Das Spiel war erst ein paar Minuten alt, die Siegesfeier nach dem 1:0 (0:0) des FSV Frankfurt gegen Rot-Weiß Oberhausen gerade am anlaufen, als der Stadionsprecher eine weitere gute Nachricht über die Stadionlautsprecher trällerte und Rostocks in letzter Sekunde zustande gekommene 1:2-Niederlage in Karlsruhe verkündete.
Kollektiver Jubel brandete auf, aber auch ungläubiges Kopfschütteln war zu erkennen. Denn eine Woche vor dem Duell der Bornheimer mit ihrem direkten Konkurrenten im Kampf um den Nichtabstieg, liegen der FSV auf Relegationsplatz 16 und der 15. Hansa Rostock mit 32 Punkten gleichauf.
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Vier Spieltage vor Saisonende haben es die Frankfurter nun also tatsächlich selbst in der Hand, den nächsten Schritt zu gehen. "Wir fahren nach Rostock , um zu gewinnen", sagte Sascha Mölders hörbar begeistert vom eigenen Tun. Der lauffreudige Stürmer war es, der den FSV nach feinem Zuspiel von Jürgen Gjasula zum Sieg schoss. Einmal war er seinem Schattenmann Marinko Miletic entkommen, einmal hatte er freie Schussbahn. Das reichte, um die erschreckend schwachen Gäste vom Niederrhein trotz personeller Unterzahl verdient zu schlagen. Denn FSV-Innenverteidiger Gledson hatte nach 21 Minuten Rot gesehen (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite).
Kaum vorstellbar, dass diese Oberhausener Minimalisten am vergangenen Wochenende noch Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern besiegen konnten. Eine unerklärliche Vorstellung, die RWO-Trainer Hans Günter Bruns die Zornesröte ins Gesicht trieb: "Meine Mannschaft hat alles vergessen, was mit Fußball zu tun hat. Es war kollektiver Tiefschlaf von der ersten bis zur letzten Minute. Obwohl wir 70 Minuten in Überzahl gespielt haben, habe ich immer nur darauf gehofft, dass wir das 0:0 über die Zeit bringen würden." Nach 68 Minuten war aber auch diese Hoffnung dahin.
Oberhausen kann von Glück reden, als Tabellen-14. bereits 37 Punkte eingesammelt zu haben. Einen Sieg braucht RWO aber noch, um die Klasse sicher zu halten. Ein Ziel, dass sich auch der FSV weiter vor Augen hält. Allerdings mahnte Trainer Hans-Jürgen Boysen: "Wir sind vier Punkte von Koblenz weg, das hat Priorität. Alles andere wollen wir nicht herbeireden, sondern uns erarbeiten. Das geht nur mit Leistung und nicht mit Blabla."
So wie am Sonntag: Der FSV erkämpfte sich diese wichtigen drei Punkte - voller Leidenschaft und Willen. "Alle sind mauseplatt", berichtete Reisig aus der Kabine. Mehr könne man von dieser Mannschaft nicht erwarten. Mehr als diese Basistugenden wollten die Zuschauer auch gar nicht sehen. Die Spieler bewegten sich physisch in Grenzbereichen. Auch wenn der Grat zwischen Kampf und Krampf schmal war, es war dies ein überzeugender "Sieg für die Moral", wie Boysen befand. "Diese Mannschaft geht an ihre Grenzen", lobte Reisig und war "hellauf begeistert".
Am nächsten Samstag in Rostock müssen sich die Bornheimer allerdings auf bedeutend mehr Gegenwehr einstellen. Der "Knaller" (Reisig) ist aber "kein Endspiel", betonte Boysen und hofft, in Norddeutschland wieder auf die gegen Oberhausen verletzt fehlenden Vlad Munteanu (Achillessehnenprobleme) und Junior Ross (Rippenprellung) bauen zu können. Auch der am Sonntag gelbgesperrte Cidimar steht wieder zur Verfügung. Allerdings dürfte Boysen in Rostock nur mit einem Stürmer planen. Mölders scheint nach dieser Vorstellung gesetzt. "Er hat die Bälle gut gesichert, ist wahnsinnige Wege gegangen. Er war bereit, über die Grenzen zu gehen. Das ist es was man im Abstiegskampf braucht", sagte Boysen und blickte voraus: "Wir haben in der Fremde nicht so oft gewonnen. Es wäre mal wieder an der Zeit."