Ein Architekt aus Berlin hat den ersten Führer für die Hauptstadt Nordkoreas geschrieben. Der Reiseführer hat zwei Bände. Das erste Büchlein zeigt Stadtansichten und Bauwerke und ist zensiert, das zweite enthält kritische Anmerkungen.
Auf Besucher wirkt Pjöngjang wegen seiner leeren Straßen zunächst wie eine Geisterstadt. Foto: Philipp Meuser
2005 reiste Philipp Meuser zum ersten Mal nach Nordkorea, in das wohl am strengsten von der Außenwelt abgeschottete Land der Welt. Damals kam der Architekt und Verleger, der sich seit seinem Studium für sozialistische Baukunst interessiert, aus purer Neugier und als ganz normaler Tourist.
Was bedeutet: Er absolvierte ein dichtes Besichtigungsprogramm mit einem Chauffeur, einem Übersetzter und einem Führer an seiner Seite. Immerhin rang Meuser seinen Aufpassern die Erlaubnis ab, am letzten Tag das Auto stehen zu lassen und die Stadt zu Fuß zu erkunden.
Für sein Buchprojekt reiste Meuser, der mit seinem Büro Botschaften in Sarajewo, Neu Delhi und Astana (Kasachstan) gebaut hat, weitere vier Male nach Pjöngjang. Die Zusammenarbeit mit den Koreanern gestaltete sich äußerst schwierig. Jeder Satz wurde von Zensoren geprüft.
Ansichten aus dem unbekannten Pjöngjang
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Ansichten aus dem unbekannten Pjöngjang
Das Museum des Befreiungskrieges des siegreichen Vaterlandes: In 80 Ausstellungsräumen wird dort die nordkoreanische Sicht der jüngeren Geschichte präsentiert. Von der japanischen Kolonialzeit über die Besatzung durch die Rote Armee bis zur Ernennung Kim Il Sungs zum ersten Präsidenten der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea.
Foto: Bild: Philipp Meuser
Leere Straßen, weiße Kulisse: Als kurzzeitiger Besucher wird man nur allmählich den Eindruck los, Pjöngjang sei eine große Gespensterstadt.
Foto: Philipp Meuser
Denkmal zu Ehren der Parteigründung mit den drei Säulen der Gesellschaft: Arbeiter (Hammer), Bauer (Sichel) und Intellektueller (Schreibpinsel).
Foto: Philipp Meuser
Der Sockel des Juche-Turms ist aus Granitblöcken gemauert. "Juche" bezeichnet die nordkoreanische Staatsideologie.
Foto: Philipp Meuser
Ein Blick auf die nordkoreanische Hauptstadt, in der mehr als drei Millionen Menschen leben.
Foto: Philipp Meuser
Der Schülerpalast Mangyongdae (eröffnet 1989) bildet den städtebaulichen Abschluss der Kwangbok-Straße.
Foto: Philipp Meuser
Wohnblock in der Thongil-Straße: Auf dem Schriftfeld werden die „Grundideen der sozialistischen Bildung“ präsentiert.
Foto: Philipp Meuser
Der Kulturpalast des Volkes wurde im traditionellen Stil errichtet. Er beherbergt einen Konferenzsaal für bis zu 3000 Gäste und einen Bankettsaal für 1000 Gäste. Das Gebäude gehört zum Hauptverband der nordkoreanischen Schriftsteller- und Künstlergewerkschaft und damit zur Kultur- und Kunstabteilung des Zentralkomitees.
Foto: Philipp Meuser
Das Ufo landet neben der Pyramide: Das Ryugyong Jong Ju Yong Indoor Stadium fasst 12.000 Zuschauer und wurde 2003 in Sichtweite des Hotels Ryugyong eröffnet. Finanziert wurde das Hallenstadion von dem Südkoreaner Jong Ju Yong, dem Gründer und langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Hyundai-Kia-Gruppe.
Foto: Philipp Meuser
Blick vom Fernsehturm Richtung Norden auf ein heterogenes Wohngebiet.
Foto: Philipp Meuser
Nach oben strebend: Soldatendenkmal in rotem Granit, daneben die 105-geschossige Bauruine des Ryugyong und ein Wohnhochhaus für die „Helden der Nation“.
Foto: Philipp Meuser
Silos in einem Werk zur Herstellung von Keramikfliesen südwestlich von Pjöngjang. Auf dem linken Silo steht: „Einheit für unser gemeinsames Ziel“. Auf dem rechten: „Drei große Revolutionen: Ideologie, Industrie und Kultur“.
Foto: Philipp Meuser
Auf der mittleren Schautafel steht: „Lasst uns für unsere Nachkommen unser Land vereinigen!“ Rechts: „Unsere Revolutionsuniversität bildet wie unsere Vorfahren Krieger mit Leib und Seele aus.“
Foto: Philipp Meuser
Architekturführer Pjöngjang von Philipp Meuser (Hrsg.), Zwei Bände, Fachverlag Dom publishers, 38 Euro.
Foto: Dom publishers
Philip Meuser, Architekt aus Berlin, hat die nordkoreanische Hauptstadt bereist und einen Architekturführer herausgegeben. Das Buch vermittelt einen Einblick in die schwer zugängliche Stadt.
Den Auftakt der Kwangbok-Straße, eine der Hauptverkehrsadern der Stadt, bilden zylindrische Wohntürme und wellenförmige Wohnriegel, die an Le Corbusier erinnern.
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Philipp Meuser
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Nicht für gut befunden wurde zum Beispiel, dass der Autor von „Kim Il Sungs Rückkehr aus dem sowjetischen Exil“ geschrieben hatte. Stattdessen sollte Meuser von der „triumphalen Rückkehr des großen Führers, Genosse Kim Il Sung“ schreiben.
Weil unter solchen Bedingungen eine kritische Betrachtung der koreanischen Baukunst nicht möglich gewesen wäre, verlegte sich Meuser auf eine andere Strategie. Er veröffentlichte kurzerhand zwei Bände.
Der erste Band zeigt rund 100 Bauten der nordkoreanischen Hauptstadt, so wie das sozialistische Regime die Stadt präsentiert sehen möchte. Der zweite Band kommentiert diesen Propaganda-Teil und stellt ihn in einen baugeschichtlichen und architekturtheoretischen Zusammenhang. Dass es einen zweiten Band geben sollte, war den Koreanern nicht bekannt.
Bilder aus dem Architekturführer Pjöngjang von Philipp Meuser zeigen wir in der Fotostrecke.
Architekturführer Pjöngjang von Philipp Meuser (Hrsg.), Zwei Bände, Fachverlag Dom publishers, 38 Euro.