kalaydo.de Anzeigen

Am Ende einer Wahl: Stimmungsschwankungen im Rathaus

Die CDU freut sich über eine "breite bürgerliche Mehrheit". Für die SPD ist es das schlechteste Ergebnis in der Nachkriegsgeschichte. Jubel bei den Liberalen: "Wir sind eine sehr stabile Kraft." Von Claus-Jürgen Göpfert und Jutta Ochs

Große Freude im Römer: Stadtrat Boris Rhein von der CDU und Anette Rinn von der FDP freuen sich über, für sie, großartige Wahlergebnisse.
Große Freude im Römer: Stadtrat Boris Rhein von der CDU und Anette Rinn von der FDP freuen sich über, für sie, großartige Wahlergebnisse.
Foto: FR/Arnold

Frankfurt. Es gibt Bilder, die im Gedächtnis haften bleiben an diesem Abend im Römer: Das bleiche, verstörte Gesicht des SPD-Fraktionsvorsitzenden Klaus Oesterling. Die hochgerissenen Arme bei der CDU, als schwarze Balken auf den Monitoren den Sieg in allen sechs Frankfurter Wahlkreisen anzeigen. Mit nur noch aktuellen 19, 7 Prozent (alle Zahlen Stand 20 Uhr) stürzt die SPD auf ihr schlechtestes Ergebnis in der Nachkriegsgeschichte ab, knapp vor den Grünen mit 19,4 Prozent. Die CDU erringt 33 Prozent, die FDP sensationelle 16,8 Prozent und auch die Linken können mit 7,8 Prozent zufrieden sein.

Alles geht sehr schnell an diesem Abend. Nur Sekunden nach der Prognose auf den Fernsehschirmen freut sich der CDU-Kreisvorsitzende Boris Rhein über die "breite bürgerliche Mehrheit". Auf die Frage, ob er nicht selbst jetzt für ein Ministeramt in Wiesbaden prädestiniert sei, lächelt er: "Niemand kann von vorneherein 'Nein' sagen".


Foto: FR-Grafik

Wenig später stellt sich Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) schon den Medien. Sie freut sich, dass "Roland Koch in Hessen eine solide bürgerliche Mehrheit und klare Verhältnisse" geschaffen habe. Und muss im gleichen Atemzug eingestehen, dass dies nur gelingt dank des überragenden Erfolgs der Liberalen: "Das Wort der FDP hat getragen".

Roth sieht Schwarz-Grün im Römer gestärkt: "Wir haben eine gute Koalition, die perfekt arbeitet". Und dann, vor den Fernsehkameras, kann sie das Eigenlob nicht mehr zurückhalten: "Wir haben bürgerliche Politik salonfähig gemacht in der Bundesrepublik". Die Frage, ob ein Frankfurter CDU-Politiker ins Kabinett Koch kommt, will sie "mitnehmen, wenn wir jetzt nach Wiesbaden fahren".

Bei den erschütterten Sozialdemokraten ist der Bundestagsabgeordnete Gregor Amann noch der Gefassteste. "Unser Hauptproblem ist, dass wir uns zu weit von Volkes Stimme entfernt haben". Die hessische SPD müsse jetzt "zurück zur Basis, zurück zur Mitte". SPD-Fraktionschef Osterling sagt seiner Partei "im Land zehn Jahre Opposition" voraus: "Eine solche Niederlage lässt sich nicht in einer Legislaturperiode aufholen".

Den Rücktritt der SPD-Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti kommentiert er so: "Es hat Kräfte in der SPD, auch in der Bundes-SPD gegeben, die ihren Erfolg nicht wollten". Ypsilantis "Tragik" sei, "dass sie nicht erkannt hat, dass nicht von der ganzen Partei getragen wurde".

Große Freude herrscht bei der Linken über den Wiedereinzug in den Landtag: "Wir sind eine sehr stabile Kraft", urteilt Fraktionschef Lothar Reininger. Er sieht den Ministerpräsidenten als den eigentlichen Verlierer des Abends: "Roland Koch ist abgewatscht - keiner will ihn!" Dass die Sozialdemokraten als politischer Bündnispartner wegbrechen, hat er erwartet. Aber Reininger setzt jetzt auf Protest außerhalb des Landesparlaments: "Die gesellschaftlichen Veränderungen werden ganz neue Perspektiven eröffnen außerparlamentarisch - das wird man in Frankfurt im Herbst merken".

