Die Zeit drängt, die Sommerferien nahen - große Pause für den Politikbetrieb im Frankfurter Rathaus bis Mitte August. Am heutigen Dienstag tagt zum vorletzten Mal die schwarz-grüne Koalitionsrunde, am Freitag folgt die letzte Sitzung der Stadtregierung. Olaf Cunitz, Vorsitzender der Grünen im Römer, ist zurückhaltend: "Ich wage keine Prognose."
Viele politische Hängepartien schiebt Schwarz-Grün vor sich her - die vielleicht spektakulärste offene Frage ist: Baut die multikulturellste Stadt Deutschlands, die Bürger aus 184 Nationen beherbergt, endlich ein neues Museum der Weltkulturen? Und wenn ja, wo? Und wie viel dürfte es kosten? "Es wäre nötig, das vor der Sommerpause zu entscheiden", gibt Cunitz zu - aber auch nach Monaten des Hin und Hers gibt es angeblich "keine belastbaren Zahlen".
Wer in die Zeit der Entstehung heute als "schön alt" bezeichneter Gebäude zurückreisen will, findet die Stimmen der Zeitzeugen und Bilder im Frankfurt Blog der FR.
Am Montagnachmittag dann die Quittung für das lange schwarz-grüne Taktieren: Der Investor Deutsche Immobilien Chancen (DIC), der das Museum auf dem ehemaligen Degussa-Gelände nördlich des Mainufers bauen wollte, steigt aus. DIC-Vorstandsvorsitzender Ulrich Höller ist nicht länger gewillt, sich hinhalten zu lassen.
Anstelle des Museums entstehen jetzt Wohnungen. Der politische Niedergang des Projektes hatte begonnen, nachdem es OB Petra Roth CDU) zur Chefinnen-Sache erklärt hatte - seither geht alles drunter und drüber, der Neubau der Institution, die dringend Ausstellungsfläche braucht, wurde nach Kräften von CDU und Grünen zerredet. In das politische Vakuum im Rathaus stieß am Wochenende trickreich Offenbachs OB Horst Schneider (SPD) - mit dem schönen Vorschlag, doch das neue Museum auf der Offenbacher Hafenmole zu bauen. Das wäre laut Schneider Versöhnungsarbeit für die Kulturregion Rhein-Main: "Wir müssen die Barrieren überwinden."
Herbert Beck geht noch einen Schritt weiter. Der Gründungs-Direktor der Frankfurt/Rhein-Main-Kulturfonds GmbH will untersuchen lassen, ob man die Sammlungen des Deutschen Ledermuseums in Offenbach und des Museums der Weltkulturen in Frankfurt auf der Offenbacher Mole "unter einem Dach konzentrieren" könnte. Im Römer spricht man von dem Versuch Offenbachs, sich auf Kosten Frankfurts kulturellen Glanz zu verleihen - denn außer dem Grundstück hätte die Nachbarstadt nichts einzubringen. "Und eine Hafenmole haben wir selber, da brauchen wir Offenbach nicht", mault ein Amtsleiter. So läuft die Zeit für die Museumserweiterung unerbittlich ab. Kulturdezernent Felix Semmelroth hatte im Kulturausschuss vorgerechnet, es würden 8500 Quadratmeter Raum für den Neubau gebraucht.
Nach dem Ausstieg der Deutschen Immobilien Chancen ist es fraglicher denn je, dass Frankfurt ein neues Museum der Weltkulturen bekommt. Es droht das blamable, endgültige Aus für das Vorzeigeprojekt.
Denn Schwarz-Grün arbeitet an einer "To do-Liste" von Vorhaben, die bis zur Kommunalwahl im Jahr 2011 verwirklicht werden sollen. Und das, während die Finanzlage der Stadt sich langsam verschlechtern wird. "Die Beratungen sind nicht abgeschlossen", sagt der Grüne Cunitz. Das Museum könnte jetzt ganz leicht völlig gekippt werden. Es werde das zweite Mal nach 1992 -damals hatte Rot-Grün den Museumsbau in letzter Minute abgesagt.

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