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24. November 2015

„Buch des Reisens“: Früher und heute – warum die Menschen reisen

 Von Katharina Klöber
Segelschiffe waren bis ins 19. Jahrhundert das wichtigste Transportmittel für große Entfernungen. Hier: Fregatte „Pallas“, Gemälde von Alexei P. Bogoljubow, 1847  Foto: Privatarchiv Rainer Wieland/ Propyläen Verlag

Erst Seefahrer, dann Forscher, heute Touristen: Seit jeher reisen die Menschen um die Welt. Warum eigentlich? Welche Abenteuer erleben sie? Und warum reisen wir in einer globalisierten Welt überhaupt noch? Ein neues Buch gibt Antworten.

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Aufbrechen, Neues entdecken, den eigenen Horizont erweitern: Die Sehnsucht nach der Ferne ist so alt wie die Menschheit selbst. Seit jeher sind die Menschen unterwegs – bis heute, obwohl jeder noch so abgelegene Ort auf dieser Erde längst erforscht ist.

Warum reisen Menschen eigentlich? Was waren ihre Motive vor 2000 Jahren und welche sind es heute? Wohin fuhren sie damals und wohin reisen sie im 21. Jahrhundert? Welche Abenteuer erlebten sie und welche Eindrücke bringen sie heute mit nach Hause? Diesen Fragen geht Rainer Wieland in seinem neu erschienenen „Buch des Reisens“ nach. Darin hat er Reiseberichte aus aller Welt gesammelt. Der erste stammt von Hanno, einem karthagischen Seefahrer, der 470 vor Christus auf der Suche nach neuen Handelsrouten Westafrika erkundete.

Erste Reiseberichte vor 5000 Jahren

Zwar brachen die Menschen schon viel früher zu Reisen auf, wie anhand archäologischer Funde nachgewiesen ist. Faustkeile, Speerspitzen und Tonscherben zeugen von frühen Völkerwanderungen. Aber wie Wieland in seinem Buch schreibt, geben Reiseberichte erst seit der Erfindung der Schrift vor rund 5000 Jahren Auskunft über die Erlebnisse von Seefahrern, Forschern und Künstlern.

Und so schließt das Buch passenderweise mit dem Reisebericht eines Schriftstellers. Ironisch und gleichsam selbstkritisch beschreibt der englische Autor David Foster Wallace in „Luxuskreuzfahrt in der Karibik“ den Kreuzfahrt-Boom unserer Zeit.

Ceylon (heute Sri Lanka), Landkarte von Nicolaes Visscher, 1682  Foto: Wikimedia Commons (bereitgestellt vom Propyläen Verlag)

Marco Polo beim Mongolenkaiser in Peking

Zwischen Hanno und Wallace lässt Wieland 67 weitere abenteuerlustige Männer und Frauen zu Wort kommen: Zum Beispiel den venezianischen Kaufmann Marco Polo, der 1275 als 17-Jähriger an den Hof des Mongolenkaisers Kublai Khan nach Peking kam und anschließend als dessen Diplomat Tibet, Birma, Vietnam und Thailand bereiste. Zurück in Italien diktierte Marco Polo 20 Jahre später einem Schriftsteller seine Eindrücke.

Über den kaiserlichen Palast berichtet er: „Die Wände der Säle und Kammern sind mit Gold und Silber ausgekleidet. Drachen sind dargestellt, Tiere, Vögel, Reiter und noch vieles andere. Der Hauptsaal ist so groß, dass ohne weiteres mehr als sechstausend Menschen drin speisen können. Das Dach spielt in allen Farben; wie Kristall leuchten die kräftigen Lackfarben, so dass man schon von weitem den Palast glänzen sieht.“ Beeindruckt fasst der Italiener zusammen: „Der riesige Palast ist ein Meisterwerk. Kein Potentat wäre imstande, sich einen schöneren auszudenken und bauen zu lassen.“

Die „Resolution“ und die „Adventure“ in der Matavi-Bucht von Tahiti, Gemälde von William Hodges, 1773  Foto: Wikimedia Commons (bereitgestellt vom Propyläen Verlag)

Schlaflose Nacht in einer afrikanischen Hütte

Ein anderes eindrückliches Erlebnis schildert beispielsweise die Engländerin Mary Kingsley, die 1895 als Forscherin nach Französisch-Äquatorialafrika (heute Kamerun und Gabun) reiste, um den Stamm der Fang kennenzulernen. Über ihre Nacht in einer für sie freigeräumten Hütte eines Häuptlings schreibt sie: „Als ich erneut aufwachte, bemerkte ich in der Hütte einen üblen Gestank eindeutig organischen Ursprungs, der wohl wegen der geschlossenen Tür nicht abziehen konnte.“

Kingsley verfolgt den Geruch zu Beuteln, die vom Gebälk herabhängen: „Um keinesfalls etwas Wertvolles zu verlieren, schüttete ich den Inhalt in meinen Hut. Es handelte sich um eine menschliche Hand, drei große Zehen, vier Augen, zwei Ohren und andere Teile des menschlichen Körpers. Die Hand war frisch, die anderen Überreste so lala und verschrumpelt.“

Nachdem sie die Körperteile zurückgelegt und den Sack wieder verschnürt hat, fasst die 33-Jährige trocken zusammen: „Später erfuhr ich, dass die Fang zwar ihre befreundeten Stammesmitglieder essen, doch zur Erinnerung gerne ein kleines Stück von ihnen aufbewahren. Obwohl diese Verhaltensweise angesichts der Umstände für sie spricht, ist es doch recht unangenehm, wenn die Überreste in dem Schlafzimmer hängen, in dem Sie die Nacht verbringen – insbesondere, wenn der betreffende Trauerfall in der Familie ihres Gastgebers noch nicht lange zurückliegt.“

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

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