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26. November 2013

Taxen-Betrug in Prag: Kampf der Taxi-Mafia in Prag

 Von 
Taxen am Wenzelsplatz in Prag. Die Branche genießt unter Touristen und Einheimischen nicht den besten Ruf.  Foto: Imago/Archiv

Seit Jahren warnen Reiseführer vor unehrlichen Taxifahrern in Prag. Der tschechische Fernbus-Pionier Radim Jančura will das nun ändern. Dabei kann er wohl auch aus seinen eher bitteren Erfahrungen im Bahngeschäft schöpfen.

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Prag –  

Den Prager Taxifahrern eilt seit Jahren ein mehr als zweifelhafter Ruf voraus: Eine kurze Stadtfahrt, die die Kleinigkeit von 1000 Kronen (umgerechnet etwa 37 €) und damit etwa das achtfache des erlaubten Höchstpreises kostet, verbeulte, schmutzige Autos, ungepflegte Fahrer. In beinahe jedem Reiseführer wird inzwischen vor nicht lizenzierten Taxen gewarnt, die auf illegalen Standplätzen vor den wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf ahnungslose Touristen warten.

Selbst der frühere Prager Oberbürgermeister Pavel Bém wurde seinerzeit Opfer der Prager Taxi-Mafia, als er als Tourist verkleidet durch Prag fuhr: Mal kurvte der Lenker einen langen Umweg, mal fiel die Rechnung unverschämt hoch aus. Als die Stadtverwaltung daraufhin die Regeln für die Taxen in der tschechischen Hauptstadt verschärfte, drohten viele Taxifahrer mit Streik und blockierten mit Bummelfahrten den Verkehr.

Die meisten von den Behörden ersonnenen Maßnahmen gegen die berüchtigten Prager Taxi-Gangs blieben wirkungslos. Lediglich vom Flughafen konnte man die Gauner-Taxen dank der Zufahrtsschranken einigermaßen erfolgreich vertreiben.

Radim Jančura, tschechischer Fernbus-Pionier und seit Kurzem auch im Prager Taxi-Geschäft aktiv.  Foto: Student Agency

Eine Schande für die Hauptstadt Prag sei das Verhalten einiger Taxifahrer, meint auch Radim Jančura. Der Unternehmer aus Brünn hat sich in Tschechien als Fernbus-Pionier einen Namen gemacht. Seit zehn Jahren verbinden die gelben Autobusse von Jančuras "Student Agency" alle wichtigen Städte in Tschechien und Europa miteinander. Mit der Deutschen Bahn kooperiert der umtriebige Unternehmer auf deren IC-Buslinien von Prag nach München und Nürnberg.

Nun will Jančura die Prager Taxibranche aus der Schmuddelecke holen. 150 Audi A6 setzt seine Firma "Tick Tack" ab sofort in der tschechischen Hauptstadt ein. Der Fahrpreis liegt mit einer Grundgebühr von 40 Kronen (ca. 1,50 €) und einem Kilometerpreis von 28 Kronen (ca. 1 €) eher im oberen Bereich der amtlich begrenzten Preisspanne. Wer seine Fahrt vorab im Internet reserviert oder eine Kundenkarte hat, bekommt Rabatt.

"Wir wollen keinen Preiskampf", sagte Jančura dem tschechischen Internetportal Aktualně.cz. Vielmehr wolle er seine Kunden mit Qualität überzeugen, so der Unternehmer.

Dank einer Kooperation mit dem Volkswagen-Konzern sollen die Oberklasse-Taxen jedes Jahr erneuert werden, in den Fahrzeugen erwartet die Kunden gratis Mineralwasser und WLAN. Auf einem Tablet-PC können die Fahrgäste Online-Nachrichten lesen, Musik hören und Videoclips anschauen. Außerdem werden Route und aktuelle Position des Fahrzeugs auf einer Karte angezeigt. Dies diene auch der Prävention vor etwaigen Betrugsversuchen durch die Fahrer, erläutert Jančura.

Angestellte Fahrer gegen Abzocke

Im Gegensatz zu den anderen Taxiunternehmen, die vorwiegend selbstständige Fahrer beschäftigen, stellt "Tick Tack" seine Lenker an und zahlt ihnen ein fixes Gehalt. Dafür müssen sie den gesamten Umsatz abliefern. Diese Maßnahme soll Abzocke am Fahrgast verhindern. Damit die Fahrer nicht gemeinsam mit den Kunden das eigene Unternehmen betrügen, hat Radim Jančura in seine Taxis aufwändige Sicherheitstechnik einbauen lassen. So messen etwa Sensoren in den Sitzen, ob das Fahrzeug gerade leer oder mit Fahrgästen durch die Straßen von Prag fährt.

Tabu ist für die Taxis im Moment übrigens die "Student-Agency"-Unternehmensfarbe gelb: Sie ist nämlich die von der Stadt Prag gewünschte offizielle Taxifarbe, Jančura möchte sich mit seinen Autos aber bewusst von der Konkurrenz abheben: "Sonst denken die Leute am Ende noch, ich bin der selbe Gauner wie die übrigen Taxifahrer", so der Unternehmer gegenüber Aktualně.cz.

Bewährt sich das System, will "Tick Tack" seine Flotte in den kommenden Jahren auf bis zu 500 Fahrzeuge aufstocken. Und sollte sich bis dahin der Ruf des Prager Taxigewerbes gebessert haben, sollen auch Radim Jančuras Taxis in Zukunft in sattem Gelb erstrahlen.

