Frankfurt/Main (dpa) - Arabisch, Chinesisch, Kroatisch: In mehr als zehn verschiedenen Landessprachen begrüßen Schüler des Goethe-Gymnasiums in Frankfurt die neuen Fünftklässler. Etwa die Hälfte der insgesamt 1000 Gymnasiasten stammt aus Zuwandererfamilien.
Sprachunterricht und der Austausch mit Schulen im Ausland werden an der Schule groß geschrieben. Gut 40 Nationen lernen unter einem Dach, viele wollen das internationale Abitur machen, das die Schule als erste in Deutschland eingeführt hat, wie Direktor Claus Wirth berichtet. Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat sich das renommierte Gymnasium zu Beginn des neuen Schuljahres ausgesucht, um bei der Einschulungsfeier am Dienstag dabei zu sein. "Hier sieht man, was Schule organisieren kann." Koch nennt es "Tradition", dass die Mitglieder seiner Landesregierung, "die letztlich für die Organisation der Schule zuständig sind", Erst- und Fünftklässler an ihrem ersten Schultag begleiten. Am Goethe-Gymnasium beeindrucke ihn vor allem das vielfältige und individuelle Sprachangebot. "Eine Fremdsprache zu können, reicht nicht mehr", gibt er den Schülern mit auf den Weg.
Ziel der Schulbesuche seines Kabinetts sei es, "ein Stück Schule zu erleben" und "zu zeigen, dass das, was geschieht uns interessiert und wir daran nicht achtlos vorbei gehen", betont der geschäftsführende Ministerpräsident. Das kommt bei den Eltern an.
"Es ist gut, dass Koch sich um das wichtige Thema Schule kümmert und das nicht nur seinem Bildungsminister überlässt", sagt etwa der Vater der zehnjährigen Jennifer, eine der 128 neuen Fünftklässler.
Sie lernt neben Englisch gleich auch Französisch. Ihre ältere Schwester fange in der neunten Klasse mit Japanisch an und sei im September bei einem achtwöchigen Schüler-Austausch nach England dabei, erzählt der Vater. Der Sprach-Schwerpunkt sei für ihn und seine Frau der Hauptgrund, die Kinder auf das Goethe-Gymnasium zu schicken. Viele Eltern schätzten auch die gute Erreichbarkeit der Schule, die in der Nähe des Hauptbahnhofs liegt.
Die zweite Fremdsprache ab Klasse fünf war auch für Belinda Dominguez, eine Deutsch-Spanierin, ausschlaggebend für die Anmeldung ihres Sohnes Vincent. "Uns gefällt das Multi-Kulti, das hier stattfinden wird." Der Zehnjährige, der einen polnischen Vater hat, wird künftig zusammen mit vier Kumpels jeden Morgen mit S- und U-Bahn aus Walldorf rund 25 Minuten nach Frankfurt fahren, erzählt seine Mutter. Sie sei zwar kein Fan von Roland Koch, sehe es aber als einen Schritt in die richtige Richtung, dass er zumindest den Anschein erwecke, sich für Schule zu interessieren. Und sofort nennt Dominguez einen ihrer Kritikpunkte an der Schulpolitik: "31 Kinder in einer Klasse, das ist viel zu viel." Neben dem Sprachschwerpunkt entschieden sich viele Eltern vor allem wegen der qualitativen Musikausbildung für seine Schule, die neben einem Kammerchor auch ein Orchester hat, berichtet Wirth. Aus 45 Grundschulen kommen die Goethe-Schüler, das Gros aus Frankfurt.
Ein offensichtliches Manko der Schule solle bis Weihnachten endlich behoben sein: Die Grundsanierung der denkmalgeschützten Schule aus den 1950er Jahren. Für die Einschulungsfeier mussten Eltern, Schüler und Lehrer in die gegenüberliegende Matthäus-Kirche ausweichen, der Unterricht findet derzeit aber vor allem in Containern statt. "Der Umbau sollte längst fertig sein und ist noch nicht mal halb fertig.
Darunter leiden Lehrer, Schüler und Eltern", schimpft ein Englischlehrer. Aber Wirth ist überzeugt: "Man kann auch unter schwierigen Bedingungen erfolgreich arbeiten, wenn die innere Einstellung stimmt."

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