Posen. Mit grellen und übergroßen Krawatten, Trophäen eines Kirmes-Besuchs, begossen die Weltmeister aus dem Deutschland-Achter ihren Erfolg. Aber auch der riesige Hut in deutschen Landesfarben von Marcel Hacker, Bronzegewinner im Doppelvierer, trug beim WM-Abschlussbankett der Ruderer in Polen zur Erheiterung bei. Im Festsaal des deutschen Mannschaftshotels hatte Siegfried Kaidel Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Doch die Sprechchöre und Gesänge nahm der Verbandschef lächelnd hin. "Ihr alle habt dazu beigetragen, einen wunderschönen Tag zu gestalten", sagte er unter dem Applaus seiner Zuhörer.
Nach zwei Jahren ohne Titel gab es für den Deutschen Ruderverband (DRV) wieder Grund zum Feiern. Dreimal Gold und zweimal Bronze auf dem Malta-Regattakurs von Posen in den 14 olympischen Klassen versetzten Sportler, Trainer und Funktionäre in Partylaune. Bis zum Morgengrauen zogen sie durch die Kneipen der Stadt. Der Sprung zurück auf den ersten Rang der Nationenwertung hob auch Kaidels Stimmung: "Die Richtung stimmt. Wir haben einen großen Schritt nach vorn gemacht."
Schneller als erwartet scheint sich der nach der Pleite von Peking vorgenommene Umbau bezahlt zu machen. Vor allem die Arbeit von Hartmut Buschbacher wird durch die jüngsten Erfolge einfacher. Als zweiter Glücksfall erwies sich die Rückkehr von Ralf Holtmeyer zu den Männern. Binnen weniger Monate ist es dem Coach gelungen, am Dortmunder Stützpunkt einen schlagkräftigen und jungen Achter mit glänzenden Perspektiven zu bilden.
Der famose Auftritt auf dem Malta-Regattakurs soll den Ruderern auch die Erschließung neuer Geldquellen vereinfachen. "Mit so einem Ergebnis arbeitet es sich leichter", sagte Renko Schmidt. Auf Initiative des für den Leistungssport zuständigen DRV-Vizepräsidenten wurde unlängst die Deutsche Ruder-Marketing GmbH gegründet, mit deren Hilfe ein Großsponsor für den gesamten Verband gefunden werden soll. Allerdings stehen noch Gespräche mit der Dortmunder Fördergesellschaft Rudern an, die den Deutschland-Achter seit Jahren in Eigenregie vermarktet.
Auf dem Weg Richtung London 2012 gibt es weitere Baustellen. So bereiten die lange als das stärkere Geschlecht bekannten Ruderinnen Kopfzerbrechen. Nach den Rücktritten von Erfolgsgarantinnen wie Kathrin Boron und Katrin Rutschow-Stomporowski ist die Substanz geschrumpft. Nur der Doppelvierer steuerte in Posen als Dritter eine WM-Medaille in den olympischen Klassen bei. "Um diesen Bereich müssen wir uns in Zukunft stärker kümmern", bekannte Schmidt. (dpa)