Überrascht hat die Nachricht Werner Freitag gestern nicht. Denn obwohl der Präsident des Hessischen Schwimm-Verbandes (HSV) offiziell noch von nichts wusste, war doch schon vergangene Woche durchgesickert, dass Frankfurt zu den sechs Orten gehört, die der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) und der Deutsche Olympische Sportbund für die kommenden vier Jahre zu Bundesstützpunkten gekürt haben. "Wir sind davon ausgegangen, dass wir es werden", erklärt Freitag zudem. Schließlich habe der HSV bei seiner Bewerbung in allen Punkten die Forderungen erfüllt.
Laut DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff sollen noch in dieser Woche die Ausschreibungen für die vom Bundesverband finanzierten sechs Stützpunkttrainerstellen herausgehen. Freitag rechnet mit einer gehörigen Resonanz: Schon auf seine beiden Landestrainerstellen hatte der HSV fast 30 Bewerbungen erhalten. Nachdem im September Martin Grabowski seinen Platz am Beckenrand des hessischen Schwimmzentrums eingenommen hat, stehe mittlerweile auch fest, wer im Februar die Nachfolge seines scheidenden Kollegen Jörg Bügner antreten und den hiesigen Nachwuchs in die richtigen Bahnen lenken soll. Vor der Vertragsunterzeichnung will HSV-Chef Freitag allerdings noch keinen Namen nennen.
Bei der Besetzung des Stützpunkttraineramtes werden sich DSV und HSV eng miteinander abstimmen. Ganz so, wie es die neue Linie unter Leistungssportdirektor Lutz Buschkow vorsieht. "Ein Miteinander" sei erwünscht, sagt Fornoff, bei dem der Bundesverband zwar "den Hut auf hat", die sechs Standorte aber "als verlängerter Arm des DSV in die Regionen hineinwirken sollen". Die Zeiten, zu denen viele gemacht haben, was sie wollten, sollen vorbei sein, um die international zuletzt hinterherschwimmenden Wassersportler wieder in die Erfolgsspur zurückzuführen. "Wir werden innerhalb von vier Jahren das Ruder nicht komplett herumreißen", gibt der Generalsekretär zu. Die neue Struktur soll deshalb möglichst bis zu den Olympischen Spielen 2016 erhalten bleiben und neben den Etablierten auch den Nachwuchs optimal fördern.
HSV-Quartett bei Kurzbahn-EM
Nicht über eine neue Trainerstelle, aber zumindest auf einen kleineren Geldsegen dürfen sich die Freiwasserschwimmer in Wiesbaden und Mainz freuen. Sie beherbergen gemeinsam einen von drei Projekt-Bundesstützpunkten ihrer Sparte, auf die 60 000 vom Bund zur Verfügung gestellte Euro aufgeteilt werden sollen. Besonders in Rheinland-Pfalz, wo die Olympiavierte Angela Maurer und ihr Trainer und Lebensgefährte Nikolaj Evseev nach ihrem Abschied von der SG Rheinhessen vermutlich zum USC Mainz wechseln werden, verspricht die Entscheidung über die Verwendung der Mittel spannend zu werden.
Auch Junioren-Weltmeister Dimitri Colupajew wird zum Jahresende die SG verlassen. Vorher jedoch steht dem 18-Jährigen in der Kurzbahn-Europameisterschaft, die morgen in Rijeka beginnt, noch eine große sportliche Herausforderung bevor. Mit dabei sind in Kroatien auch vier Hessen: Europarekordler Johannes Dietrich (SC Wiesbaden), die jungen Darmstädter Marco Koch und Yannick Lebherz sowie Olympiateilnehmer und Medizinstudent Helge Meeuw (SG Frankfurt), der wegen einer wichtigen Klausur heute an der Uni allerdings erst am Donnerstag zu den kontinentalen Titelkämpfen anreisen wird.