Es war so kalt, dass Simret Restle, die Siegerin des 30. Silvesterlaufs von Spiridon Frankfurt, unterwegs schier erstarrte. Um gut 80 Meter war die für Eintracht Frankfurt startende Favoritin bereits hinter Veronika Ulrich von der LG Regensburg zurückgefallen. Doch Restle, die bei der Crosslauf-Europameisterschaft in der belgischen Hauptstadt Brüssel vor zwei Wochen erstmals das deutsche Nationaltrikot übergestreift hatte, arbeitete sich auf dem zehn Kilometer langen Rundkurs hinter der Arena im Stadtwald wieder an ihre Kontrahentin heran und hatte in 35:12 Minuten am Ende die Nase vorne.
Ulrich, die den Frankfurter Silvesterlauf zuvor schon dreimal gewonnen hatte, kam als Zweite zwei Sekunden später ins Ziel. Dritte wurde Lisa Hahner (PSV Grün Weiß Kassel) in 36:42 Minuten. "Ich wollte heute kontrolliert laufen, mich taktisch klug verhalten", sagte Restle, die schon am kommenden Mittwoch beim Silvesterlauf in Trier wieder an den Start gehen wird.
Die 24 Jahre alte gebürtige Eriträerin, die den Versuch einer Olympia-Qualifikation für die Spiele in Peking im 3000-MeterHindernislauf wegen einer Knöchelverletzung frühzeitig hatte aufgeben müssen, denkt aber schon weit über die Läufe zum Jahreswechsel von 2008 auf 2009 hinaus. Im kommenden Sommer will sie sich vor allem auf den Flachstrecken profilieren, den Hindernislauf will Restle dafür deutlich auf Sparflamme halten. "Da ist die Verletzungsgefahr doch sehr groß", sagt sie.
In Abwesenheit jeglicher afrikanischer Profis nutzte derweil bei den Männern der Fuldaer Heiko Baier seine Chance und siegte in 30:41 Minuten vor Timo Zeiler (TSV Trochtelfingen), der in 30:43 Minuten ins Ziel kam, und Joseph Katib (LG Erlangen), der für die zehn Kilometer lange Strecke 31:04 Minuten benötigte.
"Ich wollte das Ding heute gewinnen", sagte Baier, der beim Spiridon-Silvesterlauf im vergangenen Jahr bereits Zweiter geworden war. Allerdings habe er nicht damit gerechnet, dass das diesjährige Rennen so schwer und so schnell werden würde. "Der Timo Zeiler hat doch ordentlich Druck gemacht", sagte der amtierende hessische Berglaufmeister unmittelbar nach seiner Ankunft im Ziel.
Ansonsten hatten bei klirrender Kälte insgesamt 2206 Läuferinnen und Läufer die Gelegenheit zum sportlichen Jahresausklang genutzt. Die Verlegung des Jubiläumsrennens auf den Sonntag vor Silvester hatte der Teilnehmerzahl insofern keinen Abbruch getan. Wobei es laut Thomas Rautenberg, dem Vorsitzenden des Veranstaltervereins, auch Sinn und Zweck gewesen sei, den wochentags arbeitenden Sportlern eine Gelegenheit zum Mitmachen zu geben.
Ein besonderes Rahmenprogramm gab es anlässlich des 30-jährigen Rennbestehens nur in kulinarischer Hinsicht. An die Aktiven wurde neben den üblichen Bananen diesmal auch Streuselkuchen verteilt. Und Thomas Rautenberg erinnerte die Läufermenge darüber hinaus an die großen Sieger des Frankfurter Silvesterlaufs: In den 80er Jahren war etwa Helmut Stenzel (OSC Höchst) dreimal erfolgreich.
Während dieser Zeit siegte Uta Eckhardt von Eintracht Frankfurt sogar viermal. Dasselbe Kunststück gelang Petra Wassiluk vom ASC Darmstadt im Laufe der 90er Jahre.