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Schwimm-EM: Budapest ist für Manuel Schwarz ziemlich fern

Die Normen für Schwimm-Europameisterschaft richten sich nach Zeiten, die mit Hightech-Anzügen erzielt wurden. Von Katja Sturm

In guter Wasserlage: Manuel Schwarz.
In guter Wasserlage: Manuel Schwarz.
Foto: Michael Schick

Am Sonntag war Waschtag. Denn obgleich Schwimmer seit dem Verbot der Hightech-Anzüge zu Jahresbeginn wieder deutlich weniger Stoff mit sich herumtragen, erfordert ein 18-tägiges Trainingslager wie das, welches Manuel Schwarz gemeinsam mit seinen Kollegen aus dem Frankfurter Topteam in einer Woche in Florida antritt, doch sorgfältige Vorbereitung. Und in der Woche fehlt dem Mitglied der hessischen Polizeisportfördergruppe eigenen Angaben nach die nötige Zeit für Hausarbeit.

So sprang der gebürtige Saarländer, der seit Sommer in Frankfurt lebt, am Wochenende nur am Samstag beim Pokalschwimmen seines neuen Vereins SG Frankfurts ins Becken des Riedbades. Nach 800 Meter Freistil tauchte der 21 Jahre alte Langstreckler mit einer enttäuschenden Zeit wieder auf. Kein Problem, versichert Schwarz, der nächste ernsthafte Test warte erst nächstes Wochenende in Amsterdam. Und die Saison, an deren Ende die Besten sich bei der Europameisterschaft in Budapest messen, ist sowieso noch lang.

In Ungarn dabei zu sein, das wäre natürlich "das oberste Ziel". Doch, so räumt der deutsche Vizemeister über 1500-Meter-Freistil ein, "das liegt nicht in unmittelbarer Reichweite". Denn die Normen des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) sind wohl zu hoch. Sie richten sich nach den internationalen Zeiten, die noch mit der materiellen Auftriebshilfe geschwommen wurden. In der Kurzbahnsaison, wo sie noch erlaubt war, hatte der ehemalige Jugend-EM-Teilnehmer zuletzt das entsprechende Tempo nachgewiesen, mit Rang drei auf nationaler Ebene aber nicht die nötige Platzierung für die EM-Qualifikation.

Immerhin entspricht der eher schlaksige Athlet mit der laut SG-Sportdirektor Michael Ulmer "sehr guten Wasserlage" dem Typus Schwimmer, der jetzt wieder mehr gefragt ist. Ein Vorteil, der ihm bei Freiwasserstarts zum Nachteil gereicht. Denn an kalten Tagen, sagt er, friere er da ein.

Doch nicht nur deshalb lässt Schwarz die Chance aus, sich in diesem Jahr auch über zehn Kilometer auf nationaler Ebene zu messen. Nur eine Woche nach dem entsprechenden Wettkampf steht die diesmal von den anderen Beckenwettbewerben getrennte deutsche Meisterschaft über seine Spezialstrecken 800 und 1500 Meter Freistil an. "Da wäre ich ja noch tot", sagt Schwarz, der sich in Frankfurt nicht nur an neue Trainingsreize gewöhnen muss.

Eigentlich hatte er seiner Heimat ja gar nicht den Rücken kehren wollen. Doch seinen Berufswunsch habe sich der lebhafte junge Mann dort anfangs nicht erfüllen können; von psychologischer Seite aus passe er nicht in das Profil eines Polizisten, habe man bei der dortigen neuen Sportfördergruppe entschieden. Als man sich später anders besann, war Schwarz schon bei den Kollegen in Wiesbaden untergekommen. Der Kontakt nach Frankfurt lief über Ulmer, der Manuels zehn Jahre älteren Bruder Michael aus dessen aktiver Zeit her kennt. Doch obwohl Schwarz glaubt, als Freund und Helfer in Frankfurt durchaus gut gebraucht zu werden, will er eine frühestens im Herbst mögliche Rückkehr in die Heimat nicht ausschließen: "Ein Saarländer", erklärt er, "verlässt nur selten gern sein Land."

Autor:  Katja Sturm
Datum:  22 | 3 | 2010
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