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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

18. Februar 2015

Apfelwein: Gepanschtes im Gerippten

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Golden glänzt das "Stöffche" im Gerippten.  Foto: Monika Müller

Ist überall, wo Apfelwein draufsteht, auch Apfelwein drin? Aktuell haben drei Großkeltereien nach mehreren Beanstandungen Produkte aus dem Sortiment genommen. Beanstandet wird die Dokumentation der Inhaltsstoffe.

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Hessens Schoppepetzer sind sauer: Bei Routinekontrollen sind Lebensmittelkontrolleure auf Apfelwein mit Zuckerzusatz gestoßen. Ohne Hinweis auf dem Flaschenetikett. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Verstoßes gegen Marken- und Lebensmittelrecht. Als wäre das nicht schon schlimm genug, ergab die Prüfung, dass der Rohstoff oft nicht aus der Region stammt. Zum Teil waren noch nicht einmal zehn Prozent hessisches Obst mit verarbeitet. Daran hat sich eine Konflikt zwischen Hessens Verbraucherministerin Priska Hinz (Grüne) und den drei Branchenriesen Heil, Höhl und Possmann entzündet.

Was drin ist

Das EU-Gütezeichen g.g.A. steht für „geschützte geografische Angabe“. Mindestens eine der Produktionsstufen – also Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung – muss im Herkunftsgebiet durchlaufen werden.

Markenrecht ist ein Bestandteil des Kennzeichenrechtes, das Bezeichnungen von Produkten vor Missbrauch schützt. jur

Wo hessischer Apfelwein draufsteht, müssen auch hessische Äpfel drin sein, meint Hinz, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, Marktstrukturen für regionale Lebensmittel zu verbessern. Zumindest die Hälfte des Obstes müsse von hiesigen Bäumen stammen, sagt sie der Frankfurter Rundschau auf Anfrage. Die drei Keltereien vertreten unter Berufung auf das EU-Recht eine andere Auffassung dazu. Demzufolge dürfe „beim g.g.A.-Produkt Hessischer Apfelwein aus Gründen mangelnder Verfügbarkeit hessischer Äpfel zusätzlich auch nicht-hessisches Apfelsaftkonzentrat aus anderen Mitgliedstaaten und Drittländern eingesetzt werden“.

Zu wenig Streuobst

Gleichwohl zeigen sie Entgegenkommen. „Bis zur Klärung dieser Frage halten sich die Keltereien freiwillig an die Vorgaben“, schreiben sie in ihrer gemeinsamen Erklärung. Dies könne aber kein Dauerzustand sein: „Allerdings stehen auf Grund von jährlichen Schwankungen nicht immer genügend hessische Äpfel zur Verfügung.“ So sei die Ernte im vergangenen Jahr sehr gut gewesen, ergänzt Peter Possmann im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Doch bei einer Jahresproduktion von zehn Millionen Litern und immer weniger Streuobstwiesen müsse sein Betrieb bei Bedarf zukaufen – aus anderen Bundesländern, aus Tschechien, Slowenien oder auch aus Polen.

Mindestens die Hälfte der Apfel soll aus Hessen kommen, sagt die Ministerin  Foto: Christoph Boeckheler

Mit einer „Marketing- und Qualitätsoffensive“ wollen die drei betroffenen Betriebe aus Frankfurt, Maintal-Hochstadt und Laubus-Eschbach im Taunus jetzt das durch die Panscherei verlorene Vertrauen zurückgewinnen. Aus den Beanstandungen der Lebensmittelaufsicht habe man „umfassende Konsequenzen“ gezogen, versichern sie und kündigen Verbesserungen an. Werbung und Etikettierung sollten künftig „dem Informationsbedürfnis der Verbraucher noch stärker als bislang gerecht werden“.

Ihren Angaben zufolge hatten die Prüfer bei der Kelterei Höhl moniert, dass die Herkunft der Ausgangsstoffe nicht ausreichend dokumentiert worden war. Zugleich fehlte der Hinweis auf den zulässigen Lebensmittelzusatzstoff Zuckercouleur. Bei Heil und Possmann waren vereinzelt „Hessische Apfelweine“ mit Apfelweinprodukten vermischt worden, denen Zucker zugesetzt worden war. Die betroffenen Artikel seien sofort gesperrt worden, versichern die Betriebe.

Förderung regionaler Herkunft

Das ist zu empfehlen. Denn Verbraucherschutzministerin Hinz kündigt Nachprüfungen an. Die Verstöße seien bei ihr auf „große Enttäuschung und Unverständnis“ gestoßen. Die Keltereien hätten das Vertrauen der Kunden enttäuscht, kritisiert die Politikerin. „Das an die emotionale Verbundenheit angeknüpfte Versprechen von Qualität und Herkunft der regionalen Produkte muss von den Herstellern eingehalten werden“, betont sie und pocht auf Verlässlichkeit.

Die Förderung der Vermarktung regionaler Lebensmittel sei ihr ein großes Anliegen. Es habe positive Effekte auf Natur und Umwelt sowie den ländlichen Raum. „Vor dem Hintergrund des Verbraucherschutzes soll regionalen und ökologischen Lebensmitteln künftig eine noch bedeutendere Rolle zufallen“, kündigt die Grünen-Politikerin an. Die betreffenden hessischen Betriebe müssten dann aber auch mitziehen und die gesetzlichen Regeln sowie die öffentlichen Versprechen einhalten.

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