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Arbeit ohne Lohn in Hessen: Mal Schüler, mal Arbeitnehmer

Sie sind billig und sie sind motiviert: Viele Betriebe nutzen dies und lassen Praktikanten maßlos schuften. Nun zeigen Schüler der Fachoberschule in Gelnhausen Flagge und gehen in die Offensive. Von Peter Hanack

Monotone Tätigkeit: das Putzen einer Sonnenbank. Schülerpraktikanten wollen in Betrieben bessere Bedingungen.
Monotone Tätigkeit: das Putzen einer Sonnenbank. Schülerpraktikanten wollen in Betrieben bessere Bedingungen.
Foto: ddp

Wer etwas ändern will, muss den Mund aufmachen. Gesicht zeigen. Briefe schreiben.

Die Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse der Fachoberschule in Gelnhausen haben das getan. Sie haben sich geärgert, dass viele von ihnen für ihr Praktikum in der 11. Klasse von den Betrieben kein oder fast kein Geld bekommen haben. Obwohl sie dafür ein Jahr lang Monat für Monat 100 Stunden arbeiten mussten. Denn nur, wer die erfolgreiche Teilnahme am Praktikum bescheinigt bekommt, erhält nach der 12. Klasse die Fachhochschulreife.

Einladung zum Mitmachen

Praktikanten zum Nulltarif: Podiumsdiskussion, Mittwoch, 10. Februar, 18 Uhr, DGB-Haus, Wilhelm-Leuschner-Straße 69, Frankfurt. Eintritt frei.

Auf dem Podium: Hugo Klein (CDU), Hans-Christian Mick (FDP), Michael Reuter (SPD), Mathias Wagner (Grüne), Janine Wissler (Linke), Alexander Klein (Verdi), Reinhold Maisch (VhU).

Wettbewerb: Schüler der Jahrgangsstufen 11, 12 und 13 im Fach Politik und Wirtschaft können am Wettbewerb "Präsentieren - Gewinnen - Präsentieren" der Frankfurter Rundschau und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) teilnehmen.

Aufgabe: Erstellen einer Präsentation mit Bezug zur regionalen Wirtschaft.

Themenvorschläge: Wie geht es weiter mit Opel? Die Bankenstadt Frankfurt nach der Krise. Woher kommt unsere Energie?

Preise: Teilnehmer erhalten acht Wochen kostenlos Arbeitsexemplare der Frankfurter Rundschau. Die Mitglieder der zehn besten Teams gewinnen ein Jahresabo. Die Sieger stellen ihre Arbeit vor Publikum aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor und erhalten 300 Euro.

Sonderpreis Frankfurt: Der Einzelhandelsverband stiftet für die beste Arbeit einer Frankfurter Schule einen attraktiven Gewinn.

Anmeldungen bis 22. Februar. Einsendeschluss ist der 25. März.

Teilnahmebedingungen im Internet: www.schule-wirtschaft-hessen.de

"Ausbeute" sei das gewesen, schimpft Pamela, "die Drecksarbeit habe ich machen müssen, acht Stunden am Tag im Keller die Ordner sortieren". Andere mussten im Baumarkt Zementsäcke schleppen - oder nach einem langen Arbeitstag noch die Post wegbringen, wie Johanna erzählt.

Ein Jahr umsonst arbeiten - das sollen ihre Nachfolger nicht tun müssen, beschlossen die jungen Frauen und Männer. Und handelten. Sie haben eine Podiumsdiskussion organisiert, zu der die fünf Landtagsfraktionen ihre Vertreter schicken, bei der Arbeitgeber und Gewerkschaften diskutieren und die Öffentlichkeit eingeladen ist. "Damit", berichtet Jessica Geist, "wollen wir den Anstoß geben zu einer Bewegung, damit schließlich jeder Praktikant für seine Arbeit auch eine gerechte Entlohnung bekommt." Gerecht, da sind sie sich einig, wären 200 Euro im Monat, davon ließen sich wenigstens die Fahrtkosten decken und etwas zu essen kaufen. In ihrem Schreiben an die Praktikumsbetriebe empfiehlt die Gelnhäuser Berufsschule diesen Betrag als angemessen, "doch gerade mal ein Drittel hält sich daran", sagt Jessica.

Zahlreiche Briefe haben sie geschrieben, an die Parteien, Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Organisationen. Sämtliche Berufsschulen in Hessen haben sie informiert und zum Mitmachen aufgefordert, Flyer gedruckt, die Presse eingeladen. Und hoffen nun darauf, dass ihr Engagement Früchte trägt: Dass es künftig eine Regelung gibt, die Betriebe zur Bezahlung von Langzeit-Praktikanten verpflichtet.

"Denn es kann so nicht weitergehen", sagt ihr Lehrer Rainer Horseling, "dass die Praktikanten als Schüler behandelt werden, wenn es ums Bezahlen geht, aber als Arbeitnehmer, wenn es ums Schuften und den Urlaub geht."

Autor:  Peter Hanack
Datum:  9 | 2 | 2010
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