Eigentlich könnte Peter Fischer es ruhig angehen lassen. In seiner „zweiten Heimat“, dem Spessart, wo der pensionierte Polizeibeamte in der Marktgemeinde Mömbris sein neuestes Domizil aufgeschlagen hat, bieten sich dem 63-Jährigen genügend Möglichkeiten, seinen Hobbys zu frönen: Wandern, Joggen, gutes Essen. Doch der Schwimmfachmann zählt sich noch nicht „zum alten Eisen“. Er sucht und findet immer wieder neue Herausforderungen. Solche wie das Angebot, das ihm sein Trainerkollege und Freund Michael Ulmer vor wenigen Monaten unterbreitete. Der Sportdirektor der SG Frankfurt brauchte einen Nachfolger für Csaba Vida, der die Hessen nach fast 15 Jahren Ende 2010 verlassen wollte, um woanders eine Vollzeitstelle anzutreten. Fischer konnte nicht widerstehen: Unter „nahezu idealen Trainingsbedingungen etwas Neues aufzubauen“, das reizt ihn selbst noch nach 35 Jahren im Trainergeschäft.
Dabei hat der ehemalige Fünfkämpfer am Beckenrand schon so gut wie alles erlebt, hat vom Nachwuchstalent bis hin zur späteren Olympiasiegerin Otylia Jedrzejczak für jedes Niveau Trainingspläne geschrieben. Besonders bekannt gemacht hat den Münsteraner jedoch die dreieinhalb Jahre währende Arbeit mit dem mehrmaligen Welt- und Europameister Thomas Rupprath, den er in den 90er Jahren entscheidend prägte.
Um das damalige „Grobjuwel“ rund um die Uhr schleifen zu können, stellte der Düsseldorfer Polizeipräsident und ehemalige DSV-Schwimmwart Rainer Wittmann seinen Beamten 1999 sogar vom Dienst frei. Doch Fischer „behagte das nicht“, so abhängig von nur einem Sportler zu sein. Er folgte einem Ruf als Landestrainer nach Hannover. „Ich wollte Rupprath nicht allein lassen“, erklärt er. Doch der Schwimmer zog es vor, im heimischen Neuss zu bleiben.
Beider Erfolg tat dies keinen Abbruch: Während Rupprath bis zum Sommer 2010 auf internationaler Ebene fleißig Titel und Medaillen sammelte − bevor er vor wenigen Wochen, auch für Fischer überraschend, im RTL-Dschungelcamp auftauchte −, formte sein ehemaliger Trainer in der niedersächsischen Landeshauptstadt unter anderem drei weitere deutsche Olympiateilnehmer, darunter Staffelsilbermedaillengewinner Lars Conrad.
Das Umfeld optimieren
In Frankfurt gilt es nun für Fischer, als Trainer der Talentgruppe wieder die Basis für ähnliche Leistungen zu legen. Dabei habe er zu Beginn seiner Tätigkeit im Januar einigen seiner zehn- bis 16-jährigen Athleten erst einmal beibringen müssen, pünktlich oder überhaupt regelmäßig zum Training zu kommen. Zudem gehe es in dieser Anfangsphase erst einmal darum, „eine funktionierende Chemie aufzubauen und geradeaus schwimmen zu lernen“. Etwa 20 Sportler wollen es bei dem neuen Mann versuchen; einige seien extra wegen ihm dazugestoßen, andere aus der Gruppe ausgeschieden. Fischer rechnet damit, dass diesen weitere folgen werden, die die von ihm gesteckten Ziele nicht erreichen. „Ich sage den Athleten gerne früh, wohin ihr Weg führt“, erklärt er.
Dabei ist er überzeugt, dass die Frankfurter in zwei bis drei Jahren wieder bei Junioren-Europameisterschaften mitschwimmen werden, aber auch in der Spitze besser dastehen könnten. Dafür müsse jedoch auch das Umfeld noch verbessert werden. Anders etwa als im Saarland, wo Fischer nach seiner Zeit in Hannover sechs Jahre lang als Landestrainer tätig war, seien selbst in der mit dem Spitzensport kooperierenden Carl-von-Weinberg-Schule die Unterrichtszeiten dem Leistungstraining nicht förderlich, die Pause etwa zwischen den möglichen Trainingszeiten zu kurz. „Das muss überdacht werden“, fordert Fischer und lässt keinen Zweifel daran, dass er weiß, wovon er spricht.