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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

02. November 2014

Antsemitismus: Bonifer: Entsetzen über Schmähungen

 Von Danijel Majic
Max Moses Bonifer, Stadtschulsprecher.  Foto: Renate Hoyer

Der Rücktritt des Offenbacher Stadtschülersprechers löst ein großes mediales Echo aus. Alle Reaktionen zeigen das Entsetzen über die Schmähungen durch muslimische Jugendliche, die Bonifer über sich hat ergehen lassen müssen.

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Seit dem vergangenen Mittwoch steht bei Max Moses Bonifer das Telefon nicht still. Der 18-jährige ehemalige Stadtschülersprecher in Offenbach ist bei regionalen und überregionalen Medien ein gefragter Mann, seit die FR berichtet hat, dass er infolge antisemitischer Beleidigungen und Drohungen sein Amt niederlegen werde. Radio- und Fernsehsender bitten um Interviews, und über Facebook haben Bonifer mehrere Hundert Nachrichten erreicht. „Größtenteils Zuspruch“, wie Bonifer erklärt. Doch eben nicht nur.

Alle Reaktionen zeigen das Entsetzen über die Schmähungen durch muslimische Jugendliche, die Bonifer über sich hat ergehen lassen müssen. „Es ist traurig und beschämend, dass seine Amtszeit ein solches Ende nimmt“, erklärte etwa der Vorsitzende der Offenbacher Jusos, Philipp Türmer. Er betont jedoch auch, dass die Integration in Offenbach ein Erfolgsprojekt bleibe. Die Debatte nehme derzeit „einen völlig falschen Kurs“. Man müsse sich vielmehr damit beschäftigen, ob in kleinen Teilen der muslimischen Bevölkerung antisemitische Grundhaltungen vertreten werden.

Den von Bonifer erhobenen Vorwurf einer „verfehlten“ und zu sehr auf „Symbolik“ beschränkten Integrationspolitik der Stadt teilen die wenigsten. „Da sind wir komplett anderer Meinung“, betont Mohamed El Bannay, Vize-Stadtschülersprecher, im Namen des Offenbacher Stadtschülerrates (SSR); „die Stadt Offenbach engagiert sich stark für Jugendliche und beim Thema Integration.“

Rechtliche Prüfung

Man habe zwar „vollstes Verständnis“ für Bonifers Situation, könne aber seine Ansicht, dass eine „Mehrheit der muslimischen Offenbacher Schüler“ nicht integrierbar sei, nicht nachvollziehen. In einer Pressemitteilung distanziert sich das Schülergremium von Bonifers Aussagen. Darin heißt es auch, dass Bonifer die von ihm geschilderten Übergriffe nie im SSR thematisiert habe. „Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir das gehört haben“, sagt El Bannay. Doch auch wenn man seine Ansichten nicht teile, wolle man ihn in Zukunft „weiter unterstützen“.

Der SSR weist darauf hin, dass der rechtliche Status von Bonifer als kommissarischer Stadtschülersprecher derzeit rechtlich geprüft werde. Bonifer war während seiner Amtszeit nach Mühlheim gezogen, hätte das Amt damit eigentlich nicht weiter ausfüllen dürfen. Weil sich aber kein Nachfolger fand, blieb er kommissarisch im Amt – was bislang auch niemand kritisiert hatte.

Auch aus dem Umfeld des Offenbacher Magistrats wurde in den vergangenen Tagen mit Vorliebe auf den Umstand verwiesen, dass Bonifer „eigentlich“ nicht mehr Stadtschülersprecher sei. Abseits offizieller Stellungnahmen kritisieren einige Kommunalpolitiker, dass Bonifer sich direkt an die Öffentlichkeit gewandt habe, statt den Kontakt zu ihnen zu suchen. Mehr oder minder offen wird dem 18-Jährigen unterstellt, sich politisch profilieren zu wollen.

Derweil suchen Politiker und Amtsträger den Dialog. So lud ihn der Vorsitzende des Ausländerbeirats, Abdelkader Rafoud, zur nächsten Sitzung ein, um über die Vorkommnisse und Integrationspolitik zu diskutieren. Es gab ein Gespräch zwischen Bonifer und Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider (Grüne). Der stellvertretende Vorsitzende der hessischen FDP, Lasse Becker, lud Bonifer und den Stadtschülerrat nach Wiesbaden ein, um über Verbesserungen bei der Integrationspolitik zu reden.

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