Erst muss der Unternehmer aber noch beweisen, dass er das Taxigeschäft tatsächlich besser kann als die Konkurrenz. Sein Einstieg in den Bahn-Fernverkehr dürfte ihm dabei womöglich die eine oder andere wertvolle Erkenntnis geliefert haben. Seit zweieinhalb Jahren lässt der 41-Jährige Jančura, der seine Firma im Jahr 1996 als Studentenreisebüro gegründet hat, seine knallgelben "Regiojet"-Züge von Prag über Olmütz (Olomouc) nach Ostrau (Ostrava) und weiter Richtung Slowakei fahren, im östlichen Nachbarland betreibt "Regiojet" außerdem subventionierten Bahn-Nahverkehr.

Bahn-Abenteuer bringt rote Zahlen

Doch während die Muttergesellschaft "Student Agency" mit ihren komfortablen Bussen unangefochtener Marktführer auf allen wichtigen Fernlinien ist und gemeinsam mit dem Reisebürogeschäft satte Gewinne einfährt, steckt die Tochter "Regiojet" nach wie vor tief in den roten Zahlen. Firmenchef Jančura wird nicht müde zu betonen, dass dies vor allem an der unfairen Konkurrenz durch die Staatsbahnen liege, die dank üppiger Subventionen Dumpingpreise anbieten könnten.

Doch statt in den seit Langem versprochenen modernen Wagen transportiert "Regiojet" seine Fahrgäste nach wie vor in gebraucht von den Österreichischen Bundesbahnen übernommenen Waggons durchs Land. Als im vergangenen Rekord-Sommer reihenweise die Klimaanlagen in den alten Wagen schlapp machten, blieb Jančura nichts Anderes übrig, als seine Kunden auf die moderneren Züge der Konkurrenz zu verweisen.

In Ermangelung geeigneter Waggons bereits mehrfach verschoben hat "Regiojet" auch den ambitionierten Plan, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn den Eurocity-Verkehr auf der Achse Hamburg-Berlin-Dresden-Prag zu übernehmen. Frühestens 2015 soll es nun soweit sein, bis dahin fahren weiter die tschechischen Staatsbahnen die Züge in Kooperation mit dem DB-Fernverkehr.

Rollstuhlfahrer als Kostenfaktor

Eine Menge negativer Schlagzeilen hat dem erfolgsverwöhnten Selfmade-Unternehmer Jančura vor Kurzem auch seine Weigerung in den "Regiojet"-Fernzügen Rollstuhlfahrer zu befördern beschert. Die eingesetzten Waggons seien dafür schlicht nicht geeignet, die Anschaffung oder Anmietung von speziellen Plattformen, um in ihrer Mobilität eingeschränkte Fahrgäste in die Züge zu heben, zu teuer. Außerdem würden Rollstuhlfahrer beim Ein- und Aussteigen erhebliche Verspätungen verursachen, argumentierte der "Regiojet"-Eigentümer.

Erst nach heftigen Protesten von mehreren Selbsthilfegruppen und nachdem Aufsichtsbehörde und Verkehrsministerium die Einhaltung der Vorschriften zur Barrierefreiheit angemahnt hatten, lenkte Jančura schließlich ein. Bei Bedarf hilft nun das Zugpersonal Fahrgästen mit besonderen Bedürfnissen beim Einsteigen.

Im Gegensatz zum Bahnverkehr ist das wirtschaftliche Risiko beim Einstieg in die Prager Taxibranche für Jančura überschaubar: Die Taxen sind geleast, durch die geplante sukzessive Aufstockung des Fahrzeugparks kann "Tick Tack" in Ruhe die Resonanz auf das neue Angebot testen.

Ärger könnte aber von anderer Seite drohen: Die berüchtigten Prager Taxi-Gauner zocken nicht nur Touristen ab. Sie lassen sich auch nur höchst ungern ins einträgliche Geschäft pfuschen. Diese Erfahrung müssen immer wieder Beamte der bei der Prager Stadtpolizei eingerichteten Sondereinheit "Taxi" machen: Selbst bei harmlosen Kontrollen werden sie mitunter mit wüsten Schimpftiraden und hässlichen Drohungen bedacht.

Rabiate Taxi-Konkurrenz

Immer wieder kommt es auch zu handgreiflichen Konflikten zwischen der städtischen Polizei und unehrlichen Taxifahrern. Für besonderes Aufsehen sorgte etwa im Sommer 2009 eine Razzia gegen einen illegalen Taxistand auf dem Altstädter Ring: Als die Stadtpolizei die unlizenzierten Taxis, die einen Behindertenparkplatz verstellten, abschleppen will, leisten einige Taxifahrer heftigen Widerstand.

Unter den verwunderten Blicken zahlreicher Touristen entwickelt sich schließlich eine wilde Schlägerei zwischen den Taxifahrern und den Stadtpolizisten. Nach einer Weile liegen einige der Beteiligten blutüberströmt auf dem Boden, die Polizisten behalten die Situation nur mühsam unter Kontrolle und müssen Schmährufe und Beschimpfungen aus der aufgebrachten Menge über sich ergehen lassen.

Und auch der eine oder andere ehrliche Taxifahrer, der sich allzu laut über die Praktiken seiner Schmuddel-Kollegen beklagt hat, soll schon Besuch von durchtrainierten Glatzköpfen bekommen oder sein Auto in beklagenswertem Zustand vorgefunden haben. Um sein Ziel zu erreichen, den Ruf des Prager Taxigewerbes nachhaltig zu verbessern, wird sich Radim Jančura also wohl warm anziehen müssen.

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