Der Tag begann für Georg Ewald mit großem Schrecken und viel früher als sonst. Am Mittwoch gegen 4.30 Uhr holte ihn ein Nachbar aus dem Bett mit dem Satz: "Unten, in deinem Geschäft brennt's". Als Ewald in seinem Antiquariat in der Freßgass stand, da brannte es schon nicht mehr, weil die Feuerwehr bereits im Einsatz gewesen war. Aber die meisten seiner teils sehr wertvollen antiquarischen Bücher, viele Erstausgaben darunter, waren trotzdem hin.
Jemand hat den Brand gelegt
Kurz nach 4 Uhr hatte ein Fußgänger, der auf der Freßgass unterwegs war, das Feuer im Antiquariat bemerkt und die Brandlöscher informiert. Als die Einsatzkräfte eintrafen, "war das gesamte Geschäft völlig verraucht". Der Brandherd sei lokalisiert, das Feuer schnell gelöscht worden, berichtet die Feuerwehr. Nach ersten Ermittlungen der Polizei haben Einbrecher das Feuer gelegt - in einer der hölzernen Bücherkisten, die Ewald während der Geschäftszeit vor die Tür des Antiquariats zu stellen pflegt. Es sei aber nicht nur gezündelt, sondern die Bücher mit dem Feuerlöscher aus dem Geschäft besprüht worden, berichtet Ewald. Sprachlos sei er bei dem Anblick gewesen. Der Schaden, den das weiße Pulver anrichtete, ist nach Schätzung des gelernten Buchhändlers erheblich höher als der Verlust durch Feuer und Rauch. Die Feuerwehr hat den Schaden auf insgesamt 15 000 Euro geschätzt. Wenn Antiquar Ewald die Zahl der Bücher, deren Wert und Verkaufspreis überschlägt, kommt er auf eine viel höhere Summe. "Die Bücher - bis auf einen kleinen Rest - sind ja nichts mehr wert", erklärt der Antiquar mit großem Bedauern.
An die 3000 Bücher, die zwischen 20 bis 300 Euro kosteten und die Georg Ewald in den kommenden Tagen in Umzugskisten verstauen wollte, weil der 55-Jährige sein Geschäft räumen muss. Am 23. Dezember sollte der traditionsreiche Laden zum letzten Mal geöffnet sein.
Abriss und Neubau geplant
Denn seit das Gebäude Große Bockenheimer Straße 29, in dem das Antiquariat seit Jahrzehnten angesiedelt ist, verkauft wurde, ist von dem Berliner Entwickler S &C Development Abriss und Neubau geplant. Georg Ewald hat seit Sommer die Kündigung für Wohnung, Abstellräume und für den Laden. Er zieht mit der Wohnung in die Braubachstraße um und will versuchen, überwiegend vom Antiquariats-Versand zu leben. Bei seiner neuen Unterkunft in dem städtischen Gebäude war ihm das Liegenschaftsamt behilflich, denn die Stadt hat Interesse, die Kulturmeile Braubachstraße durch derartige Läden zu bereichern.

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