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02. Januar 2011

50 Jahre Hessenschau: Wichtiges aus Hessen

 Von Thomas Witzel
Seit 25 Jahren dabei: Holger Weinert, hier mit Barbara Müller-Geskes.  Foto: HR

Das Flaggschiff des Hessischen Rundfunks feiert Geburtstag. Ganz so lange ist Holger Weinert noch nicht dabei. Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau erinnert sich der Moderator an Pannen und Erfolge.

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Es ist der 2. Januar 1961. Über die damals noch überschaubare Menge hessischer Fernsehbildschirme flimmern bewegte Bilder: Frankfurter Karnevalisten auf dem Römerberg, die erste Frankfurter Artillerie begrüßt die Fastnachtssaison mit Kanonenböllern. Ein Schwenk über die Römerfassade: Das bekommen die Zuschauer der ersten Ausgabe der Hessenschau an diesem Abend zu sehen. Daneben gibt es Beiträge über Eiskunstlauf, den 75. Geburtstag von Georg-August Zinn und über historische Glückwunschkarten. Im gleichen Jahr trippelt in Köln-Niehl ein gewisser Holger Weinert jeden Morgen zu der winzigen Volksschule dort. Wie er im Gespräch mit der FR verrät, hat er einen Lehrer, der ein Nervenbündel war und den Rohrstock benutzte. Der kleine Holger findet die Menschen befremdlich und hat noch nichts mit Fernsehen am Hut. Vielmehr findet er spannend, dass seine Eltern ihr erstes Auto, einen Ford Taunus mit der legendären Weltkugel, gerne in den Süden lenken, auch wenn dessen Kühler auf jedem Alpenpass kocht.

50 Jahre später ist aus dem kleinen Holger so etwas wie der „Anchorman“ des hessischen Fernsehens geworden. Im Wechsel mit Constanze Angermann und Andreas Hieke moderiert er die täglich ab 19.30 Uhr laufende Hessenschau. Als Weinert vor 25 Jahren zum hessischen Rundfunk stieß, waren die Zeiten von schwarz-weiß schon vorbei. Das Farbfernsehen hatte bereits Ende der Sechziger Einzug in der beliebten Sendung und in den Wohnzimmern des Landes gehalten. Aber so richtiges Fernsehen sah für den späteren Kultmoderator auch damals schon anders aus: „Als ich vor 25 Jahren kam, wurde die Kunsthalle Schirn gerade eingeweiht und anders, als bei Radio Bremen, wo ich vorher war, bestand die Sendung zum Teil nur aus abgefilmten Pressekonferenzen. Das Regionalmagazin in Bremen hingegen war elitär, der Gesamttenor der Hessenschau eher etwas spießig.“

Erster Hessenschau-Moderator: Hans-Joachim Scherbening
Erster Hessenschau-Moderator: Hans-Joachim Scherbening
Foto: HR/Kurt Bethke/dapd

Heute hat man sich im Funkhaus am Dornbusch nach der Decke gestreckt. Fernsehdirektor Manfred Krupp, selbst einmal Chef der Hessenschau, ist stolz auf das Erreichte und das Jubiläum: „Zwischen dem Fernsehmachen von damals und heute liegen natürlich Welten, geblieben aber ist das Ziel, jeden Tag das Wichtigste aus ganz Hessen zu zeigen.“ Und auch Holger Weinert stößt ins gleiche Horn, wenn er Vergleiche mit seinen Anfängen bei der Hessenschau zieht: „Die Berichte sind heute handwerklich deutlich besser geworden“, sagt er. Fernsehreporter würden heutzutage richtig ausgebildet und auch deshalb sei die Hessenschau gerade in jüngster Zeit so erfolgreich. „Wir erleben weniger abgefragte Interviews und künstliche Fernsehstatements, sondern erlebbare Wirklichkeit und manchmal auch traumhafte Situationen.“ Und: Allen Behauptungen zum Trotz seien die Berichte auch fundierter und kritischer geworden, sagt der Fernsehmann.

An 365 Tagen im Jahr berichten die Hessenschau-Reporter über alles Wichtige aus Hessen. Grund genug, dass die Sendung seit jeher gut ankommt bei den Zuschauern. Mit durchschnittlich 340.000 Zuschauern und einem Marktanteil von 18,2 Prozent in Hessen erreichte das Format in diesem Jahr den besten Jahreswert seit 1991.

Da war Holger Weinert schon gut fünf Jahre im Geschäft. Aber auf Anhieb sagen, wie viele Sendungen er schon moderiert hat, das kann der Hobbydichter nicht. „Ich habe keine Ahnung, und das Archiv kann es absurderweise auch nicht herausfinden. Ich bin exakt die halbe Hessenschau-Geschichte dabei. Da werdens wohl so an die 2000 Hessenschauen gewesen sein. Es ist immer noch ein Traumjob für mich und er hat mich nie gelangweilt.“

Langeweile kommt auch für Weinerts Kollegen eher selten auf: Unter der Leitung von Hessenschau-Chef Jörg Rheinländer arbeiten in der Redaktion in Frankfurt und in den Studios in Kassel und Wiesbaden insgesamt etwa 70 Reporter und Redakteure. Natürlich nicht gleichzeitig: Pro Ausgabe sind rund 35 Mitarbeiter im Einsatz. Dazu kommen noch Kameraleute, Cutterinnen, Regisseur und die Grafiker.

Und manchmal ist auch ein tierischer Mitarbeiter mit von der Partie: Holger Weinerts Hund Paula. So an die 150 Mal war der Vierbeiner schon mit auf Sendung, in der V.I.P.-Rubrik der Hessenschau, die, so Weinert, „samstags immer geguckt wurde wie wild“. Das „Ach, da ist ja die Paula – wie heißen Sie noch mal schnell“, hat Herrchen Weinert nicht nur einmal erlebt.

Viele Anekdoten erzählt auch die offizielle Veröffentlichung der Hessenschau zum Jubiläum. An ein Panne erinnert sich Holger Weinert noch genau, aber auch ungerne: „Einmal musste ich vier Minuten am Schluss zuquatschen, weil ein Reporter nicht fertig wurde. Unsere Chefredakteurin hatte bei einer anderen Geschichte am Vorabend im Büro gemeint, alle Architekten gehörten standrechtlich erschossen. Als ich dann am Schluss der Sendung die Worte sprach ’Der Reporter wird morgen standrechtlich erschossen’, gab es schon ordentlich Unruhe am nächsten Tag.“

Aus der Ruhe lässt sich der gebürtige Kölner durch solche Geschehnisse nicht bringen. Seine legendären Abmoderationsgedichte, die es seit 13 Jahren gibt, entstehen meist in der Zeit zwischen 16 und 18 Uhr. „Am besten gefallen sie mir, wenn sie etwas über den Lauf des Lebens verraten, so wie die Hessenschau, die für viele lebensbegleitend ist.“

Zum Jubiläum gibt es vom 2. bis 6. Januar in der Hessenschau ein Wiedersehen mit ehemaligen Moderatoren und Machern. Es kommen der erste Hessenschau-Chef Wolf Hanke, sowie die Moderatoren Barbara Dieckmann, Barbara Siehl, Michaele Scherenberg und Frank Lehmann ins Studio und erzählen über ihre Zeit beim Regionalmagazin.

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