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02. Januar 2013

Serbien: Urlaub mit einem Vampir

Vampir Sava Savanovic weist den Weg nach Zarozje. Foto: AFP

Knoblauch und Kruzifixe: Ein serbisches Dorf lockt mit der Horrorgeschichte von Vampir Sava Savanovic Touristen an.

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Achtung Vampir!“, warnt ein Schild alle Autofahrer, die sich dem abgelegenen serbischen Weiler Zarozje nähern. Selbst wer die kyrillische Aufschrift nicht lesen kann, versteht die Warnung. Ein handgemaltes Bild zeigt Sava Savanovic, den „ersten serbischen Vampir“. Eine furchteinflößende Gestalt in traditioneller Kluft schielt die Passanten an, die spitzen Reißzähne und die Blutstropfen auf dem stoppeligen Kinn signalisieren: Mit diesem Kerl ist nicht zu spaßen.

Die Legende von Sava Savanovic geht auf das Mittelalter zurück. Demnach lebte der über zwei Meter große Mann einsam in seiner Mühle im engen und dunklen Tal am Flüsschen Rogacica in den Bergen des östlichen Serbiens. Als er eines Tages starb - wann, weiß keiner mehr zu sagen - verwandelte sich der Müller in einen Vampir. Niemand, der seither die Nacht in der Mühle verbrachte, ward jemals wieder lebend gesehen.

Obdachlos, wutentbrannt und höchst gefährlich

Zarozje mit seinen tausend Bewohnern ist arm, kein Mensch hat hier einen Internetanschluss. Der Tourismus könnte das Dorf retten, dachte sich Miodrag Jovetic, früherer Gemeinderat und Besitzer der Tankstelle und Kneipe von Zarozje. Als einzige Touristenattraktion machte er den alten Sava aus. Als schließlich das Dach der Mühle einstürzte, nutze der 67-Jährige die Gelegenheit. Jovetic gab eine Warnung aus: Sava Savanovic sei nun obdachlos, darüber wutentbrannt und höchst gefährlich.

Erst sprang die Lokalpresse auf die Geschichte an, dann folgten internationale Medien, das Internet ist voll von Berichten über die drohende Vampirgefahr. Die Dorfbewohner seien angewiesen worden, sich Knoblauchvorräte zuzulegen und hölzerne Kreuze zu tragen - bekannt als wirksame Mittel gegen nächtliche Blutsauger.

„Ich habe nur einen alten Brauch erwähnt“, sagt Jovetic. „Die Leute hier sind religiös, jeder hat ein hölzernes Kreuz und alle pflanzen Knoblauch an.“ Die Berichte über die Angst, die angeblich in Zarozje umgeht, amüsieren die Dorfbewohner. Besonders lachen musste Nikola Jovanovic, als er las, die Menschen kauften so viel Knoblauch, dass dieser knapp werde. „Das ist doch lächerlich! Wir produzieren unseren Knoblauch selbst. Um ihn aufzubewahren, fädeln wir die Knollen auf und hängen sie unters Dach“, sagt der 37-Jährige.

Anders als in Hollywood

„Wir wissen, dass diese Geschichte dem Tourismus dienen soll. Umso besser, wenn das funktioniert. Aber Angst haben wir ganz sicher nicht“, sagt seine Frau Jelena - obwohl die Familie mit ihren beiden Kindern nur wenige hundert Meter von der Mühle entfernt lebt.

Auch Dorfbewohner Slobodan Jagodic freut sich über die Vampirgeschichten. „Wir sollten die Legende am Leben erhalten und sie, wenn notwendig, mit einer kleinen Lüge aufpeppen“, sagt er und zieht ein paar Knoblauchzehen aus der Tasche. Jagodic verweist auf einen Wallfahrtsort im benachbarten Bosnien: „Fragt heute noch jemand danach, ob die Jungfrau wirklich in Medjugorje erschienen ist?“ Zehntausende pilgern jedes Jahr dorthin, obwohl der Vatikan das angebliche Wunder nie bestätigte.

Fast jedes Land auf dem Balkan hat seine eigenen Vampire, sagt der US-Historiker James Lyon, der sich auf die Region spezialisiert hat. Die Legendengestalten auf dem Balkan hätten allerdings wenig gemein mit den Vampiren in Hollywoodfilmen. „Die Vampire in der slawischen Kultur sind keine potenziellen Freunde wie in dem Film 'Twilight'“, sagt der Historiker. „Wenn so ein Vampir Sie beißt, dann verwandeln Sie sich nicht in einen Vampir, sondern dann sind Sie tot.“ (afp)

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