Wirklich fit war Betty Heidler gestern bei der deutschen Hochschulmeisterschaft in Darmstadt keineswegs. Die Hammerwurf-Weltmeisterin, die gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen Kathrin Klaas und Andrea Bunjes (alle LG Eintracht Frankfurt) erst Stunden zuvor aus einem Trainingslager im kalifornischen San Diego zurückgekehrt war und einen elfstündigen Flug in den Knochen hatte, litt unter ihrer Pollenallergie und Müdigkeit. Der Jetlag saß ihr noch in den Gliedern. Dennoch holte sich die 25 Jahre alte Polizeimeisterin mit 73,89 Metern erstmals den deutschen Studententitel, was damit zusammenhängt, dass sie seit Kurzem Jura studiert.
Natürlich hat Heidler damit die Qualifikationsnorm von 70 Metern für die Weltmeisterschaft in ihrer Heimatstadt Berlin locker leicht überboten. Als Titelverteidigerin jedoch ohnehin gesetzt, richtete sie ihr Augenmerk deshalb verstärkt auf die noch nicht perfekt austarierten Leistungskomponenten: "Das war technisch nicht so astrein. Aber es sind Kleinigkeiten, vor allem war ich nicht voll konzentriert", meinte die WM-Mitfavoritin, die mit der langen Wettkampfpause der Hammerwerferinnen über den Winter keineswegs hadert. Die Pause empfinde sie eher als angenehm: "Aber ich kenne das ja nicht anders", so Heidler, die sich während dieser Phase voll auf das Training konzentrieren kann und deren in Südafrika erzielte diesjährige Bestweite 74,25 Meter beträgt.
Rätseln über die Konkurrenz
Ihre internationalen Konkurrentinnen aus Osteuropa, China und Kuba, zu denen sich neuerdings auch wieder Weltrekordlerin Tatjana Lyssenko (Russland) gesellt hat, die nach einer Dopingsperre wieder mitmischen darf, bleiben ihr ein Rätsel: "Was die anderen machen, das interessiert mich nicht", betont Heidler, die keine Späher hinausschicken kann und deshalb einem ersten Aufeinandertreffen im Juni in den USA gespannt entgegensieht.
Mit 71,25 Metern hat derweil auch Kathrin Klaas als Zweite der deutschen Hochschulmeisterschaft die WM-Norm doppelt erfüllt. Und um die gewohnte Hierarchie unter Deutschlands besten Hammerwerferinnen wiederherzustellen, gelang auch der 33 Jahre alten Andrea Bunjes, die als Dritte 70,23 Meter erzielte, ein Wurf nach Maß. Bunjes, die noch eine weitere Normerfüllung benötigt, war im vergangenen Jahr unerwartet an der gleich hohen Qualifikationsnorm für die Spiele in Peking gescheitert: "Das war bitter. Ich habe die Saison danach sofort abgebrochen, wusste nicht, wie es weitergeht. Aber das war eine Kopfsache und jetzt will ich unbedingt nach Berlin."
Im Darmstädter Bürgerparkstadion präsentierten sich derweil auch die Hochspringer als WM-tauglich. Halleneuropameisterin Ariane Friedrich (Eintracht Frankfurt), die beinahe schon gewohnheitsmäßig über die zwei Meter floppt, begnügte sich diesmal mit im ersten Versuch genommenen 1,95 Metern. Aufsehenerregender war da schon der 2,31-Meter-Satz von Raul Spank (Dresdner SC). Trotz starkem Wind erfüllte der Olympia-Fünfte von Peking die WM-Norm genauso wie die Speerwerferin Linda Stahl (WG Köln), die ihr Gerät auf 62,48 Meter wuchtete.