Die Welten, die Zeiten, vereinen sich auf einem Foto. Eine alte Frau sitzt am Tisch und liest andächtig in Buddhas Schriften, daneben ihr Sohn oder vielleicht Enkel, der mit dem Handy telefoniert. Ein Foto, das Tibet früher und heute zeigt, Tradition und Gegenwart ablichtet, die alte und die neue Generation Tibeter.
Kelsang Tsering, Künstler aus Lhasa, spürt dieser Spannung mit der Kamera nach. Eine weitere Arbeit von ihm zeigt ein tibetisches Kleinkind mit einem Baby im Arm, das sich erst bei genauer Betrachtung als Plastikwesen "entpuppt". Tibeter kennen kein Spielzeug, die Puppe stammt aus China. Ein Bild, das sich angesichts der chinesischen Besetzung des Landes sicher auch politisch deuten ließe. Doch eindeutige Interpretationen überlässt das Museum der Weltkulturen dem Besucher. Elke Hessel, Mitarbeiterin des Kulturinstitutes Tibet Haus, die die Ausstellung initiiert und kuratiert hat, wählt ihre Worte bewusst: "Ich würde nichts tun, was den Künstlern schaden könnte."
Ab Samstag zeigt das Frankfurter Museum Fotografien zeitgenössischer Künstler aus Tibet. "Der Blick in das eigene Gesicht" lautet der Titel der Schau, die Museum und Tibet Haus zum Besuch des Dalai Lama in Frankfurt organisiert haben. Erstmals, betont Christine Stelzig, kommissarische Direktorin, seien in Deutschland die Fotografien tibetischer Künstler zu sehen.
Mythos Shangrila
Elke Hessel hält seit vielen Jahren schon Kontakt zu Künstlern in der Hauptstadt Lhasa. Ihr geht es darum, die moderne Kunst dort zu fördern, ein Bild des Landes und der Menschen jenseits der Schablonen von chinesischer Besetzung und dem Mythos um Shangrila zu zeichnen. "Wir wollen keine Tibet Romantik verbreiten", sagt sie. Jedoch die Lage auch nicht verharmlosen.
Hessel hat zehn Maler gebeten, ihren Alltag in Tibet mit der Kamera zu dokumentieren. Herausgekommen sind sehr künstlerische Arrangements, aber auch sehr realitätsnahe Momentaufnahmen, die die immer noch angespannte Lage im Land wiedergeben. 31 von 700 Fotografien haben die Macher der Ausstellung ausgewählt. Die Foto-CDs haben das Land über die Universität von Lhasa offiziell verlassen. "Der Einzelne hätte keine Fotos verschicken können", sagt Hessel. Projektleiter Achim Sibeth betont, dass die Fotos bis zum Ende der Buchmesse ausgestellt bleiben. Er sieht darin eine politische Dimension, denn die Messe hat 2009 China als Gastland geladen.
Zeitgenössische Künstler aus Tibet, Museum der Weltkulturen, Schaumainkai, 37, Frankfurt, 25.7 - 18.10

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