Die Kleinen lärmen und toben, es geht drunter und drüber. Überall wuseln Kinder herum, die einen gehen zum Spielen nach draußen, andere führen ein Theaterstück auf, wieder andere gehen in die Turnstunde. Es ist ein kunterbuntes Durcheinander, hier macht jeder mit, die Kinder ohne genauso wie die mit Behinderung.
Im Frankfurter Kinderzentrum in der Gustav-Freytag-Straße geht es jeden Tag so lebhaft zur Sache. Fünf Gruppen zu je 15 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren müssen erst einmal gebändigt werden, die Glühwürmchen, wie eine der Gruppen heißt, genauso wie die Bären, die Pinguine, die Delfine und die Schildkröten. Im Grunde, sagt Leiterin Suny Jammermann, sei die ehemalige, mittlerweile seit mehr als 40 Jahren bestehende Kindervilla ein „ganz normaler Kindergarten“, auch wenn in jeder Gruppe jeweils fünf Kinder mit verschiedenartigen, teilweise sehr umfassenden Behinderungen mit dabei seien. Doch das Defizit steht niemals im Vordergrund, viel wichtiger ist der Mensch. „Jedes Kind wird von uns angenommen mit allen seinen Stärken und Schwächen, keine Behinderung wird ausgeschlossen“, sagt Jammermann, die das integrative Arbeiten als „besondere Herausforderung“ ansieht: „Jedes Kind muss differenziert betrachtet werden, wir müssen immer ganz individuell planen.“
Möchten Sie die Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau unterstützen? Dann überweisen Sie bitte Ihre Spende auf das Konto 7013-606 bei der Postbank Frankfurt (BLZ 500 100 60), Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau oder online unter www.fr-online.de/schlappekicker. Dort finden sich auch weitere Informationen über die Aktion und ihr Engagement.
Das geht natürlich nur mit einem entsprechend großen Team. Zwei bis drei Pädagogen kümmern sich um jede einzelne Gruppe, vom Erzieher über den Sozial-, Heil- und Diplompädagogen bis hin zum Logopäden, dem Ergo- und Physiotherapeuten. Zudem helfen derzeit drei Zivildienstleistende bei der Arbeit, demnächst sollen verstärkt junge Leute, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr ableisten, mit eingebunden werden.
Eine besonders große Bedeutung kommt dabei der unterstützten Kommunikation zu. „Nicht jeder kann sich lautsprachlich äußern“, sagt Jammermann, weshalb man unbedingt herausfinden müsse, mit welchen Mitteln sich ein Kind am besten verständigen könne. Das können Gebärden sein, in vielen Fällen müssen auch Hilfsmittel angewendet werden wie zum Beispiel Piktogramme oder der „Big Mack“, ein Gerät mit roten und grünen Schaltern, mit dem die Kinder ihre Wünsche mitteilen können. „Entscheidend ist, dass die Kinder willentlich äußern, was sie wollen“, sagt Jammermann. „Sie sollen ein selbstbestimmtes Leben führen, und das geht nur über Kommunikation.“
Billig sind die benötigten Hilfsmittel freilich nicht, ein „Big Mack“ kostet etwa 500 Euro, der einzige vorhandene Spezialstuhl für Kinder mit Gehbehinderungen hat 2000 Euro gekostet, ein kleiner Spezialcomputer sogar 8000 Euro. Um das alles finanzieren zu können, ist das Kinderzentrum verstärkt auf Spenden angewiesen. „Die Entwicklung der Kinder stagniert, wenn wir ihnen nicht mit den entsprechenden Hilfsmitteln helfen können“, so Jammermann.
Funktionierende Integration
Auch ein anderes Projekt, das das Kinderzentrum vor zehn Jahren mit Hilfe des Fördervereins und dank der Unterstützung vieler Eltern in sein Programm aufgenommen hat, geht ins Geld: das therapeutische Reiten. Dabei verbringt eine Gruppe einmal in der Woche einen ganzen Tag mit entsprechend ausgebildeten Pferden. Für Kinder mit Behinderung sei das enorm wichtig, sagt Jammermann: „Sie stellen sich schnell auf den Rhythmus des Pferdes ein, werden locker, erleben ihren Körper anders.“ Tatsächlich ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Beziehung zu den Tieren einen positiven Einfluss auf die Muskelspannung der Kinder und deren Körperwahrnehmung hat.
Die Maßnahme erscheint auch dem Vorstand der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau von so großer Bedeutung zu sein, dass er sich entschlossen hat, das Kinderzentrum mit einer Summe von 5000 Euro zu unterstützen. Natürlich stellt sich der Fortschritt nicht sofort ein, man braucht viel Geduld, am Ende ist der Aufwand aber stets erfolgreich. Das hat natürlich auch mit den Kindern zu tun, die immer alles gemeinsam machen, noch keine Vorurteile kennen und in ihrem Gegenüber jeweils nur den Menschen sehen, egal ob er oder sie mit einer Behinderung leben muss oder nicht. „Die Kinder nehmen alles so, wie es ist“, sagt auch Jammermann. Eins steht jedenfalls fest: Im Kinderzentrum Gustav-Freytag-Straße funktioniert die Integration so gut wie sonst nur selten.