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"Integration in der Gemeinde": Nordpol bringt Wärme

Großer Jubel in Gießen: Der 1. Preis beim Wettbewerb der Stiftung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau trifft diesmal die Richtigen. Von Jutta Rippegather

Dieser Wohnwagen fällt garantiert auf. Er ist nicht nur knallbunt, er hält auch an Plätzen, an die sich der gemeine Camper kaum verirren wird: in Gießens sozial benachteiligten Wohnvierteln. Das bunte Gefährt ist Herzstück von Jugend@Nordpol, einem Projekt in Trägerschaft der evangelischen Paulusgemeinde und des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM).

Die Initiative leidet unter akutem Geldmangel. Die Aktion Mensch hat sich nach den obligatorischen drei Jahren als Sponsor zurückgezogen. Der 1. Preis beim Wettbewerb der Stiftung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN-Stiftung) trifft also die Richtigen. Großer Jubel in Gießen: Mit den 5000 Euro, sagt Projektleiter Simon Schmidt (29), kann Jugend@Nordpol für ein Jahr eine Honorarkraft einstellen und wieder den dritten Standort anfahren. Den also, den er aus Finanznot streichen musste.

Gelebte Integration

Der zweite Preis (3000 Euro) geht an die Evangelische Französisch-reformierte Gemeinde in Frankfurt. Sie bietet Glaubensflüchtlingen eine neue Heimat. Ihr Film zeigt Beispiele der gelebten Integration französischsprachiger Christen aus Afrika. Es gibt einen afrikanischen Chor, gemeinsame Gottesdienste und eine deutsch-afrikanische Jugendgruppe. Im Mittelpunkt steht die Integration von Ausländern, Kindern, Behinderten und Nachbarn.

Den dritten Preis (2000 Euro) gewinnt die evangelische Kirchengemeinde im südhessischen Lorsch für ihr Projekt Jung und Alt. Über zwei Monate trafen sich eine evangelische Jugendgruppe und eine Seniorengruppe aus einem Altersheim, um voneinander zu lernen und sich auszutauschen. Die Jugendlichen zeigten, wie das Kartenspiel Uno oder ein Computer funktioniert. Die Alten brachten ihnen Stricken oder die Zubereitung von Schupfnudeln bei.

Den Sonderpreis (1000 Euro) bekommen die Schauspielerin und Filmemacherin Anouschka Sarafzade und die Bildhauerin Maike Häusling aus Darmstadt für ihren Filmbeitrag mit dem Titel "Aufeinander zu". Dieser beeindruckende Kurzfilm hat sich dem Thema Integration auf künstlerische Art und Weise angenähert, befand die Jury.

Alle Beiträge sind demnächst auf der Internetseite der Stiftung zu sehen. Die Adresse: www.ekhn-stiftung.de jur

"Integration in der Gemeinde" lautete das Motto des ersten Gemeinde-Wettbewerbs, mit dem die Stiftung vor allem junge Menschen ansprechen wollte. Das Thema war breit angelegt. Doch als kleine Hürde erwies sich das Medium, mit dem sich die Gemeinde oder Dekanate zu bewerben hatten: einem kurzen Videoclip. Dies sei bewusst gewählt worden, sagt Stiftungs-Geschäftsführerin Friedrike von Bünau. "Das ist das Medium der Zeit und findet im Internet eine größere Verbreitung." Demnächst kann jeder online sehen, was in den Gemeinden los ist.

Entscheidend für die Jury war weniger die Perfektion der Präsentation - deshalb vergab sie für den Profi-Film auch einen Sonderpreis. Ausschlaggebend waren vielmehr Einfallsreichtum, das Beispielgebende, die Intensität des Engagements. Auch die Übertragbarkeit auf andere Gemeinde gab Pluspunkte.

Die Idee von Jugend@Nordpol lässt sich gut kopieren. Mit einem Wohnwagen auf einen der großen Spielplätze fahren, wo sich die Sechs- bis 18-Jährigen aufhalten. Weniger einfach ist es, sie zu gemeinsamen Aktionen zu bewegen, hat Simon Schmidt in den drei Jahren erfahren. Anfangs habe es jede Menge Vorbehalte gegeben. "Mit dir spiele ich nicht, weil du stinkst, weil du Deutscher bist, weil du Türke bist oder Russe." Es habe gedauert, bis sich die "Kids" derlei Sprüche abgewöhnten. Nach einem halben Jahr hätten sich neue Freundschaften entwickelt. "Das ist faszinierend, wie in einem amerikanischen Film, bei dem am Ende alles gut wird." Mit dem Preis und einem Zuschuss der Stadt Gießen sei das Projekt erstmal gerettet. Den Preis bekommen Schmidt und die anderen Gewinner am Donnerstag in Frankfurt von Jurymitglied und Kirchenpräsident Volker Jung überreicht. In zwei bis drei Jahren gibt es den nächsten Wettbewerb.

Autor:  Jutta Rippegather
Datum:  26 | 5 | 2010
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