Wenn der Deutsche Ruderverband Medaillen zählt, lässt er ein paar leichte gerne unter den Tisch fallen. So wie die, die Michael Wieler am Wochenende bei der Weltmeisterschaft in Posen mit dem Doppelvierer aus dem Maltasee gefischt hat. Silbern glänzt das neue Schmuckstück des 28 Jahre alten Leichtgewichtsruderers, doch es werde "ein bisschen wenig beachtet".
Die "Erfindung der Deutschen", die nicht-olympischen Klassen ins Abseits zu manövrieren, sei allerdings mittlerweile auch vom Weltverband Fisa aufgegriffen worden, der, dem Medieninteresse gemäß, sein Programm entsprechend aufstellt. "Man gewöhnt sich dran", sagt Wieler. Und doch spekuliert natürlich auch er auf einen Platz im olympischen Leichtgewichts-Doppelzweier. Die einzige Möglichkeit für den nur 1,75 Meter großen Athleten, bei den Spielen dabei zu sein, denn gegen die Schweren hat er von seinen Voraussetzungen her keine Chance.
Für dieses Ziel gibt der Wetzlarer vieles und isst wenig - manchmal eine Woche lang fast gar nichts, um sein Gewicht zu halten. Zudem folgte er vor knapp zwei Jahren von der Gießener RG seinem Trainer Ralf Hollmann nach Frankfurt, wo die RG Germania ihm professionellere Bedingungen biete, wie er sagt. Nach WM-Bronze im Doppelvierer 2008 war Wieler bei den Weltcups in diesem Jahr erst mal im Zweier am Start. Doch die jüngere Konkurrenz aus dem eigenen Land, Lars Hartig/Christian Hochbruch, schnitt beim Finale in Luzern besser ab und erhielt bei der WM den Vorzug vor Wieler und seinem Berliner Partner Lars Wichert. "Ich habe viel an der Technik geändert, das ist dieses Jahr aber noch nicht so gut eingeflossen", erklärt der Hesse, für den es beim Test im Einer zudem auch wetterbedingt nicht gut lief. Im nächsten Jahr aber, sagt er, wolle er die jungen Konkurrenten härter prüfen.
Auch über seinen WM-Erfolg will Wieler sich nicht so recht freuen. "Wir wollten die Italiener ein bisschen länger ärgern", erklärt er, am Ende waren es aber doch mehr als zwei Sekunden Rückstand. Deshalb vermag der ehemalige U-23-Weltmeister die Wertigkeit seiner Medaille auch noch nicht recht einzuordnen. Vielleicht wird er sich in den nächsten beiden Wochen darüber im Klaren, wenn der gelernte Industriemechaniker nach der Arbeit statt ins Boot aufs Fahrrad steigt oder auch einfach mal nur entspannt. Erst danach werde er mal schauen, wo ihm in diesem Jahr noch eine leichte Medaille ins Netz gehen könnte.