Die gelbe Straßenbahn ,,0" mag irgendwie nicht so recht ins Bild passen. Ist auch kein Wunder. Seit 2005 ist der Oldtimer, Baujahr 1969, ausrangiert. Trotzdem hat "Banana Joe", wie das Schienenfahrzeug im Volksmund genannt wurde, seinen Weg aus dem Gutleutdepot zum Südbahnhof gefunden - aus besonderem Anlass: Die Verkehrsbetriebe Frankfurt und Offenbach feiern 125 Jahre Tram-Betrieb am Main.
Die gelbe "0" ist dabei der Ort einer ,,rollenden Pressekonferenz". Das Fahrzeug setzt sich ratternd in Bewegung. Es geht aber nicht nach Offenbach und zurück. Neu-Isenburg ist das Ziel. Innen ist es brütend heiß, Klimaanlagen gibt es bei der Tram erst seit 2003.
Ficht Werner Röhre, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Frankfurt, aber nicht an. Es gibt wichtigeres: ,,Die Animositäten zwischen Frankfurt und Offenbach sind heute zum Glück nur noch auf den Fußball begrenzt.". Und das Gemeinsame der beiden Nachbarn hat via Tram auch eine viel längere Tradition.
Ende des Stromtodes
Am 10. April 1884 fuhr die erste Straßenbahn von der Alten Brücke in Sachsenhausen zum Mathildenplatz in Offenbach. Es war die erste ihrer Art weltweit - mit elektrischer Oberleitung, eine große Neuerung: Die Berliner Tram wurde damals noch übers Gleis mit Strom versorgt. Berührten Mensch oder Tier beide Schienen zugleich, schloss sich der Stromkreis - mit tödlichen Folgen.
Für die Fahrt von Frankfurt nach Offenbach zahlten Fahrgäste 20 Pfennige. Die neue Linie wurde ein Erfolgsmodell: Eine Million Fahrgäste schon im ersten Jahr. In 25 Minuten erreichte man Offenbach, Durchschnittstempo zwölf Stundenkilometer. Dabei wurden die Fahrgäste ordentlich durchgerüttelt, was dem damaligen Triebwagen den Namen ,,Knochenmiehl" einbrachte. Bis 1906 war die Strecke in privater Hand. Dann erwarben kommunale Betriebe die jeweiligen Streckenabschnitte auf ihrem Stadtgebiet von der Frankfurt-Offenbacher-Trambahn-Gesellschaft FOTG. Heute fährt dort die Linie 16.
Damit endete die Kooperation aber nicht: ,,Wir haben eine verkehrstechnisch enge und erfolgreiche Verbandelung mit Frankfurt und das freut uns", sagt Volker Lampmann, Geschäftsführer der Offenbacher Verkehrsbetriebe heute.
Ausstellung für Offenbach
Und man will die 125 Jahre Zusammenarbeit von Frankfurt und Offenbach auch gemeinsam feiern. Pünktlich zur Frankfurter Nacht der Museen können Besucher ab dem 25. April im Verkehrsmuseum in Schwanheim die Ausstellung ,,125 Jahre Busse und Bahnen zwischen Frankfurt und Offenbach" besuchen. Sehen kann man dort unter anderem "Banana Joe" wie auch die Knochenmühle. Anfang Juni kommt die Ausstellung nach Offenbach.
Ganz ohne Zwischenfälle verlief die Inbetriebnahme der Bahnverbindung Frankfurt - Offenbach vor 125 Jahren aber nicht: Schon am ersten Abend entgleiste ein Zug. Verletzt wurde niemand. Der Zusammenarbeit hat das nicht geschadet.

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