Es war der lockere Auftakt zu einer Wettkampfserie, die sich möglichst lange hinziehen soll. Denn nach dem eigenen Pokalschwimmen am Wochenende in Höchst geht es für die SG Frankfurt Schlag auf Schlag weiter: Hessenmeisterschaft in zwei Wochen in Baunatal, Weltcup Ende des Monats in Berlin, deutsche Titelkämpfe Mitte November ebenfalls in der Hauptstadt − und dann, wenn es optimal laufen sollte, stehen sowohl eine Europa- als auch eine Weltmeisterschaft auf der Kurzbahn im Jahresterminplan. Doch die nationalen Normen, die sich an der Weltrangliste orientieren, sind hart. Und zuletzt musste SG-Sportdirektor Michael Ulmer feststellen, dass die Ergebnisse den Ansprüchen der erfolgsverwöhnten Hessen nicht genügten. Kein Frankfurter schaffte den Sprung zur Europameisterschaft im Sommer in Budapest. „Damit können wir nicht zufrieden sein“, sagt Ulmer. Deshalb soll sich das schnellstmöglich wieder ändern, zumal in nicht einmal zwei Jahren die nächsten Olympischen Spiele anstehen.
In London anzukommen, traut der Sportdirektor vor allem denjenigen unter seinen Athleten zu, die schon einmal dabei waren: Annika Mehlhorn, der für Polen startende Lukasz Wojt und Marco di Carli. Zu dem Trio, das am Wochenende gesundheitsbedingt pausierte, gesellen sich zwei ganz frische Neuzugänge, die sich im Höchster Hallenbad erstmals mit den Kappen der SGF präsentierten: der aus Fulda kommende Rückenspezialist Jan-Philip Glania und der vom VfL Sindelfingen wechselnde Martin Kutscher.
Der Uruquayer Kutscher hat für sein Heimatland bereits je zweimal an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften teilgenommen. Glania träumt davon noch. Doch er glaubt nicht als Einziger an sein Potenzial. Immerhin hat der 21-Jährige, wie er sagt, erst ein Jahr seines Lebens voll auf den Sport setzen können. Damals, 2009, schaffte er auch seinen Durchbruch, wurde als Bundeswehrsoldat Militärweltmeister und -weltrekordler über 200 Meter Rücken und schwamm nur knapp an einem WM-Start in Rom vorbei. Zu spät hatte er sich vor der Qualifikation um einen der gerade erst erlaubten Hightech-anzüge gekümmert und war der Konkurrenz oberkörperfrei und entsprechend geschwächt entgegengetreten.
Größte Chance in Lagenstaffel
Auch in diesem Sommer lief es gut für den deutschen Vizemeister über 50 Meter Rücken, obwohl er sein Hauptaugenmerk auf sein Zahnmedizinstudium legte. Doch neue Reize, hat er festgestellt, schlagen bei ihm stets gut an. Und als er vor einem Jahr aus Studiengründen an den Frankfurter Stützpunkt, noch nicht jedoch den Verein wechselte, sei er zahlreichen von diesen ausgesetzt gewesen. Auch, weil er in punkto Krafttraining an Geräten noch recht unerfahren war. Denn in Fulda habe es keinen Kraftraum gegeben. Zudem besuchte Glania dort bis zum Abitur „eine ganz normale Schule“, konnte also nur einmal am Tag trainieren.
Wenn er jedoch am heutigen Montag seine letzte Klausur fürs Vorphysikum geschrieben hat, will der ehemalige Jugend-EM-Teilnehmer im Training Gas geben, um spätestens im Sommer erstmals den Sprung ins Nationalteam zu schaffen. Ein Start in der Lagenstaffel käme da am ehesten infrage. Die Konkurrenz aber ist groß und wird wohl wieder angeführt von dem zuletzt studienbedingt pausierenden Vizeweltmeister über 100 Meter Rücken, Helge Meeuw. Dem Mann also, der die SG Frankfurt zu Jahresbeginn Richtung Magdeburg verließ und den Glania jetzt im Bundesligateam der Hessen möglichst gut ersetzen soll.