Wiesbaden bemüht sich schon lange um die Integration von Zuwanderern. Der Hochtaunuskreis entdeckt erst langsam, dass auch wohlhabende Gemeinden sich um Probleme in diesem Bereich kümmern müssen.
Beide erhalten jetzt Unterstützung vom Land bei ihren ganz unterschiedlichen Integrationsbemühungen. Sie zählen zu den sechs "Modellregionen Integration", die die Landesregierung ausgewählt hat. Beworben hatten sich zwei Drittel aller hessischen Landkreise und Städte.
Die Landesregierung hat aus 17 Bewerbungen sechs Modellregionen Integration ausgewählt.
Als Städte sind Offenbach, Wiesbaden, Wetzlar und Kassel dabei.
Der Hochtaunuskreis und der Main-Kinzig-Kreis bekamen außerdem den Zuschlag. Main-Kinzig, der Landkreis mit den meisten Einwohnern in Hessen, wird mit der Stadt Hanau zu einer gemeinsamen Modellregion. ( pit)
Dafür stelle das Land jährlich 1,2 Millionen Euro zur Verfügung, die von den Kommunen mit eigenem Geld aufgestockt werden sollen, kündigte Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) am Freitag in Wiesbaden an. So wolle die Landesregierung "Motor sein für die Entwicklung von wegweisenden und erfolgreichen Integrationskonzepten in Hessen". Die Vorhaben laufen bis 2013. Ein einheitliches Konzept für ganz Hessen werde es nicht geben.
Bewusst wählte das Ministerium Kommunen aus, die in der Integrationsarbeit verschieden weit sind. Was mit dem Geld gemacht werden soll, entscheiden die Kommunen und das Land vor Ort zusammen mit den "Akteuren", also mit Vereinen, Verbänden und Initiativen, aber auch mit der Arbeitsagentur. Sie werde etwa im Hochtaunuskreis einbezogen, wo mehr als 70 Prozent der Empfänger von Hartz IV einen Migrationshintergrund hätten.
Mit Frankfurt, das sich nicht beworben hatte, vereinbarte Hahn eine "strategische Partnerschaft". Vieles von dem, was sich im jüngsten Entwurf der Frankfurter Dezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) für ein Integrationskonzept finde, könne auch in Modellregionen berücksichtigt werden.
Ohnehin spielt der Austausch von Erfahrungen eine wesentliche Rolle in dem Konzept. In Offenbach gehe es um Arbeit in einer Stadt mit besonders hohem Migrantenanteil (45 Prozent), in Wetzlar um Stadtteilarbeit. In Kassel könne die interkulturelle Ausrichtung der Verwaltung als Vorbild dienen, in Wiesbaden das erprobte "Monitoring". Damit ist die Begleitung von Projekten gemeint, um zu überprüfen, ob sie wirklich helfen.
Der Main-Kinzig-Kreis und Hanau hatten sich getrennt beworben, erhielten aber gemeinsam den Zuschlag. Hier wolle man beobachten, wie unterschiedlich Konzepte innerhalb einer Modellregion sein müssten, sagte Hahn.
Auf Nachfrage ging der Minister auf Äußerungen von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin ein, der sich abfällig über Türken und Araber in Berlin geäußert hatte. "Ich empfinde Hessen nicht so, wie er Berlin dargestellt hat", sagte Hahn. Zwar müsse man Problemregionen im Auge haben, aber: "Sarrazin macht das destruktiv. Ich möchte das konstruktiv machen."

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