Reisende, die einmal einen Ausflug der ganz anderen Art unternehmen wollen, sollten Touristenspots links liegen lassen und sich auf abgelegene Pfade machen. Überall auf der Welt gibt es Geisterstädte, in denen seit langer Zeit keine Menschenseele mehr lebt. Welkes Laub weht über die Straßen und der Wind pfeift durch scheibenlose Fenster. Über allem liegt eine gespenstische Stille. Unheimlich und nahezu unwirklich kommen diese gottverlassenen Orte daher, aber sie alle haben eine Geschichte zu erzählen, deren Entschlüsselung lohnt.
Prypiat (Ukraine)
Die Stadt Prypiat wurde 1970 für die Arbeiter des Kernkraftwerks Tschernobyl erbaut. Nach der Reaktorkatastrophe wurden die rund 50.000 Bewohner aus der Stadt evakuiert, allerdings erst nach 36 Stunden, woraufhin viele von ihnen heute unter Spätfolgen der Strahlung leiden. Da es zunächst hieß, die Evakuierung wäre nur für wenige Tage, ließen die Menschen viele persönliche Dinge zurück, die heute noch zu finden sind. Ein paar Tage nach dem Unglück sollte ein Jahrmarkt eröffnet werden, so dass in der Geisterstadt auch ein Riesenrad und ein Autoscooter zu finden sind.
Foto: Jason Minshull/WikimediaDer französische Ort Oradour-sur-Glane in der Nähe von Bordeaux ist zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg durch das Massaker von Oradour am 10. Juni 1944 bekannt. Er wurde niedergebrannt und komplett zerstört. 642 Einwohner kamen dabei qualvoll zu Tode, nur sechs überlebten. Nach dem Krieg wurde ein neuer Ort neben dem Zerstörten aufgebaut, die Überreste des alten Dorfes sind heutzutage Mahn- und Gedenkstätte.
Centralia ist eine Stadt in der Nähe von Pennsylvania, die bis in die 1960er Jahre vom Kohlenbergbau lebte und über 2000 Einwohner hatte. 1962 entzündete sich unter der Stadt die Kohle, sie brennt seither unaufhörlich. Die Regierung versucht seit 1965 den Brand zu löschen, bisher aber ohne Erfolg. 70 Millionen US-Dollar wurden bisher für Löschversuche ausgegeben. Durch den Kohlebrand wurde die Region nahezu unbewohnbar, 2007 lebten dort nur noch 20 Einwohner. Centralia war Vorlage für die fiktive Stadt „Silent Hill“ in gleichnamigen Kinofilm.
Welche Orte außerdem noch gottverlassen sind, aber eine spannende Geschichte zu erzählen haben, zeigen wir Ihnen in unserer Bildergalerie.
(cpo/fr)
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