Der Flughafen Kassel-Calden wird noch teurer. Das Land Hessen habe den Kostenansatz für den Neubau um 23,7 Millionen Euro erhöht, teilte Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) gestern nach einer Besichtigung der Großbaustelle mit. Er begründete dies mit gestiegenen Preisen in der Baubranche. Noch zusätzlich solle ein finanzieller „Puffer“ von 22,3 Millionen Euro eingeplant werden.
Damit liegen die kalkulierten Kosten nun bei knapp 249 Millionen Euro ohne Puffer – mit diesem sogar bei 271 Millionen. Bei der letzten Verkündung einer Kostensteigerung hatte Schäfers Vorgänger Karlheinz Weimar (CDU) noch „mindestens 225 Millionen Euro“ für das umstrittene Verkehrsprojekt angesetzt. Das war im März 2010. Davor hatte die Flughafen GmbH Kassel jahrelang erklärt, der Bau solle 151 Millionen Euro kosten.
Gesellschafter der Flughafen GmbH sind das Land Hessen mit 68 Prozent, die Stadt und der Landkreis Kassel mit je 13 Prozent und die Gemeinde Calden mit sechs Prozent. Die neuerliche Kostensteigerung aber wird alleine das Land tragen.
Bereits 2010 hatten die kleinen Anteilseigner nur für einen geringen Teil der Mehrkosten neues Geld freigegeben: Stadt und Kreis erhöhten ihre Investitionszusage um je 2,5 Millionen Euro auf dann je 15,5 Millionen. Die Gemeinde Calden wollte maximal sieben Millionen Euro einsetzen. Mehr sollte ihnen dann nicht mehr abverlangt werden. Kassels Bürgermeister Betram Hilgen (SPD), die Vizepräsidentin des Landkreises Susanne Selbert (SPD) und der Caldener Bürgermeister Andreas Dinges (parteilos) zeigten sich gestern dankbar, dass die Deckelungs-Vereinbarung nun tatsächlich halte. Selbert betonte: „Wir stehen alle zu diesem Projekt – ganz einmütig.“ Hilgen betonte, wie wichtig der Flughafen für international tätige Unternehmen in der Region sei.
Der Verkehrsclub Deutschland forderte angesichts der neuen Kostensteigerung transparentere Planungsverfahren. Offensichtlich sei es möglich, Öffentlichkeit und Parlamente mit einseitig interessegeleiteten Prognosen zu täuschen, bis unumkehrbare Fakten geschaffen sind.
Die Landtagsfraktion der Grünen forderte, das „Millionengrab Kassel-Calden“ endlich zu stoppen. Die verkehrspolitische Sprecherin Karin Müller kritisierte: „Überall will der Finanzminister in Hessen sparen: bei der Bildung, bei den Polizeibeamten, nur bei einem Flughafen, in den niemand investieren und von dem aus niemand fliegen will, da wird das Geld wie Kamellen zum Fenster hinausgeworfen.“

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