Michael Ulmer hat schon viel erlebt im Schwimmsport. Vermutlich bleibt der Sportdirektor der SG Frankfurt deshalb so erstaunlich ruhig, obwohl er doch Ärger verspürt. Denn seine beiden Teams mussten bei der deutschen Mannschafsmeisterschaft am Samstag offenbar mit einem Wettbewerbsnachteil in ihre Rennen gehen − so wie auch die übrigen Vereine, die die Vorkämpfe in Hannover absolvierten. Denn anders als in Essen, wo die zweite Hälfte der Erstligisten von den neuen, per Fußstütze höhere Geschwindigkeiten ermöglichenden Startblöcken abspringen durfte, mussten die Athleten im Stadionbad der niedersächsischen Landeshauptstadt mit den alten Modellen vorliebnehmen. „Zwei bis drei Zehntel“ pro Rennen dürfte das ausmachen, erklärt Ulmer − genug, um das Klassement mächtig durcheinanderzuwirbeln.
Nicht nur für Frankfurt hätten die Ergebnisse also ganz anders ausfallen können. So fehlen den Frauen vom Main lediglich sieben Punkte zum Einzug in die Meisterrunde der besten sechs Teams; sie müssen als Siebte mit 21485 Punkten in die Abstiegsrunde. Die Männer liegen mit 22479 Punkten als Dritter nur knapp hinter dem SC Wiesbaden (22623) und haben auch noch die wie bei den Frauen führende SG Essen (23134) in Sichtweite. Zumal Luft nach oben für die Frankfurter noch bleibt, nachdem sie mit einigen Verletzungsproblemen zu kämpfen hatten. Von hinten jedoch drängt die fünftplatzierte SG Neukölln Berlin (22112), die auf den erkrankten WM-Staffelmedaillengewinner Benjamin Starke verzichten musste.
Da zudem die Punkte aus der Vorrunde in die Endkämpfe in zwei Wochen in Dortmund mitgenommen werden, will Ulmer einen Protest nicht ausschließen, vorher aber das Gespräch mit Tjark Schroeder suchen, dem Vorsitzenden der Sparte Schwimmen beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV). Dem lagen eigenen Aussagen nach am Sonntagmittag noch keine Informationen über die ungleichen Verhältnisse bei den beiden Vorkämpfen vor. Wenn es die gegeben habe, hätte man sich dennoch nichts vorzuwerfen. „Wir sind mit Ausrichtern nicht so gut bestückt“, so Schroeder, müsse also bei Bewerbungen zugreifen und die jeweils zur Verfügung stehenden Bedingungen nutzen. Zudem seien beide Varianten des Startblocks erlaubt. Wenn es dadurch zu einer Wettbewerbsverzerrung gekommen sei, „dann ist das halt so“. Schroeder zumindest erwartet keine Proteste seitens der Vereine.
„Das ist ein Hammer“
Doch sogar bei den Wiesbadenern, die wie die bei den Männern neuntplatzierten Darmstädter (21180) in Essen schwammen und also im Vorteil waren, hält Oliver Großmann das Vorkommnis für „einen Hammer“. Das hätte man anders regeln müssen, empört sich der Trainer und kann dem ungeliebten Nachbarn nur raten, sich das nicht gefallen zu lassen. Auch wenn es ihm sowieso schon nicht schmeckt, dass Frankfurt bei den Männern so knapp hinter dem eigenen Team auf der Lauer liegt und die Wiesbadener Frauen auf dem zwölften und letzten Platz, direkt hinter der SG Rheinhessen aus Mainz, keinerlei Chancen mehr haben dürften, dem Abstieg noch zu entgehen.
Natürlich wissen alle Beteiligten, dass hundertprozentig gleiche Bedingungen in zwei verschiedenen Schwimmhallen nicht möglich sind. Und bei kleinen Unterschieden würde sich auch keiner beschweren, so Ulmer. Doch den SG-Sportdirektor ärgert es vor allem, dass der DSV nicht in der Lage gewesen sei, das diesmal doch gravierende Problem im Vorfeld zu klären. „Das ist der wirkliche Skandal“, sagt er − und lässt sich den in ihm gärenden Ärger dann doch noch anmerken.