Es ist eine Zeit des Übergangs. Um in Wassernähe zu bleiben, könnte man sagen: Die Schwimmer befinden sich in einer Schleuse. Und die deutsche Mannschaftsmeisterschaft (DMS), die am Wochenende einen von beiden Vorkämpfen in Wiesbaden erlebte, ist symptomatisch dafür. Aufgrund der Freistellung einiger Athleten für den parallel laufenden Weltcup gibt es in diesem Jahr keine Absteiger aus der ersten Liga. Der sonst als Abstiegsrunde firmierende zweite Wettkampf der auf den Rängen sieben bis zwölf geführten Teams ist damit bedeutungslos und muss doch beim Finale am nächsten Wochenende in Tuttlingen absolviert werden. "Wir werden versuchen, die Sportler möglichst gut zu motivieren", sagt Michael Ulmer, der Sportdirektor der SG Frankfurt. Für sein Frauenteam reichte es nach mehreren verletzungs- und studienbedingten Ausfällen nur zu Rang zehn.
Die Männer, verstärkt durch den nach Vereinsquerelen vom Ersten Offenbacher Schwimmclub gekommenen Olympiateilnehmer Lukasz Wojt, schafften als Sechste den Sprung in die Meisterrunde. Ebenso wie der SC Wiesbaden, der als Aufsteiger mit den Neuzugängen Johannes Dietrich (Potsdam) und Alexander Studzinski (SV Delphin Wiesbaden) sogar auf Rang zwei kam. Die Frauen der Gastgeber wurden Fünfter.
Die meisten Sportler schwammen aus dem Training heraus, allen voran die erst kürzlich ins Wasser zurückgekehrten Olympiateilnehmer wie Helge Meeuw, der über 100 Meter Rücken in 52,99 Sekunden überzeugte. Der Frankfurter will jetzt erst mal sein Medizinstudium in den Vordergrund stellen, und auch Teamkollege Marco di Carli wird trotz verpasster Peking-Qualifikation in der angelaufenen Kurzbahn-Saison auf die deutsche Meisterschaft verzichten: Die Titelkämpfe überschneiden sich bei dem angehenden Polizisten mit seiner Zwischenprüfung. Doch Kurzbahn-Wettkämpfe gelten sowieso als zweitrangig, zudem befindet man sich im Neuaufbau für London 2012. Der rechte Zeitpunkt also, um Verpasstes nachzuholen und Verletzungen auszukurieren und dann mit neuer Energie weitere sportliche Ziele anzugehen.
Nachwuchs kommt heran
"Die Eigenmotivation ist sehr hoch", hat der neue hessische Landestrainer Martin Grabowski am Stützpunkt Frankfurt festgestellt. Zudem sind einige junge Athleten so weit herangekommen, dass sie gut mit den erfahrenen in einer Gruppe üben können.
Doch noch fehlt der passende Rahmen, denn wegweisende Entscheidungen stehen im Deutschen Schwimm-Verband aus. Etwa die, wer in Zukunft das Amt des Bundestrainers bekleiden wird. Und vielleicht noch dringender: Wo in Zukunft die Stützpunkte angesiedelt sein werden, denn daraus könnte sich auch die Bundestrainerwahl ergeben.
"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagt der scheidende hessische Landestrainer Jörg Bügner. Mit Frankfurt als Zentrum steht der Hessische Schwimmverband (HSV) in Konkurrenz mit vielen anderen um die begehrte Anerkennung. Die Anforderungen sehen die Hessen bei sich alle erfüllt, zudem, so HSV-Präsident Werner Freitag, betreue man 20 Prozent aller Kadersportler; rechnet man die Freiwasserschwimmer dazu, seien es sogar ein Drittel. Eine Entscheidung soll Mitte des Monats fallen.