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20. Juli 2015

Erschütternde Fotos: Wie der Mensch seine Lebensgrundlagen zerstört

 Von 
Der indonesische Surfer Dede Surinaya reitet in einer Bucht von Java auf einer Welle voller Müll. Die Insel ist die am dichtesten besiedelte der Welt.  Foto: © Zak Noyle/ Population Media Center

1,5 Millionen: So viele Menschen werden pro Woche auf der Erde geboren. Zu viele für die Kapazitäten des Planeten, sagen Wissenschaftler. Eindrucksvolle Bilder zeigen jetzt die Folgen des starken Bevölkerungswachstums.

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Eine Welle, vollgeschwemmt mit Müll, ein Himmel, vollgepestet mit Kondensstreifen, ein toter Vogel, vollgefressen mit Plastik: Diese Bilder schockieren. Und sie zeigen die Realität, nichts anderes. Genau das sollen sie auch. Die Aufnahmen stammen aus dem Bildband „Overdevelopment, Overpopulation, Overshoot“ (dt. „Überentwicklung, Überbevölkerung, Überschreitung“).

Das Buchprojekt ist Teil der Kampagne „Speak Out“ (dt. „Stellung beziehen“), die auf die Folgen des starken Bevölkerungswachstums auf der Erde aufmerksam macht. Produziert hat es das Population Media Center in Vermont, eine US-amerikanische Nichtregierungsorganisation, die Menschen mithilfe medialer Projekte wachrütteln will.

Ressourcen sind nicht unendlich vorhanden

Drei Menschen pro Sekunde, 150 pro Minute, 9000 pro Stunde, 220.000 pro Tag, 1,5 Millionen pro Woche: In dieser Größenordnung wächst die Zahl der Erd-Bewohner. Alle diese Menschen brauchen zum Leben Land, Essen und Obdach. „Wir erwarten, dass uns die Erde diese Ressourcen automatisch bereitstellt“, sagt Joseph Bish vom Population Media Center. „Ganz schön hohe Ansprüche an einen endlichen Planeten“.

Die Häuser der 20 Millionen Einwohner großen Megacity Mexiko City breiten sich wie ein endloser Teppich in der Landschaft aus.  Foto: © Pablo Lopez Luz/ Population Media Center

Er fügt hinzu: „Schon jetzt fordern wir Menschen zu viel.“ Dafür müsse man sich nur ansehen, wie viele Tiere und Pflanzen schon ausgestorben oder wie viele Lebensräume auf der Erde inzwischen zerstört seien. Auch Klimawandel und Umweltverschmutzung bewiesen den enormen Einfluss des Menschen auf die Erde.

Obwohl die Geburtenraten in vielen westlichen Industrieländern zurückgehen, sind sie in Entwicklungsländern immer noch hoch. Im nordwestafrikanischen Niger, dem Land mit dem weltweit höchsten Bevölkerungszuwachs, bekommt eine Frau im Schnitt mehr als sieben Kinder. Ziel von Joseph Bish und seinen Mitstreitern: Das Wachstum stoppen oder noch besser einen Rückgang vorantreiben.

Zahl der Menschen in 200 Jahren rasant gestiegen

„Um das zu erreichen, müssen wir mehr für Bildung, Frauenrechte und die Gleichheit von Mann und Frau tun“, erklärt Bish. „Kinderheiraten müssen ein Ende haben.“ Er betont: „Jede Frau sollte selbst bestimmen können und dürfen, wie viele Kinder sie bekommt. Dafür muss sie aber erst einmal wissen, was Familienplanung überhaupt ist und wie sie an Verhütungsmittel kommt.“

Mehr dazu

So stark wie heute wuchs die Weltbevölkerung nicht immer. Erst im Lauf der vergangenen 200 Jahre ist die Zahl der Menschen rasant gestiegen. 1804 lebte noch eine Milliarde Menschen auf der Erde – 1927 – nur 123 Jahre später – waren es  doppelt so viele. Bis zur nächsten Verdopplung auf vier Milliarden 1974 dauerte es nur 47 Jahre. Heute, im Jahr 2015, leben rund 7,3 Milliarden Menschen auf diesem Planeten.

Vier Milliarden Menschen ein Riesen-Unterschied

Die Prognose der Vereinten Nationen für das Jahr 2100 schwankt zwischen 6,7 und 16 Milliarden Menschen. Bish kämpft dafür, dass es mithilfe der angesprochenen Maßnahmen 6,7 Milliarden werden. „6,7 oder 11 Milliarden nach der mittleren Prognose – das macht einen Riesenunterschied“, sagt er, „nämlich rund vier Milliarden Menschen. Das sind mehr, als derzeit zusammengenommen in Nord-, Süd-, und Zentralamerika, Europa, Afrika, Indien und Ozeanien leben.“

Frauen in Entwicklungsländern über Familienplanung zu informieren und Verhütungsmittel bereit zu stellen, würde 3,5 Milliarden US-Dollar im Jahr kosten. Das haben die Vereinten Nationen ausgerechnet. Bish: „Das ist weniger als vier Prozent dessen, was Amerikaner jedes Jahr für Bier ausgeben.“

Sehen Sie hier eine Auswahl der Bilder:

Norwegen

Norwegen, Spitzbergen: Toter Eisbär  Foto: © Ashley Cooper/ Population Media Center

Dieser Eisbär war in der Arktis auf Spitzbergen Richtung Norden unterwegs. Er war auf der Suche nach Meereis, um auf den Eisschollen zu jagen. Da die Fjorde im Winter oft nicht mehr zufrieren, fand er keines, brach zusammen und verhungerte.

