Dunkle Wolken zogen Richtung Bieberer Berg, aus der Ferne wehte leises Donnergrollen heran. Doch als die Profis des Fußball-Drittligisten Kickers Offenbach am Montag zum Trainingsauftakt auf den Rasen des alten Stadions trabten, lugte schon wieder die Sonne hervor. Die Gewitterfront hatte es sich anders überlegt, und die rund 100 Kiebitze auf der Haupttribüne konnten den lauen Nachmittag entspannt nutzen, um sich ein Bild von der neu zusammengestellten Mannschaft zu machen, die den Aufstieg in die Zweite Fußball-Bundesliga schaffen soll.
"Ich habe ein gutes Gefühl", übte sich Dieter Müller vorsichtig in Optimismus. Natürlich weiß der Kickers-Präsident, dass der von Trainer Wolfgang Wolf konsequent betriebene personelle Umbruch auch Gefahren birgt. "Die Mannschaft muss so schnell wie möglich eine Einheit werden", fordert Müller angesichts von derzeit 13 neuen Spielern, zu denen sich noch zwei weitere hinzugesellen sollen. Der Niederländer Kiran Bechan, der sich offensiv auf beiden Außenbahnen wohlfühlen soll, hätte gern einen der beiden verbliebenen Kaderplätze und war als Gastspieler beim Trainingsauftakt des OFC dabei.
Bechan passt zumindest mal ins Anforderungsprofil von Trainer Wolf, der erklärte, gesucht würden noch ein zentraler Stürmer und "ein variabler Spieler für beide Außenbahnen". Handlungsbedarf besteht vorzugsweise rechts, denn für die linke offensive Position wurde Denis Berger von Jahn Regensburg, ein gestandener Drittliga-Spieler, verpflichtet. Und der dieselbe Position bekleidende Marius Laux, durch einen Riss der Patellasehne ein halbes Jahr außer Gefecht gesetzt, musste beim Anschwitzen auf Biebers Höhen zwar noch zuschauen. Er ist aber zuversichtlich, in zwei Wochen ins Mannschaftstraining einsteigen zu können.
Dann dürfen auch die vom FSV Frankfurt kommenden Sead Mehic und Markus Husterer endlich im Kreis der neuen Kollegen üben. Derzeit verhindert das der alte Arbeitgeber, bei dem die beiden noch bis Monatsende unter Vertrag stehen. Das Duo bringt sich vorerst nach einem selbst gefertigten Trainingsplan in Form. Was den alten Fahrensmann Mehic nicht davon abhielt, sich zum Trainingsstart am künftigen Arbeitsplatz einzufinden - neben dem Rasen und in Zivil. "Wo ich mich in meiner Freizeit aufhalte, kann mir keiner vorschreiben", stellte der 35 Jahre alte Mittelfeldspieler klar. Er tue ja nichts Verbotenes. "Wenn ich morgen zum Mond fliegen würde, könnte mich auch niemand daran hindern."
Die Kickers brauchen den Routinier allerdings auf der Erde. Mehic ist zum Anführer auserkoren, obwohl es gerade auf seiner Position im defensiven Mittelfeld jede Menge Konkurrenz gibt. Der Bosnier hat damit kein Problem: "Eine Topmannschaft der dritten Liga muss auf jeder Position doppelt besetzt sein. Und ich will hier schließlich nicht meine Karriere ausklingen lassen, sondern mit dem OFC aufsteigen." Wer da schließlich welche Spielanteile erhalte, sei sekundär: "Wir wollen oben mitspielen, dazu brauchen wir jeden Spieler im Kader."
Einer, den Wolfgang Wolf nicht mehr zu brauchen glaubt, ist Kai Hesse. Der Stürmer, der sich zum Trainingsauftakt einfand, spiele in seinen Planungen keine Rolle, bekräftigte der OFC-Trainer, was ohnehin schon bekannt war. Anders ist die Situation für die Eigengewächse Daniel Goldschmitt und Ugur Albayrak. Ihnen räumt Wolf in der Vorbereitung noch eine Chance zur Bewährung ein.