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Hochschulpakt: An die Uni statt zum Bund

Die Landesregierung erwartet wegen der Aussetzung der Wehrpflicht bis zu 5000 zusätzliche Studierende. Die Grünen befürchten einen Kollaps der Hochschulen.

        

Hessens Uni-Hörsäle dürften  bald voller werden.
Hessens Uni-Hörsäle dürften bald voller werden.
Foto: Christoph Boeckheler

Die hessischen Universitäten müssen sich auf 3000 bis 5000 zusätzliche Studienanfänger in den Jahren 2011 bis 2015 einrichten, wenn die Wehrpflicht wegfällt. Das teilte Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) jetzt im Landtag mit. Die Hochschulen sollten mit vorgezogenen Zahlungen dafür gerüstet werden, kündigte sie an. „Wir setzen uns für eine vorzeitige Auszahlung des Hochschulpakts 2020 ein“, sagte Kühne-Hörmann in einer Debatte am Donnerstag.

Empört wiesen CDU und FDP die Befürchtung der Grünen zurück, die Hochschulen könnten wegen des Andrangs „kollabieren“. Es sei „unverantwortlich“, davon zu sprechen, sagte der CDU-Abgeordnete Rafael Reißer. „Das ist eine Zahl, die wir in Hessen verkraften können.“

Matthias Büger (FDP) betonte: „Nichts wird hier in Hessen kollabieren.“ Im Vergleich zu den 190.000 Studenten betrage die erwartete Steigerung nur zwei Prozent. Er betonte, dass die Hochschulen eine Kompensation des Bundes „in voller Höhe“ weitergereicht bekämen, wenn die Länder eine solche Ausgleichszahlung aushandeln könnten.

Die Grünen-Politikerin Sarah Sorge hatte darauf hingewiesen, dass die Universitäten bereits heute zu wenig Geld bekämen. „Die Hochschulen sind mit ihren Kapazitäten jetzt schon am Limit“, sagte sie. Hinzu kämen nicht nur mehr Studierende durch den Wegfall der Wehrpflicht, sondern auch einige Jahrgänge mit mehr Studienanfängern durch die verkürzte Schulzeit an den Gymnasien (G8). Anfang des Jahres hatte Ministerin Kühne-Hörmann mitgeteilt, dass sie wegen dieses Turbo-Abis in den Jahren 2011 bis 2015 in Hessen mit insgesamt 23000 zusätzlichen Studienanfängern rechne. Die meisten von ihnen werden in den Jahren 2013 und 2014 erwartet, in denen jeweils 6000 Studierende mehr an die hessischen Hochschulen strömen.

Gernot Grumbach (SPD) und Janine Wissler (Linke) machten wie die Grünen darauf aufmerksam, dass die Hochschulen unterfinanziert seien. Als Beispiele nannte Wissler die Hochschule Rhein-Main und die Technische Universität Darmstadt.

So studierten an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden 9300 Studenten. Sie erhalte aber nur Geld für 6200 Studierende. „Die Hochschulen werden gezwungen sein, die Türen zuzumachen“, befürchtet Wissler bei weiterem Andrang ohne finanziellen Ausgleich. Freidemokrat Büger hob hervor, dass der Wegfall der Wehrpflicht nicht nur als Problem diskutiert werden dürfte. Er lobte, dass dieser „schwere Eingriff in die Freiheit der Menschen“ von der schwarz-gelben Bundesregierung beendet werde.

Autor:  Pitt von Bebenburg
Datum:  16 | 12 | 2010
Kommentare:  1
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