In der Halle steigt der Dampf von Trockeneis auf, beleuchtet von gelben Scheinwerfern. Unter dem Dach drehen sich gigantische Disko-Kugeln, weiß livrierte Kellner laufen zwischen Stehtischen umher, es gibt Rotwein und Sekt und alles, was das Herz begehrt. Nur das Flugzeug ist nicht da.
"Wir haben keinerlei Informationen", ruft ein aufgekratzter Ansager von der Bühne, "wo sich der A380 befindet". Draußen, vor dem verglasten Tor der Wartungshalle, ist es grau, der Regen rinnt an den Scheiben herunter.
Entlang des Flughafenrings stehen trotzdem hunderte Unentwegte am Zaun. Sie sind Plane-Spotter, immer auf der Suche nach einem Flugzeugbild, gekommen, um den neuen A380 aufzunehmen. Doch der lässt auf sich warten. Es ist 16.35 Uhr, die geplante Ankunft ist bereits um genau 15 Minuten überschritten. Kein "Airboss", nirgends.
Dann aber kommt er doch. In 60 Metern Höhe schält sich der A380 mit 240 Stundenkilometern im Landeanflug aus dem grauen Dunst. Es ist 16.39 Uhr, der Airbus ist da. Über Lautsprecher schallt durch die Halle genau die Melodie, zu der im Stadion die Aufstellung von Eintracht Frankfurt verlesen wird. Ein Lied für die ganz besonderen Momente eben.
Es ist der angekündigte große Empfang für das neue Flaggschiff der Lufthansa-Familie. In der Wartungshalle winken Hunderte in gut sitzenden Anzügen den Piloten im Cockpit zu. Unzählige Kameras richten sich auf das Flugzeug, auf Bodenmarkierungen, auf andere Menschen mit anderen Kameras. Es gilt einen großen Moment festzuhalten. Die D-AIMA - so das Kennzeichen des 24 Meter hohen Koloss - rollt in ihre neue Heimat.
Als sich die Tür öffnet, tritt Wolfgang Mayrhuber als allererster ins Scheinwerferlicht. Der Lufthansa-Chef strahlt: "Ganz Deutschland ist stolz auf diese Ingenieursleistung. Wir sind froh, dass wir dieses Flugzeug nun in der Hand haben." Das hört sich ziemlich niedlich an für den größten Passagierflieger der Welt.
Hinter Mayrhuber tritt Airbus-Chef Thomas Enders ins Scheinwerferlicht. Beide recken ihre Daumen in die Höhe, als sie die Treppe hinabsteigen. Sie sind die ersten zwei von exakt 380 ausgewählten Passagieren, die unten an der Treppe von Hessens Ministerpräsident Roland Koch in Empfang genommen werden. "Wir sind froh, dass der A380 nun Wirklichkeit ist", ruft Koch, kann sich aber eine kleine Spitze nicht verkneifen: "Wir waren pünktlicher als der Airbus." So strahlend die Gesichter sind an diesem Tag, die Geschichte des A380 ist lang und sorgenvoll: Genau acht Jahre, fünf Monate und 13 Tage hat es von der Bestellung bis zur Auslieferung gedauert, das sind zwei Jahre mehr als geplant. Immer wieder verzögerten Pannen in der Produktion die Fertigstellung. Die Wartungshalle, die Koch meint, stand da schon lange bevor der Airbus erstmals landete. Doch Koch gibt sich versöhnlich: Es sei ein schöner Tag für die Region, ruft er, und lässt ein neuerliches Bekenntnis zum Flughafen folgen: "Wir bleiben loyal."
Den entscheidenden Akt nimmt schließlich am Abend Oberbürgermeisterin Petra Roth vor, allerdings nicht, ohne ihre Probleme mit den Ausmaßen des Fliegers zu haben. Mit einer Flasche Champagner steht Roth zur Taufe auf einer Hebebühne, "aber ich kommt doch gar nicht hin", meldet sie, "das ist doch viel zu hoch". Sie kommt letztlich aber doch hin, bespritzt die Nase des Kranichs in Rennfahrermanier und tauft ihn auf den schönen Namen "Frankfurt am Main".
Lufthansa-Kapitän Jürgen Raps wird mit eben jener "Frankfurt am Main" am 6. Juni die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in ihr WM-Quartier nach Johannesburg fliegen. Wenn das kein gutes Omen ist.

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