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16. Oktober 2012

Regen und „Bella-Burger“: Reise in die „Twilight“-Stadt Forks

In Forks wird angezeigt, wo die Territorien der Vampire und Werwölfe liegen. Foto: dpa-tmn

Die halbe Welt kennt diesen Ort aus dem Kino: Die Kleinstadt Forks im US-Bundesstaat Washington ist Schauplatz der „Twilight“-Saga und seitdem ein Touristenmagnet. Bald wird der Ansturm wieder explodieren, wenn der letzte Teil ins Kino kommt.

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Wen magst Du lieber? Edward oder Jacob, den smart-coolen Vampir oder den einfühlsamen Werwolf-Muskelprotz? Diese Frage stellen sich nicht nur die zahllosen Teenager, die Stephenie Meyers „Twilight“-Bücher gelesen und die Filme gesehen haben. Auch Marcia Bingham, die Tourismuschefin von Forks, konfrontiert damit fast jedes pubertierende Mädchen, das in das Touristenbüro des Ortes kommt. Auf Antworten wartet Marcia nicht, sondern schiebt sofort hinterher: „Du kannst Edward haben. Jacob gehört mir.“ Das ist natürlich geflunkert. Forks, ein Holzfällerkaff im Nordwesten des US-Bundesstaates Washington, hat von „Twilight“ dermaßen profitiert, dass Marcia Bingham keinen der Helden wieder abgeben mag - ebenso wenig wie die weibliche Hauptfigur Bella Swan.

Fan-Ansturm nach jedem neuen „Twilight“-Teil

Der Transporter der Filmheldin Bella.
Der Transporter der Filmheldin Bella.
Foto: dpa-tmn

Am 22. November kommt in Deutschland der fünfte und letzte Teil der „Twilight“-Saga in die Kinos, in den USA startet er ein paar Tage vorher. Das Drama um Robert Pattinson (Edward) und Kristen Stewart (Bella), die auch privat ein Paar wurden und sich im Sommer 2012 unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit wieder trennten, hat das Interesse weiter angefeuert. In Forks rechnen sie schon damit, dass es in den Monaten nach dieser letzten Filmpremiere erneut einen Ansturm der Fans geben wird, so wie es bisher jedes Mal der Fall war.

Forks liegt am Westrand des Olympic National Parks. Mit seinem bis zu 2432 Meter hohen Küstengebirge ist das Schutzgebiet berühmt für seinen Regenwald. Der Pazifik ist nicht weit - und die Wolken, die sich dort bilden und vom Westwind an Land getragen werden, regnen sich oft direkt über Forks aus. Eben deshalb lässt Stephenie Meyer ihre Buchreihe hier spielen: Vampire mögen kein Sonnenlicht.

Bella-Burger und Vampirzähne aus Plastik

Die Pappaufsteller der „Twilight“-Stars sind eine beliebte Foto-Kulisse.
Die Pappaufsteller der „Twilight“-Stars sind eine beliebte Foto-Kulisse.
Foto: dpa-tmn

Der Ort hat sich inzwischen komplett auf „Twilight“ eingestellt. Jedes Jahr im September feiert Forks den „Stephenie Meyer Day“. Zwei Tourenanbieter klappern die Drehorte ab, zu denen die Polizeistation und Bellas Arbeitsplatz im Geschäft „Forks Outfitters“ gehören. Bei „Leppell's Flowers & Gifts“, einem mit allerlei „Twilight“-Nippes vollgestopften Laden, bekommt jeder Vampirzähne aus Plastik zum Einkauf dazu geschenkt. Ein Motel preist seine Bella-Suite an, am Highway 101 lässt sich „Twilight“-Feuerholz kaufen, und „Sully's Drive-In“ behauptet stolz, den Bella-Burger erfunden zu haben.

„Stephenie Meyer hat uns einen Riesengefallen getan“, sagt Marcia Bingham. Lange Zeit dümpelte die Zahl der im Touristenbüro gezählten Urlauber im vierstelligen Bereich pro Jahr - mal waren es knapp 5200 Besucher, mal 6400. Forks lag einfach zu weit ab vom Schuss, um Ziel vieler Urlauber zu sein. Im Jahr 2009 aber, kurz nach dem Start des ersten Films der „Twilight“-Serie, schoss die Zahl auf fast 70.000 in die Höhe, 2010 legte sie noch einmal leicht zu.

