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Abgeschnitten in Heddernheim: Niddabrücke wird für ein Jahr gesperrt

Wenn die Verbindung von Heddernheim nach Eschersheim ab 22. März für ein Jahr gekappt wird, dann fällt nicht nur eine wichtige Verbindung weg. Dann werden auch die anliegenden Kioske und Läden über Einbußen klagen. Von Nicole Koller

Das ist MyZeil: Auf- und Durchblicke, Plattformen und Galerien aller Höhen und Breiten hat Massimiliano Fuksas, der Innenarchitekt, über die filigranen Geländer ineinander geschoben.
Das ist MyZeil: Auf- und Durchblicke, Plattformen und Galerien aller Höhen und Breiten hat Massimiliano Fuksas, der Innenarchitekt, über die filigranen Geländer ineinander geschoben.
Foto: Arnold

Eine Katastrophe. So lautet Radmila Mendozas Kommentar zu den geplanten Sanierungsarbeiten der Brücke, die die Heddernheimer Landstraße über die Nidda nach Eschersheim führt. Ab 22. März wird sie voraussichtlich ein Jahr lang gesperrt sein. Eine Katastrophe ist es, weil Radmila Mendozas Friseur- und Kosmetikstudio nur ein paar hundert Meter von der Brücke entfernt liegt. Eine Katastrophe ist es, weil gut die Hälfte von Mendozas Kundschaft aus Eschersheim stammt und dem Salon nach der Vollsperrung der Brücke vermutlich fernbleiben wird.

Denn für Autofahrer aus Eschersheim kann die untere Heddernheimer Landstraße dann nur noch durch Umwege erreicht werden, weiß Georg Zdrahal, der den Lottoladen neben Mendozas Salon betreibt.

Als Lotto-Schorsch ist Zdrahal in der Nachbarschaft bekannt und zu der gehören nun mal auch einige Eschersheimer.

Doch ab 22. März sei damit vorerst Schluss. Aus Eschersheim könne man die Nidda zwar über die Maybachbrücke überqueren. Die Fahrt zum Lotto-Schorsch allerdings würde für viele Kunden einen Umweg von mindestens einer halben Stunde bedeuten. Soviel Zeitverlust werde kaum einer in Kauf nehmen.

Zdrahal kann also mit einer Umsatzeinbuße von rund 30 Prozent rechnen und das ein ganzes Jahr lang.

Dass mit Sperrung der Brücke eine Behelfsbrücke anmontiert wird, ist für den Lotto-Schorsch kein großer Trost. Denn die sei nur für Fußgänger. Die meisten Eschersheimer kommen aber mit dem Auto zu ihm.

Zehn Läden betroffen

"Wir sitzen alle in einem Boot", meint Dieter Schmitt, zweiter Vorsitzender des Heddernheimer Gewerbevereins und Inhaber einer Elektrofirma in der Heddernheimer Landstraße 12. Ob Reisebüro, Bäcker, Friseurladen oder Apotheke, sie alle müssen mit gehörigen Umsatzeinbußen rechnen. Etwa zehn Kleingewerbetreibende seien von den Brückenarbeiten betroffen. Schmitt ist nicht mal sicher, dass die Vollsperrung nach einem Jahr aufgehoben wird. Er kann sich gut vorstellen, "dass es noch länger dauert."

Bis Frühjahr 2011 sollen die Arbeiten laut Auskunft des Straßenbauamts andauern. Die vorgesehene Bauzeit ist für den Lotto-Schorsch nicht nachvollziehbar. Er habe sich deshalb mit der in Altenkirchen ansässigen Firma Fritz Meyer GmbH, die für das Brückenfundament zuständig ist, in Verbindung gesetzt.

Vom Bauleiter habe er erfahren, dass der Stahl noch nicht einmal bestellt sei. Angeblich komme die neue Brücke erst im Oktober. Warum man diese nicht schon plane und baue, bevor die alte Brücke abgerissen wird, versteht Zdrahal nicht.

Auf diese Art sei vielleicht nur eine Vollsperrung von zwei bis drei Monaten nötig. Doch laut Auskunft von Gabriele Dehmer, Leiterin des Straßenbauamts, sei die Brückenerneuerung eine umfängliche Baumaßnahme, die man nicht in kürzerer Zeit bewerkstelligen könne.

Der Stahl sei bestellt, jedoch mit langen Lieferzeiten. Das habe aber nichts mit der Gesamtbauzeit zu tun. Zurzeit würden die Fundamente für eine Behelfsbrücke hergestellt, die am 22. März montiert werden soll. Im Anschluss müsse man alle Versorgungsleitungen - Wasser, Gas, Strom Telefon - umlegen.

Erst dann könne die alte Brücke abgerissen werden. Nach dem Bau der Auflagerbalken und Kammerwände wolle man dann die neue Brücke anbringen. Anschließend folge der Straßenausbau und dann die Umlegung aller Versorgungsleitungen.

Den Beschwerden der betroffenen Geschäftsleute setzt Dehmer entgegen, dass die Brücke "ganz dringend sanierungsbedürftig" sei. Einzige Alternative zu den Bauarbeiten sei eine dauerhafte Sperrung aus Standsicherheitsgründen.

Harald Müller, der im November vergangenen Jahres das "Heddernheimer Reisebüro" übernommen hat, findet es "ein bisschen hanebüchen, dass man keine Informationen bekommt". Es sei nicht mal was in der Post gewesen. Von der einjährigen Vollsperrung erfuhr Müller gerade erst von anderen Bürgern.

Die Aufklärung der Betroffenen durch die Stadt sei tatsächlich nicht sehr effektiv, meint auch Zdrahal. Am Dienstag seien erst einmal verkehrte Schilder aufgestellt worden, die besagten, dass die Brücke vom 8. März an gesperrt sei.

Ein Versehen des Straßenverkehrsamtes, dass die Hinweistafeln umgehend wieder abmontierte.

Ein Fehler auf den irrtümlich aufgestellten Schildern, der sich dem Lotto-Schorsch besonders eingeprägte: Statt Niddabrücke stand dort Niddarbrücke.

Schon seit dieser Woche werden die Busse der Linie 26 und 60 umgeleitet. Die Linie 26 wird während der gesamten Bauzeit verkürzt und fährt nur zwischen Nordwestzentrum und Heddernheim. Die Busse der Linie 60 werden in Richtung im Uhrig umgeleitet.

Autor:  Nicole Koller
Datum:  11 | 3 | 2010
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