Die Lage scheint ausweglos. Zur Schließung des Mahle- Werks in Alzenau gebe es "keine Alternative", stellt Hans Peter Coenen, Mitglied der Konzern-Geschäftsführung in Stuttgart, unmissverständlich fest. Zu groß seien die Verluste, zu schlecht sei die Auftragslage.
420 Menschen fertigen in dem Betrieb, gelegen zwischen Hanau und Aschaffenburg, Kolben für die Autoindustrie. Damit aber soll im Sommer schon Schluss sein, den Beschäftigten steht wohl der Gang zum Arbeitsamt bevor. Doch noch gibt sich die Belegschaft kämpferisch, will das Aus nicht einfach hinnehmen. Ein Ostermarsch am kommenden Montag ist geplant, Motto: "Eine Region steht auf!".
Die Belegschaft von Mahle protestiert. Am Ostermontag geht ein Marsch zum Werk in Alzenau im Kreis Aschaffen- burg. Start: 10.30 Uhr ab Bahnhof Michelbach; 11 Uhr ab Hörstein am Gerichtsplatz; 11 Uhr ab Kahl am Wassterturn. Kundgebung gegen 12 Uhr vor dem Mahle-Werktor.
Der Protest richtet sich gegen die drohende Werksschließung, 424 Beschäftigte sollen ihren Job verlieren. In Alzenau werden Kolben für Auto- motoren hergestellt. Der Werk schreibt laut Management aber Verluste.
Kummer gewöhnt
Die Belegschaft von Mahle ist Kummer gewöhnt. Schon vor neun Jahren drohte Produktionsverlagerung von Alzenau weg nach Polen; 400 Jobs standen damals auf der Kippe. Am Ende einigte man sich auf einen Standortsicherungsvertrag - die Mitarbeiter dankten es mit flexiblen Sonderschichten.
Im Sommer 2004 wurde dennoch laut über die Schließung des Werks im Kahlgrund nachgedacht. Wieder rettete ein Standortkonzept die meisten Arbeitsplätze, wieder musste das Personal Federn lassen. Jetzt aber droht endgültig das Aus. Neun Monate habe der Betriebsrat mit der Geschäftsleitung über ein Zukunftskonzept für die nächsten fünf Jahre gesprochen, klagen Gewerkschafter. Ende März aber habe das Management völlig überraschend die Verhandlungen für gescheitert erklärt - und die Schließung des Standortes verkündet.
Das Werk in Alzenau habe innerhalb von fünf Jahren einen Gesamtverlust von rund 70 Millionen Euro geschrieben, sagt Mahle-Geschäftsführer Coenen. Alle Versuche, den Betrieb aus den Miesen zu bringen, seien gescheitert. In der Krise sei zudem die Nachfrage eingebrochen, die Preise für Personal und Material dagegen seien gestiegen. Und mit einer nachhaltigen Markterholung sei mittelfristig nicht zu rechnen. Mahle wolle aber den betroffenen Beschäftigten den Eintritt in eine Auffanggesellschaft anbieten.
Die Mitarbeiter sind schockiert, sie sind empört - und sie fordern die Rücknahme der Pläne sowie weitere Verhandlungen über die Zukunft ihres Arbeitsplatzes. Zumindest 350 Stellen und 20 Ausbildungsplätze sollten abgesichert werden. Der Betriebsrat übt zudem Kritik an der Standortpolitik von Mahle: Vereinbarte Investitionen und neue Aufträge zur Fertigung von Kolben in Alzenau seien nicht oder nur teilweise getätigt worden.
"Wir halten die Betriebsschließung für den größten Fehler in der Geschichte der Firma Mahle und akzeptieren diese nicht", sagt Herbert Reitz von der IG Metall Aschaffenburg. Offenbar habe sich die Finanzlage des Stuttgarters Automobilzulieferers so verschlechtert, dass man die "Edelproduktion" schrittweise aufgeben wolle, meint Reitz. Alzenau habe ein sehr hohes Ansehen in der Branche, das Werk belege weltweit einen Spitzenplatz in der Oberflächenbeschichtung.
Mahle wirbt für seine Kolben, die in Motoren von Kleinwagen ebenso zu Einsatz kommen wie bei Luxus-Limousinen oder schweren Nutzfahrzeugen. Selbst bei Autorennen landeten Fahrzeuge mit Mahle-Kolben immer wieder auf Spitzenplätzen - in der Formel 1 ebenso wie beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.
Der Konzern beschäftigt rund 48 000 Leute an 110 Produktionsstandorten. Mahle zählt sich mit einem Umsatz von fünf Milliarden Euro (2007) zu den 30 weltweit größten Automobilzulieferern.

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