Was in Skandinavien, der Schweiz und Tschechien schon längst zum sportlichen Alltag gehört, könnte sich auf Dauer auch in Deutschland durchsetzen: die Sportart Unihockey oder Floorball, wie das zwischen Eis- und Feldhockey angesiedelte Spiel auch noch genannt wird. Denn die Vernetzung dieser Mannschaftssportart nimmt im Bundesgebiet immer weiter zu.
Nachdem Unihockey in den vergangenen Jahren hauptsächlich von Vereinen aus Nord- und Ostdeutschland gespielt und dominiert wurde, ist dieser Sport nun auch in Hessen präsent. Der Ende 2007 gegründete Hessische Unihockey Verband (HUV) zählt mittlerweile sieben Vereine. Auch die Mitgliederzahlen in den Klubs steigen stetig, wie Tobias Jungcurt, Spieler beim Frankfurter TSV Berkersheim und HUV-Vizepräsident, berichtet. "Wir haben die Unihockey-Abteilung hier in Berkersheim erst vergangenes Jahr im September mit damals 18 Mitgliedern gegründet, die von der SKG Frankfurt übergelaufen sind. Und nun sind es schon um die 40."
Vor allem Kinder begeisterten sich für die Sportart. Warum das so ist, liegt für Jungcurt auf der Hand: "Unihockey ist ein Sport, den man sehr schnell erlernen kann. Somit haben die Kinder auch relativ schnell Erfolgserlebnisse. Zudem ist die Verletzungsgefahr sehr gering." Außerdem brauche man sich zum Unihockeyspielen nicht viel an Ausrüstung anzuschaffen. Ein paar Sportschuhe, eine Shorts und ein T-Shirt habe ja so gut wie jeder im Schrank, und einen Schläger bekomme man schon für unter 30 Euro, sagt der Berkersheimer Spieler.
Mit seinem Verein war er am Wochenende Gastgeber des dritten Spieltags der Verbandsliga Hessen, die derzeit aus vier Mannschaften besteht. Die Frankfurter besiegten dabei unter anderem den SV Floorball Butzbach mit 11:2 und verwiesen auch den härtesten Konkurrenten um den Landesmeistertitel, die TSG Erlensee, mit 14:7 in die Schranken. Damit verteidigten sie erfolgreich die Tabellenspitze und haben gute Chancen, als Hessenmeister um den nationalen Titel mitzuspielen. Im vergangenen Jahr war die Mannschaft, damals noch unter dem Namen SKG Frankfurt, bundesweit Dritter gewesen.
"Bei allem Erfolg freue ich mich zunächst einmal über die Begeisterung, die dieser Sport bei uns im Verein ausgelöst hat, und mit welcher Freude die Spieler bei der Sache sind", erzählt Günter Schulz, der Unihockey-Abteilungsleiter des TSV Berkersheim. Er sei vor allem stolz darauf, dass von den 40 Mitgliedern gut die Hälfte Jugendliche seien. "Eine tolle Quote", wie Schulz findet.
Dass es in Sachen Jugendarbeit sogar noch besser geht, zeigt die TSG Erlensee. "Dieser Verein hat gar sechs Jugendmannschaften für die verschiedenen Punktrunden gemeldet", erklärt Jungcurt, der zusammen mit seinem Mannschaftskollegen Robert Kratochvil nun Pläne entwickelt, wie man Unihockey bei den hessischen Kindern noch populärer machen könnte. "Wir wollen nun vermehrt an Schulen gehen, um so Lehrern und Schülern Unihockey näherzubringen", sagt Kratochvil. Viele Schulen verfügten sogar schon über eine Floorball-Ausrüstung, wüssten sie aber nicht zu nutzen. "Das wollen wir nun ändern."