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Reisen ohne Hotelkosten: Haustausch ist der neue Urlaubstrend

Haustausch ist eine spannende Alternative zum Pauschalurlaub. Doch wer Risiko und Abenteuer scheut, sollte sich gut überlegen, ob er mitmacht. Das Sicherungsnetz des Reiserechts gibt es beim Haustauschurlaub nicht.

Bezahlbarer Urlaub in der Metropole: Beim Haustausch bieten sich Teilnehmer gegenseitig ihre Wohnungen an.
Bezahlbarer Urlaub in der Metropole: Beim Haustausch bieten sich Teilnehmer gegenseitig ihre Wohnungen an.
Foto: dpa

Zwei Wochen Urlaub an der Côte d'Azur mit Kindern in der großzügigen Ferienwohnung und mit Blick aufs Meer – das können sich nicht alle Familien leisten. Zumindest nicht, wenn sie die Unterkunft über einen Veranstalter buchen. Doch es geht auch günstiger: „Haustauschurlaub“ heißt ein Trend, bei dem sich Urlauber gratis in die Privatgemächer von Haus- oder Wohnungstauschpartnern einquartieren: Während etwa die Familie aus Deutschland im Mittelmeer-Appartement die Sonne genießt, machen dessen Besitzer Ferien in der Wohnung der Familie in Deutschland.  

Bislang war Haustauschurlaub vor allem in den USA ein Thema. Inzwischen könnten sich auch immer mehr europäische Reisende dafür begeistern, erklärt das Vermittlungsportal Haustauschferien.com. Nach seinen Angaben zählen mittlerweile 400 Deutsche, 480 Schweizer und 115 Österreicher zu den Mitgliedern. Weltweit haben sich 37 000 Haustauscher aus 115 Ländern angemeldet – Tendenz steigend.  

So funktioniert die Haustausch-Website

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Internetplattformen organisieren den Tausch

Portale wie dieses dienen als Plattform, über die Tauschinteressierte einen Partner an ihrem Wunschreiseziel finden. Sie zahlen eine Gebühr dafür, dass sie auf der Seite einen Steckbrief ihrer Wohnung oder ihres Hauses samt Fotos und einer Kurzbeschreibung ihrer Person sowie ihre Wunschreiseziele platzieren. Per Mail oder Telefon nehmen potenzielle Tauschpartner dann Kontakt miteinander auf und regeln alle weiteren Modalitäten untereinander. Das klappt offenbar ganz gut: Laut Jürg Thalmann, Geschäftsführer von Haustauschferien.com, bekommt das Portal bei rund 100 000 Tauschaktionen pro Jahr „praktisch keine negativen Rückmeldungen“. 

„Gegenseitiger Respekt" sei das A und O für einen reibungslosen Tauschurlaub, heißt es. Wer mitmachen will, sollte offen für neue Erfahrungen sein. „Und ein großer Vertrauensvorschuss ist nötig“, sagt Prof. Torsten Kirstges, Direktor des Instituts für innovative Tourismus- und Freizeitwirtschaft an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven. Schließlich sei diese Form, Urlaub zu machen, etwas anderes als eine Ferienwohnung zu mieten. Teilnehmer müssen sich darauf verlassen, die Wohnung wie beschrieben vorzufinden – und dass die Tauschpartner derweil nicht die eigene Wohnung verwüsten. Sie lassen sich also schon auf ein kleines Abenteuer ein.  

Für den Tourismusforscher sind Haustauschurlauber daher Individualisten, die im Urlaub das Besondere suchen. „Es ist sicherlich ein Reiz, das Urlaubsland authentisch zu erleben“, sagt Kirstges. Denn Haustauschurlauber tauchten tief in das Wohnumfeld des Tauschpartners ein, erfahren unmittelbar, wie man im Urlaubsland lebt. Dadurch lernen sie dessen Kultur ungefilterter kennen als es ein Pauschalurlaub ermöglichen würde.  

