Es ist die Welt der Atome, Moleküle und Cluster, in die die Nanowissenschaft vordringt. Nano stammt aus dem Griechischen und bedeutet Zwerg. Nano ist hier das Maß aller Dinge - der milliardste Teil eines Meters. In der Nanotechnologie will die Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität Riesenschritte machen - dank 100 Millionen Euro der Boehringer-Ingelheim-Stiftung.
Das Land Rheinland-Pfalz spricht von einer der größten Privatspenden, mit der eine wissenschaftliche Einrichtung in einer deutschen Hochschule gefördert wird. Das Geld soll zehn Jahre lang in den Betrieb des geplanten Instituts für Nanotechnologie fließen, das auf dem Campus der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz hochgezogen wird.
Boehringer Ingelheim unterstützt mit der gleichnamigen Stiftung bundesweit medizinische, biologische, chemische und pharmazeutische Wissenschaft. Ein Schwerpunkt ist die Universität Mainz mit 34.600 Studenten.
Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim, der 2010 - noch in Familienhand - 125 Jahre alt wird, beschäftigt nach eigenen Angaben im In- und Ausland fast 40.000 Mitarbeiter. Neben der Zentrale Ingelheim am Rhein sind in Deutschland Biberach und Dortmund weitere Standorte. Die weltweiten Erlöse betrugen 2007 nach Firmenangaben 10,95 Milliarden Euro.
Ungezählte Stiftungen engagieren sich in Hochschulen: bei Stipendien für Studenten, Professuren sowie mit Geld für Institute. So gibt es an der Goethe-Uni Frankfurt, seit Anfang 2008 selbst als Stiftung geführt, 45 Stiftungslehrstühle. Mit dem Kapital des verstorbenen Ehepaars Kassel von etwa 32 Millionen wurde eine Stiftung für die Uni gegründet.
Katrin Kowark, Sprecherin vom Bundesverband Deutscher Stiftungen, berichtet davon, dass Spenden - wie 100 Millionen Euro - sehr selten seien. Das Vermögen der meisten Stiftungen sei konventionell angelegt. Für 2009 und 2010 rechnet der Bundesverband bei geringem Zinsniveau mit einer Delle bei den jährlichen Ausschüttungen.
Bereits Anfang 2011 soll der erste Bauabschnitt des Komplexes - internationales Exzellenzzentrum für Lebenswissenschaften genannt - eröffnet werden, wie Universitätspräsident Georg Krausch ankündigt. Die Baukosten von 30 Millionen Euro trägt das Land Rheinland-Pfalz. Falls die Stiftung nach den ersten zehn Jahren das Institut nicht mehr unterstützen kann, wollen Uni und Land rechtzeitig ein Finanzkonzept entwickeln.
Nanotechnologie oder Nanowissenschaft beschreibt ein Gebiet, in dem sich Disziplinen wie Physik, Chemie, Biologie und Medizin treffen und vereinen. Die Nanotechnologie gewinnt nach Angaben der Uni in der Biomedizin und Biopharmazie an Bedeutung, besonders bei der Wirkstoff-Forschung. Aber Kritik an der Technolgie gab es in der Vergangenheit auch. So schlossen US-Forscher nicht aus, dass mit Nanotechnologie behandelte Partikel die DNA in Zellen schädigen könnten.
Das Verfahren kann jedoch nach Einschätzung von Wissenschaftlern die Krebstherapie revolutionieren, falls es gelinge, Medikamente gezielt an Tumorzellen anzudocken. Nach Informationen der Universität und Boehringer Ingelheim beträgt der weltweite Marktanteil bei der Nanotechnologie von 2010 an jährlich in der Pharmazie 180 Milliarden Euro.
Das neue Institut werde - von der Dimension und Ausstattung her - internationale Standards der Spitzenforschung erfüllen, versichern Otto Boehringer, Vorstandsvorsitzender der Boehringer-Ingelheim-Stiftung, und die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD). Davon will natürlich auch der Pharmakonzern profitieren. Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sieht in Mainz einen zukunftsfähigen Forschungsstandort mit internationaler Anerkennung.
Nach den Plänen der Hochschule und der Boehringer-Ingelheim-Stiftung sollen in dem Komplex mit einer Nutzfläche von 6000 Quadratmetern etwa 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Uni und Stiftung wollen zunächst zwei oder drei international renommierte Wissenschaftler gewinnen, die das Zentrum aufbauen und Nachwuchsforscher nach Mainz locken sollen.
Boehringer geht davon aus, dass bis zu drei wissenschaftliche Abteilungen mit jeweils einem Direktor und bis zu sechs eigenständige wissenschaftliche Nachwuchsgruppen forschen werden. "Die Spitzenforscher sollen als Professoren oder Juniorprofessoren der Universität Mainz berufen und für ihre Institutsarbeit beurlaubt werden können."

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