Nach nicht einmal 24 Stunden sprechen die Zahlen für sich selbst. Bis zum frühen Sonntagnachmittag verzeichnet der Internet-Dienst Youtube mehr als Zehntausende Klicks für einen Video-Einspieler, der nicht alltäglich ist.
In genau einer Minute und 43 Sekunden lässt sich da ein angebliches Gespräch zwischen der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti und dem designierten Bundesvorsitzenden der Partei, Franz Müntefering, belauschen. Nur dass da nicht der echte "Münte" im Wiesbadener Büro Ypsilantis anrief - sondern ein Stimmenimitator, beauftragt vom niedersächsischen Privatsender Radio FFN.
Gernot Grumbach, der südhessische SPD-Vorsitzende, nimmt am Sonntag den Vorgang zum Beleg für den "Verfall" der Umgangsformen zwischen Journalisten und Politikern. Der Anruf des Senders war am Mittwoch vergangener Woche in der hessischen Parteizentrale in Wiesbaden eingegangen.
Sofort danach hatte die SPD dem Radiosender die Wiedergabe von Inhalten aus dem angeblich knapp siebenminütigen Telefonat untersagt. Unter Hinweis auf die Persönlichkeitsrechte Ypsilantis - aber auch Münteferings.
Als am Wochenende dennoch der Einspieler bei Youtube auftauchte, zeigten sich die Sozialdemokraten alles andere als amüsiert. In der Partei gab es am Sonntagnachmittag Stimmen, die forderten, dass nun Strafanzeige gestellt werden müsse - weil die Vertraulichkeit des gesprochenen Worts gebrochen worden sei: "Das ganze ist eine Schweinerei."
"Freiwild" für Journalisten
Am Montag will die hessische SPD-Spitze darüber entscheiden, wie sie reagiert. Gernot Grumbach lässt am Sonntag noch offen, "auf welche Weise wir uns damit auseinandersetzen werden". Auch der südhessische Bezirksvorsitzende hält es für selbstverständlich, dass das private Wort geschützt sein müsse.
Zu beobachten sei allerdings, dass gerade Ypsilanti in den zurückliegenden Monaten zum "Freiwild" von Journalisten geworden sei. "Es ist das Maß überschritten, das ich vom Wechselspiel zwischen Journalisten und Politikern seit langer Zeit kenne."
So habe es lange Verabredungen mit den Journalisten gegeben, "das Privatleben von Politikern außen vor zu lassen". Das ändere sich immer mehr. In diesem Jahr habe zum Beispiel eine große Boulevardzeitung kurz vor der Landtagswahl sogar das Umfeld von Ypsilantis ehemaligem Ehemann ausgeforscht.
Diese Entwicklung besitzt nach Ansicht Grumbachs wirtschaftliche Triebkräfte: "Etliche Zeitungen haben ein Problem, verlieren Auflage."

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