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Arbeiten zum Nulltarif: Generation Praktikum wehrt sich

Der Ärger über unbezahlte Praktika ist groß. Schüler erzählen auf der Podiumsdiskussion "Preissturz auf dem Arbeitsmarkt - Praktikanten zum Nulltarif" wütend über ihre Erfahrungen. Die Jugendlichen fordern faire Arbeitsbedingungen und Lohn. Von Katharina Kühn

Nach 90 Minuten soll die Podiumsdiskussion "Preissturz auf dem Arbeitsmarkt - Praktikanten zum Nulltarif" vorbei sein. Doch die Fragen der Zuhörer an die Vertreter der fünf Landtagsparteien, der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände hören an diesem Mittwochabend nicht auf.

Mehr als 300 Zuhörer, zumeist Jugendliche, sitzen im Frankfurter DGB-Haus, einige stehen, weil die Stühle nicht reichen. Der Andrang macht deutlich, wie sehr die jungen Leute der Ärger über unbezahlte Praktika umtreibt. Organisiert haben das Treffen 23 Fachoberschüler der Beruflichen Schule Gelnhausen. Peter Hanack, Redakteur der Frankfurter Rundschau, moderiert die Diskussion.

Gleich mehrere Schüler erzählen wütend, dass sie im einjährigen Praktikum Blumen gießen, Geschirr spülen und Müll entsorgen mussten. "Die Kaffeemaschine kenne ich in- und auswendig", sagt die 19-jährige Madina. Sie arbeitete in einem Hanauer Computerversand, die Buskarte für 100 Euro musste sie selbst zahlen.

Die Podiumsgäste zeigen Verständnis für den Ärger - einen Praktikantenmindestlohn lehnen die meisten jedoch ab. Der schulpolitische Sprecher der Grünen, Mathias Wagner, schlägt vor, Arbeitgeber und Gewerkschaften sollten einen gemeinsamen Vorschlag einreichen. Auch Hugo Klein (CDU) ist gegen eine staatliche Lösung: "Wir können keinen Betrieb zwingen, Praktika anzubieten." Bei einem verordneten Entgelt würden viele eben keine mehr anbieten.

Die Betriebe staatlich zu fördern sei der falsche Weg, so Hans-Christian Mick. Der FDP-Politiker verweist darauf, dass es solch eine Subventionierung bereits gab: "Die Idee erwies sich als Fehlschlag, weil die Unternehmen dann statt einem Azubi drei Jahrespraktikanten nahmen."

Janine Wissler (Die Linke) fordert wie Alexander Klein (Verdi) einen Mindestlohn von 300 Euro. Klein verspricht, bei Personal- und Betriebsräten dafür zu werben, sich verstärkt für Praktikanten einzusetzen. Michael Reuter (SPD) sieht im praktischen Unterricht eine Notlösung: "Wenn der Ausbildungsmarkt versagt, muss die Schule für die Praxis sorgen." Reinhold Maisch (Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände) glaubt, dass es bald "mehr Plätze als Interessierte geben wird." Und die Betriebe dann freiwillig zahlten.

Nach mehr als zwei Stunden beenden die Schüler die Diskussion und überreichen eine Petition für bezahlte Praktika. Falls der Umschwung nicht so bald kommt.

Autor:  Katharina Kühn
Datum:  12 | 2 | 2010
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