Vielleicht ist das der erwartete Segen. Die Blicke richten sich nach oben an diesem Samstag an der Hauptwache, hin zu diesem Hubschrauber, der zwischen Zeil, Opernplatz und Roßmarkt kreist. Vielleicht, sagt die Frau im Fellmantel zu ihrem Begleiter, "vielleicht werfen die jetzt die Konsumgutscheine ab". Wäre ja praktisch. Ist aber nicht so. Der Helikopter dreht ab, und das Einzige, was noch flattert an diesem zweiten Adventssamstag an der Hauptwache, sind die schwarz-blauen Fähnchen des nicht eben gesegneten FSV Frankfurt, festgeklemmt in die Seitenscheiben etlicher Werbeautos. Wenig erbaulich.
Kein warmer Regen also, keine Konsumgutscheine für die Frankfurter im Adventsgetümmel. Dem Auftrieb an der Zeil scheint das kaum zu Schaden. In Scharen schlängeln sich die Konsumenten zwischen den Gattern, durch jenes Labyrinth einer scheinbar unkontrollierbaren Großbaustelle, das die Einkaufsmeile ausgerechnet zu Weihnachten bietet. Manch einer stöhnt da ob der Enge und warum das denn sein müsse, andere bereuen schlicht, überhaupt hergekommen zu sein. Es ist ein Adventseinkauf mit Körperkontakt, bedrängtes Bummeln.
Doch es soll noch dicker kommen. Nach Angaben des blauen Weihnachtsmannes vor der Zeil-Galerie fällt Weihnachten nämlich aus. So steht es Schwarz auf Gelb auf den Flugblättern, die der blaue Weihnachtsmann verteilt.
Es geht dann aber doch nur um gleichberechtigte Teilhabe beider Elternteile an Alltag und Erziehung von Scheidungskindern. Noch einmal Glück gehabt. Wäre doch Gift fürs Geschäft, so ganz ohne ein Weihnachtsfest.
Frank Albrecht fragt sich dieser Tage manchmal, ob das nicht viel mit Zweckoptimismus zu tun hat, dieses Gedränge zwischen den Geschäften, aber so sei es eben nicht, sagt der Präsident des hessischen Einzelhandelsverbandes. Von einem "erstaunlich guten Weihnachtsgeschäft" berichtet Albrecht aus Sicht der Einzelhändler, nicht überschwänglich, aber doch sehr aktiv seien die Verbraucher, die sich auch an diesem zweiten Adventswochenende nicht von den negativen Wirtschaftsmeldungen der vergangenen Wochen beeindrucken ließen.
Die momentane Enge durch die vielen Baustellen auf der Zeil stelle dabei kein Hindernis dar für die Konsumenten, sagt der Einzelhandelspräsident: "Es ist zwar nicht besondern glücklich, aber psychologisch nicht von Nachteil, weil die Einkaufsstraße so als lebendig wahrgenommen wird", sagt Albrecht. Die Parkhäuser seien jedenfalls um 12.30 Uhr an diesem Samstag dicht gewesen.
So ist das überall am Samstag in der Stadt, ein unbeeindrucktes Konsumieren auch ohne Konsumgutscheine, ob nun mit verlängerten Öffnungszeiten im Nordwestzentrum oder etwas abseits der großen Ströme bei der Stilblüten-Modemesse in der Sachsenhäuser Schulstraße. Im Gegensatz zu den in Verruf geratenen Finanzprodukten ließen sich da überall nämlich ganz "reale Dinge" kaufen, sagt Albrecht.
Und das zu realen Bedingungen, sieht man von einer Ausnahme ab. Auf der Zeil treiben an diesem Samstag auch Osterhasen ihr Unwesen, sie gehören der DGB-Jugend an und wollen sich angesichts der Ausbildungssituation keine "faulen Eier" unter den Christbaum legen lassen.
Die roten Weihnachtsmänner vor Saturn spielen dazu das Lied vom roten Pferd. Man vergisst ja so leicht, dass Weihnachten mitten in der Fastnachtszeit liegt.

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