Um es ganz offen zu sagen: So hatte sich der Kulturdezernent die Fortschreibung des Museumsufers eigentlich immer vorgestellt. "Eine Herauslösung" des Museums der Weltkulturen, betont Felix Semmelroth am Freitag im Gespräch mit der FR, "wäre überaus bedauerlich gewesen". In den vergangenen Monaten habe er es oft als misslich empfunden, "dass jeder mitreden wollte." Dabei ließ der Stadtrat in dieser Zeit des allmählichen Schulterschlusses zwischen CDU und Grünen in dieser bis dahin heiklen Frage keinen Zweifel an seinen eigenen Vorstellungen aufkommen: Das Beste wäre eine Erweiterung im Museumspark am Sachsenhäuser. Ein Bau auf dem Degussa-Gelände, das, sagt der CDU-Politiker, wäre für ihn allenfalls die zweitbeste Lösung gewesen. Andere Varianten etwa für einen Standort in Offenbach oder in unmittelbarer Nähe des Senckenbergmuseums hätten für ihn nie ausreichend Plausibilität besessen. Und deswegen, daraus macht Semmelroth keinen Hehl, sei er über die Verabredung der schwarz-grünen Koalition auch so überaus froh.
SPD watscht Grüne ab
Die Verabredung geht so: Das Museum der Weltkulturen wird am Standort Sachsenhausen erweitert. Dabei wollen die Koalitionäre die drei Villen und das Kutscherhäuschen ausdrücklich in die Planung einbeziehen. Einen Wettbewerb wollen CDU und Grüne so zügig wie möglich ausschreiben, wenngleich "man sorgfältig vorgehen muss", hebt Semmelroth hervor: Das Raumprogramm für ein künftiges Museum des Weltkulturen sieht eine Nutzfläche von 8500 Quadratmetern vor. Wie diese im Museumspark verteilt werden können und ob der geplante, unter die Erde verlagerte Neubau für das Städel dort beispielhaft wirke, lasse sich noch nicht sagen.
Die Grünen hatten bislang eine Erweiterung am bestehenden Standort abgelehnt. Aus ökologischen Gründen, weil man einen zu massiven Eingriff in den Baumbestand fürchtete. "Das Entwicklungspaket", das die beiden Fraktionschefs der Koalition, Markus Frank und Olaf Cunitz, am Donnerstag präsentiert hatten, sieht für den Eingriff in die Natur einen Ausgleich im Ostend vor: Dort soll auf insgesamt 40 000 Quadratmetern eine Hafenpark genannte Grünfläche in unmittelbarer Nähe der Europäischen Zentralbank entstehen. Diese Projekt machte den Grünen die Sache leichter: Sie gaben ihre Bedenken gegen die Erweiterung des Museums am Mainufer kurzerhand auf.
Das hätten sie früher machen sollen, befindet Klaus Oesterling am Tag nach der Entscheidung: "Wir Sozialdemokraten freuen uns, dass die Grünen jetzt doch vernünftig geworden sind", setzt der Fraktionschef hinzu. Der Widerstand der Öko-Parlamentarier sei ohnehin nicht nachzuvollziehen gewesen. Seine Partei habe diesen Standort während der gesamten, oft zähen Diskussion stets favorisiert, weil er am besten geeignet sei, "um das Museumsufer zu stärken".
Auch die Linken haben gegen die Erweiterung keine Einwände. Im Gespräch mit der FR macht der kulturpolitische Sprecher der Römer-Fraktion, Hans-Joachim Viehl, vielmehr deutlich, dass das Museum nun dort vergrößert werde, "wo es unserer Meinung nach immer hingehörte" - in der Nachbarschaft zum Museum für Angewandte Kunst. Insofern sei seine Fraktion froh, dass mit dem Hafenpark "Denkblockaden der Grünen" gelockert worden seien.
Im Zusammenhang mit dem als "Bahn-Tower" bezeichneten Hochhaus-Projekt am Hauptbahnhof habe es bei den Grünen allerdings kein Halten mehr gegeben, glaubt Oesterling. Nach drei Jahrzehnten des erbitterten Widerstands gegen ein solches Projekt an dem Standort hätten sich "die Grünen mit einem Federstrich der eigenen Geschichte entledigt". Am Hauptbahnhof soll ein bis zu 200 Meter hohes Hochhaus entstehen, das die Bahn künftig nutzen will. Ein Bau dieser Dimension, sagt Oesterling, mache den Hochhausrahmenplan zur Makulatur.

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