Die Liberalen sind wie im Rausch an diesem Abend

Die Liberalen sind an diesem Abend wie in einem Rausch. Der FDP-Kreisvorsitzende Dirk Pfeil und sein Vize, Dezernent Stein, werden mit Glückwünschen überschüttet. Das beste Ergebnis seit mehr als 50 Jahren haben sie mit 16,7 Prozent eingefahren. Der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Otto erlebt seinen "schönsten Tag seit sehr vielen Jahren". Es gelte aber, sagt Stein, "demütig zu bleiben und nicht etwa "hoffärtig zu werden". Dass man Wort gehalten habe, sich nicht zu einem Bündnis mit der SPD und den grünen habe hinreißen lassen, hätte der Wähler belohnt.

"Glaubwürdigkeit", glaubt Spitzenkandidatin Nicola Beer habe eine "ganz große Rolle gespielt". Das moralisch Gute also habe gesiegt, da sind sich die Freien Demokraten alle einig. Und ein solcher Sieg schmecke ganz besonders süß. Wegen des einzigartig guten Ergebnisses ist es den Frankfurter Liberalen gelungen, neben Nicola Beer einen zweiten Frankfurter in den Landtag zu bringen: den Chef der Jungen Liberalen, Hans-Günther Mick. Der sagt, dass er sich freue, wirkt aber etwas gestresst vor Glück. Ansonsten aber will man über das Thema Personal überhaupt nicht reden. "Dazu ist jetzt nicht die Zeit", sagt Nicola Beer streng. Sie wird schon lange als künftige Ministerin gehandelt.

Olaf Cunitz, Fraktionschef der Grünen im Römer, den mit 19,6 Prozent zweiten großen Gewinnern des Abends, will aus dem Wahlergebnis "nichts Entscheidendes für Frankfurt herauslesen". Aber natürlich mache es das Leben leichter, verschaffe "Rückenwind" vor Ort. Dass SPD und Grüne gleichauf liegen könnten, hatte mancher Sozialdemokrat schon vor 18 Uhr befürchtet. "Jede Partei macht mal eine schwere Zeit durch", sagt Cunitz. Und das ganz ohne Häme.

Autor:  Claus-Jürgen Göpfert und Jutta Ochs
Datum:  18 | 1 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Twitter im Landtag
 

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Anzeige

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Frage des Tages: Sollte man härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen?

Frankfurts Fassaden sind voll von Graffiti. Die Verursacher sind meistens nicht festzustellen. Die Polizei will nun härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen. Was halten Sie davon?

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frage des Tages: Welches Thema sollte der neue OB Peter Feldmann zuerst angehen?

Peter Feldmann wird Frankfurts neuer Oberbürgermeister. Welches Thema sollte der Sozialdemokrat in seinem neuen Amt als erstes angehen?

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Manche Menschen freuen sich über den Klang von Glocken, andere fühlen sich gestört. (Symbolbild)
Fluglärm in Frankfurt 
        

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug.
Fluglärm in Frankfurt 
        

Wohnen in der Region: Lärm, aber noch kein Schallschutz.
Schleppende Antragsbearbeitung 
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 

Anzeige

Staumelder

Staumelder 13 Staus mit einer Gesamtlänge von 59km
Zu den Staumeldungen
Spezial

Auch dieses Jahr dürfte beim Schulwechsel der Sturm auf die Gymnasien ungebrochen anhalten. Doch welche Schulen passen eigentlich zu welchen Kindern? Die FR bietet einen Überblick.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Anzeige

 
Frankfurter Stadtteil-Porträts
Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter.
Frankfurter Innenstadt 
..die Villa Meister. Das prachtvolle und heute denkmalgeschützte Gebäude hatte Herbert von Meister,der  Sohn von Carl Friedrich Wilhelm Meister, einem der Begründer der Farbwerke Hoechst, im Jahr 1902 erworben.
Frankfurt-Sindlingen 
        

Schon schön: Ein Blick in     die Grillparzerstraße im Dichterviertel.
Frankfurt-Dornbusch 
Auf den fruchtbaren Äckern im Frankfurter Norden wird immer noch Landwirtschaft betrieben. Und manch ein Erzeuger vermarktet seine Produkte immer noch selbst.
Frankfurt-Nieder-Eschbach 
Weblog

Seit vielen, vielen Jahren ist "kit" Eishockey-Berichterstatter. Im Blog berichtet er über die Löwen Frankfurt - "in your face".