Auch Jürg Thalmann erklärt, dass Haustauschurlauber vor allem das Urlaubsland „wie ein Einheimischer“ erleben wollten. Unter den registrierten Mitgliedern bei Haustauschferien.com seien auffallend viele Lehrer, Journalisten, Künstler und andere Freischaffende. Haustauscher zeichneten sich durch „einen offenen Geist“ aus. „Und es gibt sicherlich auch die Leute, die Spaß daran haben, zu zeigen, was sie selbst zu Hause alles haben“, vermutet Kirstges.  

Das Hauptmotiv: Günstig Urlaub machen

Dennoch stehen bei dieser Urlaubsform meist profane Gründe im Vordergrund, so Kirstges: „Das Hauptmotiv ist natürlich, günstig Urlaub zu machen.“ Denn außer für An- und Abreise sowie Verpflegung fallen keine Kosten an. Gerade für teure Gegenden wie die Metropolen Europas sei Haustauschurlaub eine attraktive Alternative.  

Bleibt jedoch die Schwierigkeit, einen solchen Urlaub auf eigene Faust zu organisieren. Und die Chemie zwischen den Haus- oder Wohnungsbesitzern muss auch stimmen. Angesichts der noch überschaubaren Teilnehmerzahl ein nicht gerade einfaches Unterfangen.  

„Das Hauptproblem sehe ich aber in der Kontrolle“, meint Kirstges. Denn Tauschurlauber gingen ein Risiko ohne jegliche Sicherheiten ein. „Es ist ein ideales Geschäftsmodell für Banden, die über Strohmänner Häuser anmieten und dann in Ihrer Abwesenheit die Bude leer räumen.“ Auf die Grundsätze des Reiserechts könnten sich Haustauscher bei Ärger jedenfalls nicht berufen, sagt Ronald Schmid, Professor für Reiserecht an der Universität Dresden.  

Denn es existiere kein Veranstalter, der reiserechtlich belangt werden kann, wenn der Urlaub nicht zur Zufriedenheit ausfällt. Das Portal übernimmt laut Schmid nur die Vermittlung zweier Tauschinteressenten und tritt nicht als Veranstalter in Erscheinung. Es handele sich bei dieser Urlaubsform um eine rein privatrechtliche Angelegenheit zwischen zwei Parteien, die untereinander alles Mögliche vereinbaren können – und selbst zusehen müssen, wie sie das Vereinbarte im Konfliktfall einfordern.

Maßgeblich wäre laut Schmid das Mietrecht, da es sich um eine gegenseitige kostenlose Überlassung von Wohnungen handelt. Richtig kompliziert wird die Sache, wenn die Tauschpartner aus unterschiedlichen Ländern stammen, und nicht klar ist, welches Recht zur Anwendung kommt.

Nicht zuletzt deshalb sei Haustauschurlaub in Deutschland verglichen mit dem professionellen Ferienhausmarkt „ein kleines Minisegment“, sagt Torsten Kirstges. Er rechnet auch nicht damit, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. Die Mentalität, Fremden sein Wohnhaus zur Verfügung zu stellen, sei in Deutschland schon „etwas reservierter“ als etwa in den USA. Der Tourismusforscher glaubt, dass Haustauschurlaub eine Nische für Internetbörsen bleibt – ähnlich wie es bei den Mitfahrbörsen der Fall ist.

Überzeugte Haustauschurlauber ficht all das nicht an. Das mulmige Gefühl, Fremde in die eigene Wohnung zu lassen, sei unbegründet, meint Jürg Thalmann. „Bis es zum Tausch kommt, sind sich die Parteien nämlich nicht mehr fremd: Man hat sich E Mails geschrieben, zusammen telefoniert und schnell gemerkt, ob die Wellenlänge stimmt.“ Und wer ein ungutes Gefühl hat, solle sich einfach einen anderen Tauschpartner suchen.

Datum:  3 | 9 | 2010
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