Prinzipien.“ Dazu gehöre, jede Form aggressiven Reitens abzulehnen, betont die Chefin mit Blick auf die viel diskutierte Rollkur, die, so betont sie, kein Fachausdruck sei. „Viele wissen gar nicht, worum es dabei geht“, sagt Theodorescu. Und dass es dafür Regeln gebe, auf deren Einhaltung bei Turnieren geachtet werde. Der Rummel um die umstrittene Trainingsmethode schade ihrem Sport.

Den sieht Theodorescu hierzulande gut aufgestellt. Trotz Ausfällen im Vorfeld, darunter Matthias Rath mit Totilas, habe die junge deutsche Olympia-Equipe in London nur knapp hinter den Briten den zweiten Platz belegt. „Es gibt für keine Nation ein Abonnement“, betont sie. Auch an Nachwuchs mangele es weder bei Pferden noch Reitern.
Das machte in Frankfurt der Burgpokal der sieben- bis neunjährigen Pferde deutlich, dessen beeindruckend starke Konkurrenz die erst 20-jährige Charlott-Maria Schürmann (Gehrde) auf Burlington gewann. Dass diese mit dem neunjährigen Hannoveraner 2013 den Schritt in die U-25-Tour, also aufs Grand-Prix-Niveau, wagen will, gefällt der Trainerin. Die Talente, die mittels eines nahtlosen Systems von der Juniorenklasse bis auf die höchste Ebene geführt werden, sollten nicht zu lange bei den Jungen Reitern „Schleifen sammeln“, sondern sich schneller den höchsten Anforderungen stellen.

Hoffnungsvolle Tiere im Land behalten

Die Unterstützung der Kaderpaare werde dabei weiter wachsen. Man analysiere schon jetzt die Bewegungen im Viereck mehr als in der Vergangenheit, betont Theodorescu. Auch Leistungsdiagnostik und Fitnesstraining für Pferd und Reiter sowie psychologische Unterstützung könnten alltäglich werden. Zudem wird daran gearbeitet, hoffnungsvolle Tiere im Land zu behalten, statt sie ins Ausland zu verkaufen. Dafür werden Gespräche geführt und Sponsoren gewonnen.

Das Trainertrio arbeite sehr intensiv, sagt Theodorescu, mit fester Aufteilung. So ist Hilberath für den A-/B-Kader zuständig, Koschel für die U25. Theodorescu sagt von sich: „Ich bin nicht die Reitlehrerin.“ Sie kümmert sich um Verbands- und Lehrgangstermine oder Turnierbeschickungen. Einiges davon kann sie von der eigenen Anlage bei Sassenberg aus steuern. Dort sitzt sie als Ausbilderin weiter fest im Sattel.

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