USA

USA, Nordpazifik, Midway-Insel: Toter Albatross  Foto: © Chris Jordan/ Population Media Center

Ein toter Albatross verrottet am Strand. Der Seevogel starb, weil er zu viel Plastik gefressen hatte, wie bei der Verwesung deutlich wird. Solche Anblicke sind auf der abgelegenen Midway-Island mitten im Pazifik nicht selten.

Ghana

Ghana, Accra: Computer-Müllhalde  Foto: © Peter Essick/ Population Media Center

Unmengen als Secondhand-Ware deklarierter Elektro-Schrott, wie defekte Computer, werden zum Aussortieren und Entsorgen in Entwicklungsländer verschifft. Auf der Suche nach verwertbaren Metallen arbeiten selbst Kinder auf den giftigen Halden.

Deutschland

Deutschland, Hambach: Braunkohle-Tagebau  Foto: © Achim Blum/ Population Media Center

Ein Bagger schaufelt im Rheinischen Braunkohlerevier bis zu 240.000 Tonnen Kohle täglich. Um den Tagebau zu betreiben, wurden die fruchtbare Börde zerstört und mehr als 40.000 Menschen zwangsumgesiedelt.

Kanada

Kanada, Alberta: Entleerungsleitung  Foto: © Garth Lentz/ Population Media Center

Im nordamerikanischen Alberta wird aus so genanntem Ölsand Erdöl gewonnen. Die hochgradig giftigen Schlammbecken liegen uneingedämmt wenige Meter vom Athabasca-Fluss entfernt. Anwohner fürchten, Sickerwasser könnte die Nahrungskette verseuchen.

USA

USA, Golf von Mexiko: Brennendes Öl  Foto: © Daniel Beltra/ Population Media Center

Öl brennt nach der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon 2010 im Golf von Mexiko auf der Wasseroberfläche. Bei der Ölpest, eine der größten Umweltkatastrophen ihrer Art, liefen Schätzungen zufolge 800 Millionen Tonnen Öl aus.

Brasilien

Brasilien: Brennender Amazonas-Regenwald  Foto: © Daniel Beltra/ Population Media Center

Rinder grasen inmitten von brennendem Regenwald im Amazonas-Gebiet. Wälder werden gerodet, um Platz für Vieh und Palmölplantagen zu schaffen. Dabei wird nicht nur der artenreiche Regenwald zerstört. Bei der Verdauung der Rinder entsteht das Treibhausgas Methan. Um Fleisch zu erzeugen, werden riesige Mengen an Getreide und Soja für Tiere statt für Menschen eingesetzt.

Spanien

Spanien, Almeria: Gewächshaus-Wüste  Foto: © Yann Arthus Bertrand/ Population Media Center

In der südspanischen Provinz Almeria, auch „mar del plástico“ genannt (dt. Plastikmeer) reihen sich Gewächshäuser aneinander. Die stark mit Pestiziden belasteten Anlagen bilden die weltweit größte Anbaufläche unter Folie. Etliche nordafrikanische Migranten produzieren hier pro Jahr drei Millionen Tonnen Treibhausgemüse und -obst.

Großbritannien

Großbritannien, London: Kondensstreifen am Himmel  Foto: © Ian Wylie/ Population Media Center

Kondensstreifen, wie hier in London, sind künstliche, von Flugzeugen produzierte Wolken. Neben Wasserdampf enthalten sie rußhaltige Abgase. Weltumspannende Transportnetzwerke, wie die kommerzielle Luftfahrt, tragen zur Verschmutzung der Atmosphäre bei.

Singapur

Singapur: Container-Flut im Hafen  Foto: © John Stanmeyer/ Population Media Center

Der Containerhafen von Singapur in Südostasien ist einer der größten der Welt. Die bunten Schiffscontainer symbolisieren die scheinbar endlosen weltweiten Warenströme der globalen Konsumgesellschaft.

USA

USA, Idaho, Boise: Schnäppchenjäger  Foto: © Darin Oswald/Idaho Statesman/ Population Media Center

Aggressive Schnäppchenjäger stürmen in Idaho im Mittleren Westen das Einkaufszentrum der Stadt Boise, als Mitarbeiter freitags morgens um ein Uhr die Pforten öffnen: Konsum als erstrebenswertes Ziel kapitalistischer Gesellschaften.

Haiti

Haiti: Kampf um Lebensmittel  Foto: © Carolyn Cole/LATimes/ Population Media Center

Im Kampf um Lebensmittel drängeln und schubsen Menschen im Karibik-Staat Haiti. Bei einem starken Erdbeben am 12. Januar 2010 starben geschätzt 316.000 Menschen, rund zwei Millionen wurden obdachlos.

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