Wälder und Nebel: Mystische Film-Atmosphäre

„Jedes Mal, wenn ein Film herauskam, wurden wir überrannt. Die Leute sehen dann, wie schön es hier ist, und kommen immer und immer wieder“, sagt Marcia Bingham. In der Tat ist die Landschaft rund um Forks das größte Pfund, mit dem der Ort wuchern kann. Ausgedehnte Wälder prägen das Bild. In La Push an der Küste schlägt der kühle Pazifik mit aller Macht auf die Strände und spült große Mengen von Treibholz an, das sich im Sand stapelt.

Oft liegt dichter Nebel über La Push und verbreitet eine mystische Atmosphäre. In den Büchern und Filmen leben hier die Werwölfe um den jungen Jacob. Im realen Leben weist ein Schild an der Straße nach Forks auf die imaginäre Grenze zwischen Vampir- und Werwolf-Territorien hin.

In Forks hat jedoch auch der Touristenboom die Probleme des Ortes nicht übertünchen können. Manche Häuser wirken ärmlich, die meisten Menschen hier verdienen schlecht. Auch die „Twilight“-Vermarktung ist keineswegs überall durchgestylt.

Einst Holzwirtschaft, jetzt Twilight-Tourismus

Knapp 20 Kilometer von Forks entfernt liegt die Küste von La Push.
Knapp 20 Kilometer von Forks entfernt liegt die Küste von La Push.
Foto: dpa-tmn

Die Schule, die in den ersten Filmen zu sehen war, wurde abgerissen und 2011 durch einen Neubau ersetzt. Das lokale Krankenhaus hält zwar einen Parkplatz frei für Dr. Carlisle Cullen, den Vampirvater von Edward - doch das Schild ist in der Ecke versteckt, so dass nicht jeder es gleich findet. Und das Home of the Swans, in dem Bella mit ihrem Filmvater lebt, gibt es zwar tatsächlich. Besichtigen aber lässt es sich zur Enttäuschung vieler Fans nicht. In Disneyland wäre das wohl anders gelöst worden.

Jahrzehntelang hat Forks von der Holzwirtschaft gelebt, der Tourismus kam erst später dazu. Dass das baldige Ende der Filmreihe nun dazu führen könnte, dass wieder deutlich weniger Urlauber die doch recht weite Autofahrt von Seattle im Osten oder von Portland im Süden auf sich nehmen, fürchtet Marcia Bingham allerdings nicht: „Die Leser der Bücher haben eine große Leidenschaft für 'Twilight' entwickelt. Sie werden weiter nach Forks kommen.“ Wenn es also nach ihr geht, wird sie noch viele Jahre lang jungen Mädchen die alles entscheidende Frage stellen: „Wen magst Du mehr? Edward oder Jacob?“ (dpa-tmn)

Informationen zu Forks/Washington:

  • Anreise und Formalitäten: Forks liegt im äußersten Nordwesten des US-Bundesstaates Washington. Dessen Metropole Seattle fliegen Lufthansa sowie in der Sommersaison auch Condor nonstop von Frankfurt/Main aus an. Die rund 300 Kilometer lange Autofahrt von Seattle nach Forks dauert etwas mehr als vier Stunden. Alternativ ist die Anreise über Portland im südlichen Nachbarstaat Oregon möglich (400 Kilometer, fünfeinhalb Stunden Fahrt). Deutsche Urlauber brauchen kein Visum, müssen allerdings unter https://esta.cbp.dhs.gov eine elektronische Einreiseerlaubnis für die USA einholen (ESTA-Verfahren). Diese kostet 14 US-Dollar (etwa 10,80 Euro) und gilt zwei Jahre lang.

  • Klima und Reisezeit: In Forks herrscht Meeresklima, häufig regnet es. Den meisten Niederschlag gibt es von November bis März. Am trockensten sind Juli und August, wenn es mit Höchstwerten von 20 Grad Celsius auch am wärmsten ist. Im Winter liegen die Tagestemperaturen meist zwischen 0 und 9 Grad.

  • Mehr Informationen: Fremdenverkehrsbüro Washington State, c/o Wiechmann Tourism Service, Scheidswaldstraße 73, 60385 Frankfurt (Tel.: 069/25 53 82 40, E-Mail: info@washingtonstate.de).

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